NIDWALDEN: Steg zur Sperrzone erklärt: Buochs droht «Schiffs-Abseits»

Die Schiffstation bleibt vorerst auf unbestimmte Zeit gesperrt – aus Sicherheitsgründen. Für den Tourismusverein eine unangenehme Situation. Und auch der eingemietete Stand-Up-Paddling-Anbieter ist gegenwärtig auf Nadeln.

Oliver Mattmann
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Infoschilder an den Gittern weisen auf die aktuelle Sperrung der Schiffsstation hin. (Bild: Corinne Glanzmann (Buochs, 4. April 2018))

Infoschilder an den Gittern weisen auf die aktuelle Sperrung der Schiffsstation hin. (Bild: Corinne Glanzmann (Buochs, 4. April 2018))

Oliver Mattmann

oliver.mattmann@nidwaldnerzeitung.ch

Die Kursschiffe auf dem Vierwaldstättersee starten am 21. April in die Frühlingssaison. Dann kehrt auch Buochs mit zwei Halten auf den Fahrplan zurück, ab dem 26. Mai sind es deren vier während den Sommermonaten. Doch ob Buochs in diesem Jahr überhaupt angefahren werden kann, steht derzeit in den Sternen. Seit rund zwei Wochen ist der Steg beim Quai gesperrt. Sicherheitsgründe haben die Gemeinde zu diesem Schritt veranlasst. «Die Tragfähigkeit des Steges ist derzeit unklar und es können keine Risiken eingegangen werden», heisst es unter anderem auf der Webseite.

Was ist passiert? Bei einer Inspektion der Schiffshaltestelle wurde festgestellt, dass ein Teil der Fundation eingebrochen war und komplett ausgewaschen ist. Nahezu die ganze Front unter der Betonplatte sei herausgerissen worden, der Hohlraum unter dem Belag betrage schätzungsweise 25 Quadratmeter.

Ein Provisorium ist wohl wenig realistisch

Die aktuelle Situation kommt nicht ganz überraschend. Bei einer Inspektion aller Schiffstege im Winter 2016 kam bereits zum Vorschein, dass die Anlagestelle Buochs kleine Schäden aufweist. Risse und ausgewaschene Fugen im Mauerwerk wurden registriert. Die Holzfundation war damals aber noch in annehmbarem Zustand. Auch deshalb beschlossen die Verantwortlichen der Schifffahrtsgesellschaft Vierwaldstättersee (SGV) und der Gemeinde, mit einer Instandstellung zuzuwarten und weitere Abklärungen zu treffen.

Nun hat die Natur schneller «gearbeitet» als erwartet. «Die grossen Schäden hängen wahrscheinlich mit dem Januar-Sturm Burglind zusammen», hält Gemeindevizepräsident Werner Zimmermann auf Anfrage fest. Die Schutzmauer sei beim Wellengang stark beschädigt und weggespült worden, sodass sich der Zustand des Stegs abrupt verschlechtert habe. Die Gemeinde warte nun, welche Lösungsmassnahmen das beauftragte Wasseringenieurbüro vorschlage. «Wir gehen davon aus, dass wir innerhalb der nächsten zwei Wochen Bescheid erhalten», so Zimmermann. Dann wisse man auch, von welchem Preisschild die Rede sei, denn für Sanierungskosten müsste die Gemeinde aufkommen. Und wenn sich für dieses Jahr keine Lösung mehr abzeichnet? «Wir haben im Gemeinderat noch nicht darüber diskutiert, aber für eine alternative Anlegestelle sehe ich wenig Chancen», sagt der Gemeindevizepräsident dazu.

Natürlich sei dies bedauerlich für den Tourismus, doch man müsse sich das Kosten-Nutzen-Verhältnis eines Provisoriums für die wenigen Schiffe vor Augen halten. Und ein Problem bleibe so oder so: Der Zeitfaktor.

Die Hoffnung auf eine schnelle Lösung noch nicht aufgegeben hat Josef Barmettler, Geschäftsführer von Tourismus Buochs-Ennetbürgen. «Für uns wäre eine länger andauernde Sperrung ohne Ersatz einschneidend.» Bereits heute kämpfe man dafür, dass die Leute in Buochs ein- und aussteigen und nicht nach Beckenried ausweichen. 2017 waren es total 3230 Personenfrequenzen (2016: 2945). Mit dem erweiterten Camping, der geplanten Busverbindung zwischen Bürgenstock und Ennetbürgen und der Vermarktung der Seemeile mit diversen Angeboten sieht Barmettler Potenzial für die Station in Buochs. «Wenn die Schiffe eine ganze Saison nicht anlegen, verschwindet die Haltestelle noch mehr aus den Köpfen», befürchtet er. Mehr noch: «Der Worst-Case wäre, wenn die Sanierung teuer ausfällt und sowohl Gemeinde als auch Schifffahrtsgesellschaft aus finanziellen oder wirtschaftlichen Gründen darauf verzichten würden.»

Fatal wäre ein solches Szenario auch für den Supoint Buochs, der direkt am Steg eine Heimat inklusive Shop gefunden hat und von dort aus Vermietungen, Touren, Kurse und Events rund um Stand-Up-Paddling anbietet.

Der Zutritt ist derzeit sehr eingeschränkt

«Wir waren geschockt, als wir vor verschlossenen Türen standen», ­erzählt Mitinhaber und Supoint-Geschäftsleiter Maurizio Immersi. «Uns sind im Moment die Hände gebunden, wir erhalten nur mit Begleitung von Angestellten der Gemeinde Zutritt zum Steg.» Entsprechend seien sie auf Nadeln, denn am 19. Mai sollte der Startschuss zur dritten Saison fallen. «Wir sind mit der ersten Phase hier sehr zufrieden», sagt der Jungunternehmer, «wir haben aber noch Luft nach oben und würden unser Angebot gerne ausbauen. Die Sperrung kommt zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt.» Ihnen bleibe nichts anderes übrig, als das weitere Vorgehen der Gemeinde abzuwarten. «Wir machen uns aber Gedanken, wie es ohne Steg für uns weitergehen könnte. In irgendeiner Form werden wir die Saison 2018 durchführen», bleibt Maurizio Immersi optimistisch.