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NIDWALDEN: Taucher befreien Uferzone von Müll

Zwei Tonnen Abfall sind in Kehrsiten aus dem See geholt worden – an einem Tag. Die traurige Bilanz überrascht die Taucher nicht.
Oliver Mattmann
Helfer ziehen einen schweren Metallwagen aus dem Wasser. (Bild: PD)

Helfer ziehen einen schweren Metallwagen aus dem Wasser. (Bild: PD)

Oliver Mattmann

Auf der Wiese am Seeufer in Kehrsiten türmt sich ein beachtlicher Abfallberg. Etwa 2000 Kilo Müll. Doch dieser stammt nicht etwa von einer Open-Air-Veranstaltung. Nein, diese Menge ist an einem einzigen Tag aus dem Wasser in der Uferzone gefischt worden. Acht Taucher standen vor kurzem im Einsatz, sechs weitere Helfer an Land. «Diese Menge überrascht mich nicht», sagt der Hergiswiler Thomas Niederer, Präsident und Gründer der Schweizer Umwelt- und Abfalltaucher (Suat), nüchtern. Er ist sich dieses Bild längst gewohnt. «Seit unserer Gründung vor fünf Jahren haben wir rund 300 Tonnen Müll an Land gezogen.» In Kehrsiten sind nebst Büchsen und Flaschen auch Bauschutt, Armierungsmatten, Pneus und ein schwerer Metallwagen zum Einwassern zum Vorschein gekommen.

Taucher ehrenamtlich im Wasser

Diese Bilanz stimmt nachdenklich. «Dabei ist dies bloss die Spitze des Müllbergs», ist Thomas Niederer überzeugt, zumal die Suat-Taucher in der Regel nur in Wurfweite und bis zu 15 Metern Tiefe auf Güselfang gehen. Im nächsten Halbjahr stehen weitere Säuberungsaktionen in Stansstad, Hergiswil, Ennetbürgen, Buochs, Beckenried, Küssnacht, Hertenstein, Weggis und Vitznau an. Niederer: «Ich rechne mit weiteren 50 bis 100 Tonnen Abfall.» Den zusammengetragenen Müll hole die zuständige Gemeinde auf meist unkomplizierte Art ab. Das war nicht immer so. «Zu Beginn mussten wir noch betteln, dass der Transport übernommen wird.»

Auch der Kanton anerkenne die wertvolle Arbeit der Abfalltaucher, selbst wenn einzelne Behördenvertreter hinter vorgehaltener Hand nicht nur Freude daran haben, wenn Altlasten an die Oberfläche kommen. Bemerkenswert: Die Taucher leisten ihre Einsätze auf freiwilliger Basis. Die Gruppe ist daher auf Sponsoren und Spender angewiesen. In dieser Hinsicht machte sie in diesem Sommer einen grossen Fang. Dank dem finanziellen Engagement von Unternehmer Theo Breisacher jun. «sind wir viel effizienter geworden», so Thomas Niederer. Unter anderem konnte ein neues Boot angeschafft und ein Vereinslokal bezogen werden. Auch sei Theo Breisacher ein wichtiger Botschafter für die Arbeit der Abfalltaucher. «Er hat sich so stark eingesetzt», so Niederer, «dass wir ihn zum Ehrenpräsidenten machen.»

Mehr Infos: www.suat.ch

Ist Ihre Arbeit nicht ernüchternd?

om. Nachgefragt bei Thomas Niederer, Präsident Schweizer Umwelt- und Abfalltaucher:

Ist es nicht ernüchternd, wenn Sie sehen, wie viel Abfall sich zwischen zwei Einsätzen im selben Gebiet wieder angesammelt hat?
Thomas Niederer:
Wir wissen, dass Unmengen von Müll im See liegen. Und dieser muss raus. Das ist ja gerade unsere Motivation. Uns ist klar, dass unsere Arbeit ein Generationenprojekt ist. Es wird Nachfolger brauchen, die unsere Bemühungen fortsetzen. Denn die Abfallmenge wird sich nicht von heute auf morgen reduzieren.

Bei so viel Abfall im See: Welche Gefahren lauern für die Pflanzen- und Tierwelt im Wasser?
Niederer:
Es gibt unmittelbare Gefährdungen durch Sonderabfall wie Öl, Benzin oder Autobatterien, an dem Tiere oder Pflanzen zugrunde gehen. Die kommende Umweltkatastrophe aber, und zwar weltweit, ist weggeworfener Plastik. Je nach Struktur zersetzt sich dieser nach 50, 100 oder 150 Jahren und vermischt sich dann mit der Nahrung der Wassertiere, die daran verenden werden. Die Unbekümmertheit, mit der Leute auch PET-Flaschen oder Aludosen im See entsorgen, wird sich also in späteren Generationen noch rächen. Zudem belegt der viele Abfall vor allem in Uferbereichen etliche Quadratmeter, in denen der Boden nicht «atmen» kann und so zur toten Zone wird.

Wie kann dem Problem der heutigen Wegwerfgesellschaft entgegen- getreten werden?
Niederer:
Das Ganze ist in erster Linie eine Erziehungsfrage. Das heisst aber nicht, dass alle schlecht erzogen sind. Vielfach spielt auch Unwissen über die möglichen Konsequenzen für die Umwelt mit hinein. Nur wenige machen sich wirklich Gedanken, was sie mit ihrem Verhalten anrichten. Man muss die Leute aufklären, um sie an das Thema heranzuführen. Es ist Sisyphusarbeit, doch wir müssen dranbleiben. An Universitäten gebe ich genau über solche Themen Vorträge. Ich persönlich bin dafür, auf allen Flaschen und Dosen wieder einen finanziellen Anreiz, sprich ein Depot, einzuführen. Irgendjemand würde die liegen gebliebene Ware dann schon einsammeln. Bussen für Personen, die beim illegalen Entsorgen erwischt werden, schrecken insgesamt zu wenig ab.

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