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NIDWALDEN: Stansstad wird zum Experimentierfeld für Künstler

Die Nidwaldner Gemeinde zwischen Lopper und Bürgenstock wird für gut drei Monate zum Experimentierfeld für junges modernes Kunstschaffen. Kreatives Epizentrum ist dabei unter dem Namen «Whua!» ein altes Postlokal.
Romano Cuonz
Elia Malevez (von links) mit Esther Christen von der Kulturkommission und Sabine Gebhardt-Fink. (Bild: Romano Cuonz (Stansstad, 8. März 2018))

Elia Malevez (von links) mit Esther Christen von der Kulturkommission und Sabine Gebhardt-Fink. (Bild: Romano Cuonz (Stansstad, 8. März 2018))

Romano Cuonz

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

In den nächsten Tagen, Wochen und Monaten werden die Einwohner von Stansstad, wenn auch nicht ihr «blaues», so doch ein «kreatives» Wunder erleben. 13 Frauen und 4 Männer des Masterlehrgangs Kunst an der Hochschule für Design & Kunst Luzern (HSLU) haben sich im alten Postlokal des Gebäudes Riedsunnä eingemietet. Dort betreiben sie als Treffpunkt und Festivalzentrum ein 500 Quadratmeter grosses Atelier. Wohl nicht zufällig nennen sie es «Whua» (ausgesprochen wie «Wau!»). Ausschwärmen wollen sie von hier und dabei die Abschlussarbeit für ihren «Master of Arts in Fine Arts» leisten, indem sie den alten Traum einer «absoluten Symbiose von Kunst und Leben» verwirklichen.

Sabine Gebhardt-Fink, Leiterin des Studiengangs, sagt es so: «Unser Fokus ist, dass Kunst nicht etwas für den Elfenbeinturm sein darf, vielmehr soll sie mit unserer Gesellschaft und ihren heutigen Fragen zu tun haben.» Die Studierenden (gut die Hälfte stammt aus der Zentralschweiz) möchten der Gemeinde, die sie unterstützt, etwas zurückgeben, indem sie jeden Winkel wandernd erkunden, dabei viel recherchieren und kreieren. «Die konkrete Auseinandersetzung mit einer Region und ihren Menschen bietet Studierenden so etwas wie einen Übergang in die Lebenswelt», ist Gebhardt-Fink überzeugt. «Auch zu ihrem späteren Beruf zum Beispiel als Lehrpersonen an Schulen.» Allerdings: Ohne grosse Offenheit der beherbergenden Gemeinde sei so eine Arbeit nicht möglich, sagt die Leiterin. Bei solchen Experimenten würden natürlich auch die Einwohner mit Fragen und Wünschen überschüttet.

Stansstad – ein hellwaches Dorf

«All jene Leute, die behaupten, Stansstad sei ein Schlafdorf, wollen wir zurzeit eines Besseren belehren», findet Esther Christen als Präsidentin der Kulturkommission. Da passiere Unglaubliches. «Kürzlich bildete sich eine ganze Traube von Zuschauern um eine Studentin, die auf einer Litfasssäule stand, und an der Herbst-Gemeindeversammlung staunten die Bürger über einen Studenten, der das Geschehen zeichnend verfolgte», erzählt Christen erfreut: «Da arbeiten junge Menschen, die neue Ideen in unser Dorf bringen.» Ihnen stelle man auch die «Sust» und das kulturelle «Know-how» gerne zur Verfügung. Selbst finanziell werde die Gemeinde das Projekt wohl noch unterstützen.

Die Einheimischen seien offen und neugierig. Christen weiss: «Im ‹Whua› kommt es bei Kaffee und Kuchen bereits jetzt oft zu engagierten Diskussionen.» Alles erst ein Vorgeschmack auf zahlreiche Performance-Aufführungen, die noch aufs Publikum zukommen werden. Einen Vorgeschmack bekam man kürzlich bei der Vorstellung der vielen Projekte: Ein Studierender will auf dem Bürgenstock einen Western drehen, andere suchen in der ganzen Gemeinde Gespenstergeschichten. Jemand fertigt Bit­coins als digitales Zahlungsmittel an, und im Mittelpunkt einiger kreativer Studien steht das Handy mit all seinen Funktionen in der modernen Gesellschaft. Auch wenn die Abschlussausstellung «ON» erst auf den 16. Juni festgesetzt ist: Das grosse Abenteuer hat längst begonnen!

Eine der Studierenden ist Elia Malevez (37) – eine echte Unterwaldnerin. «Ja, ich bin gleichermassen in Nidwalden wie in Obwalden aufgewachsen», bestätigt die Architektin, die zwischendurch schon mal als Dozentin oder Putzfrau arbeitet. Momentan bildet sie sich, zusätzlich zum Master, als Zeichnungslehrerin aus. Ihre Performance trägt den geheimnisvollen Titel «Der Eremit». «Punkto Tagesablauf, Kleidung und Ernährung wird mein Leben als Eremit in Stansstad streng reglementiert sein», kündigt sie an. Aufstehen um sechs. Dann Schwimmen, Yoga, Joggen, Meditation, Lesen, Zeichnen, Spazieren, Fotografieren und Tagebucheinträge. Eines verspricht sie hoch und heilig: «Während dieser Zeit verzichte ich auf gekochtes Essen und ernähre mich nur von rohen und gedörrten Früchten und Nüssen.» Umso schöpferischer will sie tätig sein. Für Stansstad will sie Miniaturhäuschen entwerfen und bauen. «Ich möchte damit nicht Fragen beantworten, vielmehr aufwerfen.» Eigentlich fehlt ihr nur noch etwas: eine geeignete Klause. Für Angebote oder Hinweise wäre sie sehr dankbar.

Elia Malevez zeichnet sich als Stansstader «Eremit». (Bild: Romano Cuonz (Stansstad, 8.März 2018))

Elia Malevez zeichnet sich als Stansstader «Eremit». (Bild: Romano Cuonz (Stansstad, 8.März 2018))

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