NIDWALDEN: Staatsdiener lässt sich mit viel Applaus in Ruhestand begleiten

Landweibel Josef Camenzind hat gestern die letzte Landratssitzung erlebt. Nach 28 Jahren tritt er ab, aber nicht vollständig.

Geri Wyss
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Eine lange Standing Ovation als Abschiedsgeschenk: der abtretende Landweibel Josef Camenzind (Mitte) mit seiner Frau Ursula (links). (Bild Corinne Glanzmann)

Eine lange Standing Ovation als Abschiedsgeschenk: der abtretende Landweibel Josef Camenzind (Mitte) mit seiner Frau Ursula (links). (Bild Corinne Glanzmann)

Lange und herzlich war der Applaus, welcher der abtretende Landweibel Josef Camenzind gestern erhielt. Soeben war für ihn die letzte Landratssitzung zu Ende gegangen. Nun standen alle Landräte und klatschten, und Landratspräsident Maurus Adam überreichte Camenzind einen Karton mit feinen Tropfen. Adam dankte ihm für die stete Hilfsbereitschaft. Er wünschte alles Gute und gute Gesundheit auf dem weiteren Lebensweg. Die Worte galten auch für Ursula Camenzind, die Frau des designierten Pensionisten. Sie bekam einen Blumenstrauss überreicht.

Sichtlich emotional

«Hinter jedem starken Mann steht auch eine gute und starke Frau.» Der Abschied war ein sichtlich emotionaler Moment für den bärtigen Mann, der 28 Jahre lang im Dienste des Kantons gestanden hatte. Am 1. Oktober 1985 hatte der Gersauer als Gerichtsweibel begonnen. Am 1. Februar 2003 hatte er dann den Posten des Landweibels von Toni Niederberger nach dessen Ruhestand übernommen. Nun wird Camenzind Ende Monat selber pensioniert. Neuer Landweibel wird der Stanser Eduard Amstad.

Nachfolger arbeitete im Gefängnis

Stunden zuvor: Als sich der Journalist beim Noch-Landweibel Josef Camenzind gestern Vormittag nach der Gefühlslage via Landweibel-Handy erkundigen will, nimmt schon Nachfolger Eduard Amstad ab. Das Amt als Landweibel sei «aufregend und sehr interessant», konstatiert er, der am 1. Oktober die Arbeit aufgenommen hat. Amstad war bisher im Gefängnis Stans tätig. Dort war er für den Bereich Sicherheit und Fahrzeugunterhalt zuständig und betreute auch die Insassen. «Mädchen für alles» sei er dort gewesen, blickt Amstad zurück, «und nun als Landweibel erwartet mich wieder eine multifunktionale Aufgabe.»

Camenzind: Pension schon geübt

«Meine Gefühlslage ist gut», erzählt Josef Camenzind dann an seinem Handy. «Ich habe gar keine Probleme damit, in Pension zu gehen.» Er habe sich ja auf die nun folgende Zeit vorbereiten können. Das Reisen, eine Leidenschaft Camenzinds und seiner Frau Ursula, dürfte nun vermehrt zum Zuge kommen. Im August und September waren die beiden schon sechs Wochen in den Ferien. «Ich habe gemerkt, dass ich eigentlich gar nicht mehr hätte als Landweibel zurückkehren müssen», sagt Camenzind und lacht. Musste er aber. Seit Anfang dieses Monats arbeitet er Eduard Amstad ein. «Am ersten Tag», erzählt Camenzind, «hatte ich einen Kopf wie noch nie.» Seine Arbeit bestehe aus vielen Automatismen, die er sich nun wieder habe überlegen müssen, um sie richtig weiterzuvermitteln. Er habe in den vergangenen 28 Jahren im Dienste des Staates sehr viel Schönes erlebt, sagt Camenzind. Mit den Regierungsräten habe er es immer gut gehabt. «Früher haben sie ihre Funktion schon noch anders gelebt. Heute sind die Regierungsräte lockerer und familiärer im Umgang mit den Leuten», hat Camenzind festgestellt. Und heute müsse der Landweibel auch flexibler sein, weil die Zeit hektischer sei und Termine kurzfristiger angesetzt würden.

Camenzind bleibt Stellvertreter

Vorderhand gibt Josef Camenzind aber seinen Landweibelposten noch nicht vollständig ab. Weil der bisherige Stellvertreter künftig nicht mehr zur Verfügung steht, wird er in die Bresche springen, wenn Eduard Amstad ferienabwesend ist oder sonst mal verhindert sein sollte. Und warum hat Eduard Amstad eigentlich die Arbeit im Gefängnis aufgegeben? «Ich bin jetzt 54-jährig und habe gemerkt, dass die Zeit für etwas Neues gekommen ist.» Als gelernter Zimmermann sei er seinerzeit viel herumgekommen. «Das wird nun als Landweibel auch wieder der Fall sein. Ich freue mich auf die frische Lebensaufgabe und die vielen damit verbundenen Begegnungen.»