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NIDWALDEN: «Töffli verleiht die ewige Jugend»

Die Teffli-Rally in Ennetmoos geht in die 10. Runde. Was hat es mit dem Hang zu alten Töffli auf sich? Und kann der Kult-Event Ende August überhaupt noch grösser werden? Wir fragten OK-Präsident Walter Gut.
Oliver Mattmann
In rund einem Monat rattern die Piloten an der Teffli-Rally wieder über die Naturpiste. (Bild: André A. Niederberger (Ennetmoos, 25. August 2013))

In rund einem Monat rattern die Piloten an der Teffli-Rally wieder über die Naturpiste. (Bild: André A. Niederberger (Ennetmoos, 25. August 2013))

Interview: Oliver Mattmann

oliver.mattmann@nidwaldnerzeitung.ch

Er gehört zu den Machern der ersten Stunde. Walter Gut ist seit der ersten Austragung 2000 ununterbrochen im Organisationsteam der Teffli-Rally in Ennetmoos. Heuer orchestriert er die Veranstaltung, die inzwischen Kultstatus erlangt hat, bereits zum 7. Mal als OK-Präsident. Im Interview mit unserer Zeitung verrät der 39-jährige Familien­vater und Geschäftsführer der Poli Bau AG, wem er sein Töffli ausleiht, wie sehr der Event noch wachsen kann und warum die Rally nicht verkauft werden soll.

Walter Gut, angenommen, Sie müssen sich entweder von Ihrem Auto oder Ihrem Töffli trennen. Wie würden Sie sich entscheiden?

Selbstverständlich würde ich das Auto hergeben. (lacht) Im Ernst: Ich besitze zwar ein Töffli, mache selber aber an höchstens zwei, drei Touren pro Jahr mit. Die restliche Zeit fährt der Sohn meines Bruders damit zur Arbeit.

Mit Verlaub: Wieso hängen Sie und Ihre OK-Kollegen dermassen an den alten Göppeln? Heute gibt’s doch komfortablere Gefährte?

Sagen wir es so: Das Töffli verleiht einem die ewige Jugend. Ich selber verbinde ebenfalls sehr viele Jugenderinnerungen damit. Und vielen macht es Spass, das Töffli fahrtüchtig zu halten und daran herumzubasteln. Mir im Prinzip auch, doch ich kann gerade mal eine Schraube anziehen, vom Motor habe ich nicht die leiseste Ahnung. (lacht) Da bin ich auf die Hilfe von Fachleuten angewiesen.

Die Teffli-Rally hat Kultstatus erlangt, bei der vergangenen Ausgabe vor zwei Jahren strömten 21000 Besucher an den Anlass. Wie erklären Sie sich diesen Erfolg?

Die Rally und ihr Rahmenprogramm sprechen eine breite ­Alterspalette an, vom 4-jährigen Kind bis zum 80-jährigen Opa: Für alle wird etwas geboten. Zudem dürfen wir behaupten, faire Eintrittspreise zu verlangen, die sich viele leisten können.

Es scheint, als ob die Kapazitätsgrenzen auf dem bestehenden Areal erreicht worden sind. Oder hat es noch Luft nach oben?

Tatsächlich sind wir am Punkt angelangt, an dem wir nicht weiter wachsen wollen. Zwar wird das Gelände heuer etwas grösser, aber nicht, um mehr Publikum einzuschleusen, sondern um die Qualität zu optimieren. So schaffen wir beim Eingang und im Verpflegungsbereich mehr Platz, um den Andrang vor allem zur Rushhour besser zu bewältigen.

Andere Anlässe in dieser Grössenordnung haben in der Organisation teils fixe Pensen. Bei der Teffli-Rally basiert alles auf freiwilligem Engagement. Hat der Aufwand inzwischen nicht eine Schmerzgrenze erreicht?

Klar könnten wir eine 150-Prozent-Stelle schaffen. (schmunzelt) Aber wir spüren einen grossen Rückhalt in der Bevölkerung und können uns auf die Leute der ­Guugge Schluchtä-Gruftis verlassen. Insofern sind wir gut aufgestellt und bringen es mit anderen Verpflichtungen unter einen Hut. Das heisst nicht, dass wir uns nicht auch schon Gedanken über unsere Strukturen gemacht haben. Doch sind wir der Überzeugung, dass bisherige Mechanismen gefährdet wären, wenn jemand Geld daran verdient. Es steckt sehr viel Idealismus in der ganzen Geschichte.

Apropos Organisation: Es wird gemunkelt, dass einige altgediente OK-Mitglieder nach der diesjährigen Jubi­läumsausgabe kürzertreten wollen. Was ist da dran?

Es zeichnet sich der eine oder andere Wechsel ab, das ist so. Ich habe mir ebenfalls Gedanken gemacht, aber noch keinen Entscheid gefällt. Das Wichtigste aber: Die Rally wird es auch in Zukunft geben. Wir binden sukzessive jüngere Kräfte im OK ein, um Konstanz zu gewährleisten.

Zurück zur Gegenwart: Ist es eigentlich dem OK-Präsidenten vorbehalten, als Erster den ausgesteckten Kurs zu testen?

Definitiv nicht, als OK-Chef darf ich höchstens zuschauen. (lacht) Alles, was mit dem Rennen zu tun hat, überlasse ich dem zuständigen Ressortleiter. Wir sind ein eingespieltes Team, und jeder kann auf den anderen vertrauen.

Freche Aussage: Im Prinzip locken ein banaler Parcours im Grünen und ein paar Fahrer mit mehr oder weniger geländetauglichen Töffli Tausende Besucher an. Eigentlich erstaunlich, nicht?

Bei vielen werden beim Anblick der Töffli ebenfalls Jugenderin­nerungen geweckt. Und zum Zuschauen ist es natürlich eine Gaudi. Für andere wiederum sind die Konzerte und das gesellige Beisammensein der Anziehungspunkt. Letztlich ist es wohl eine Kombination von allem. Und die funktioniert, wie die letzten Jahre bewiesen haben.

Erstaunlich ist auch, dass Sie Bands von internationalem Renommee engagieren können, heuer sind es die Crossover-Pioniere Clawfinger. Generieren Sie solche Umsätze, dass die Gagen für solche Bands ein Klacks sind?

Von Peanuts zu sprechen, wäre vermessen. Aber wir sind ein grösserer Player geworden und können uns mehr leisten als noch vor einigen Jahren. Dies hat einen wesentlichen Einfluss aufs Bandbooking. Letztlich können wir aber nicht mehr ausgeben, als wir einnehmen. Ich kann versichern, dass der Anlass auf einem gesunden Fundament steht.

Events im Grünen bringen mit sich, dass die Umwelt tangiert wird. Ist die Sauberkeit mitentscheidend, ob Sie ein nächstes Mal wieder eine Bewilligung von den Grundstückbesitzern erhalten?

Das ist so, wir sind auf ein funktionierendes Abfallkonzept und die Unterstützung der Besucher angewiesen. Nicht nur, um Folgen für das Kulturland zu vermeiden, sondern auch, um das Areal für alle Besucher sauber zu ­halten. Zum Glück sind unsere Gäste sehr pflichtbewusst. So kommen wir bisher auch ohne Depot auf Getränke durch. Natürlich hilft uns ein sauberes ­Gelände, wenn wir bei den Landbesitzern das nächste Mal wieder eine Anfrage platzieren.

Noch lange nicht im Abfall landen soll die Teffli-Rally. Auf der anderen Seite fragt sich, wie lange der Boom noch anhalten wird.

Diese Frage haben wir uns nach fünf, sechs Austragungen ebenfalls gestellt. Inzwischen ist der Anlass dermassen gut verankert, dass wir uns heute und morgen keine Sorgen machen müssen.

Und für den Fall, dass doch das Gegenteil eintrifft?

Wenn das Interesse schwindet, werden wir über die Bücher gehen. Wir werden uns aber hüten, einen Anlass, der nicht mehr funktioniert, mit allen Mitteln am Leben zu erhalten. Wenn die Teffli-Rally zum Auslaufmodell wird, würden wir das akzeptieren.

Letzte Frage: Wenn Ihnen heute ein externer Veranstalter ein unwiderstehliches Angebot machen würde, ­ die Rally zu übernehmen, würden Sie dann schwach werden?

Wir hätten den Event schon für gutes Geld verkaufen können. Doch wenn eines Tages nur noch der Kommerz im Vordergrund stehen soll, dann sind wir die Falschen dafür. Deshalb verschwenden wir keinen Gedanken daran, die Rally zu verkaufen.

Hinweis

10. Teffli-Rally: 25./26. August in Ennetmoos. www.teffli-rally.ch

Walter Gut ist der OK-Präsident der Teffli-Rally. (Bild: PD)

Walter Gut ist der OK-Präsident der Teffli-Rally. (Bild: PD)

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