Nidwalden startet Pilotphase für erweiterte Teststrategie

Der Kanton testet die Abläufe mit Pilotbetrieben und muss für Reihentests genügend Testmaterial und Laborkapazitäten sicherstellen.

Philipp Unterschütz
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Mit einer ausgeweiteten Teststrategie will der Bund die Früherkennung von Corona-Ausbrüchen verbessern. Die Strategie beruht vor allem auf regelmässige Testungen in Betrieben, Schulen und Institutionen. Damit mehr getestet wird, übernimmt der Bund seit Montag die Kosten für gezielte und repetitive Tests bei symptomlosen Personen, die ebenfalls Träger von Covid-19 sein könnten.

Für Spucktests im Rahmen der erweiterten Teststrategie sucht der Kanton nach geeigneten Labors zur Auswertung.

Für Spucktests im Rahmen der erweiterten Teststrategie sucht der Kanton nach geeigneten Labors zur Auswertung.

Symbolbild: Moritz Hager

Wie die Gesundheits- und Sozialdirektion gestern mitteilte, hat das kantonale Gesundheitsamt den Auftrag, die neue Teststrategie in Nidwalden umzusetzen. In einer ersten Phase werden nun mit ausgewählten Pilotbetrieben und -institutionen sowie einem kantonalen Amt die Abläufe systematisiert, eins zu eins durchgespielt und optimiert. «Eine Herausforderung ist die Suche nach geeigneten Labors, die über ausreichend Testmaterial und Auswer­tungskapazitäten verfügen. Wir führen mit potenziellen Anbietern Gespräche», lässt sich Gesundheits- und Sozialdirektorin Michèle Blöchliger zitieren. Ziel sei es, den logistischen Aufwand für testwillige Unternehmen und Institutionen tief zu halten.

Pooltests sind am geeignetsten

Bis flächendeckend Reihentests möglich sind, braucht es noch Geduld, heisst es weiter in der Mitteilung. Dies hänge auch damit zusammen, dass einfach anwendbare Spucktests aufgrund knapper Laborkapazitäten bislang nur begrenzt eingesetzt werden könnten. Mit Spucktests können vor Ort gepoolte Speichelproben entnommen werden, das heisst die Proben bestimmter Personengruppen werden in einem Pool gesammelt und ausgewertet. «Aus unserer Sicht ist dies die geeignetste und am wenigsten aufwendige Variante für wiederholte Massentests», hält Michèle Blöchliger fest. Fällt das Resultat einer gepoolten Probe positiv aus, ist die Gruppe mittels individuellen PCR-Tests ein weiteres Mal zu testen, um die positive Person zu eruieren. Bis die Resultate vorliegen, müssen sich alle Personen dieser Gruppe in Selbstisolation begeben.

Betrieben und Institutionen, die bereits jetzt regelmässig testen wollen, um Infektionen frühzeitig festzustellen, empfiehlt der Kanton, bis auf weiteres auf Schnelltests zu setzen und diese selber zu organisieren. Dafür soll mit geschulten Fachpersonen wie Hausärzten oder unternehmenseigenen Sanitätsdiensten zusammengearbeitet werden. Aufgrund limitierter Test- und Laborkapazitäten komme das Testcenter im Kantonsspital Nidwalden dafür nicht in Frage. Dieses werde auch künftig vorwiegend Tests von Privaten oder durch das Gesundheitsamt zugeordneten Personengruppen durchführen.

Reihentests beruhen auf freiwilliger Basis

Das Gesundheitsamt betont, dass die Tests freiwillig sind. Dies gilt auch für Schulen oder jeden einzelnen Schüler. Da die Impfaktion bei Betagten in Alters- und Pflegeheimen abgeschlossen ist und nun das Gesundheits- und Pflegepersonal geimpft wird, geht man beim Gesundheitsamt davon aus, dass der Bedarf an Reihentests in diesen Institutionen eher gering ausfallen wird. Der Bund hat aber in Aussicht gestellt, dass repetitives Testen etwa in Unternehmen künftig zu Quarantänebefreiungen führen kann.

Zentral in der Bekämpfung der Covid-19-Pandemie bleibt die Impfung der Bevölkerung. Der Kanton setze alles daran, die Impfaktion erfolgreich weiterzuführen. «Bis alle impfwilligen Personen in Nidwalden mit Impfstoff versorgt werden können, dürfte es gemäss heutigem Stand Spätsommer 2021 werden», so die Gesundheitsdirektion weiter. Bis dahin seien verstärkte Testaktivitäten wichtig, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Regelmässige Tests würden aber die bestehenden Schutzmassnamen am Arbeits- oder Ausbildungsplatz nicht ersetzen.

Selbsttests sind noch nicht zugelassen

Zur erweiterten Teststrategie gehören auch Selbsttests zu Hause. So können zum Beispiel Personen, die gefährdete Bekannte besuchen wollen, sich vorgängig vergewissern, dass sie keine Covid-19-Erkrankung aufweisen. Auch Kindern und Jugendlichen soll diese Möglichkeit zur Verfügung stehen, da sie seltener Symptome einer Ansteckung zeigen, aber viele Sozialkontakte haben. Gemäss Bund sollen pro Person fünf kostenlose Tests pro Monat bezogen werden können. Hier ist aber ebenfalls noch Geduld gefragt, momentan sind in der Schweiz noch keine Selbsttests zugelassen. Dies dürfte erst in einigen Wochen der Fall sein. Zudem muss der Vertrieb zusammen mit den Apotheken aufgegleist werden. Wer mehr als fünf Selbsttests pro Monat durchführen will, muss diese selber bezahlen.