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NIDWALDEN: Tote Kühe beunruhigen die Bauern

Landwirten im Kanton steckt die Angst in den Knochen. Immer wieder sterben Tiere aus Rindviehherden auf unerklärliche Art. Nun hat sich der Schweizer Tierschutz eingeschaltet.
Thomas Heer
In der Zentralschweiz sterben Kühe mysteriös (Symbolbild). (Bild Werner Schelbert)

In der Zentralschweiz sterben Kühe mysteriös (Symbolbild). (Bild Werner Schelbert)

Diese Woche machte sich Caroline Regenass auf den Weg nach Ennetmoos. Die Veterinärin, die für den Schweizer Tierschutz arbeitet, wurde von einer Bewohnerin aus der 2000-Einwohner-Gemeinde gerufen, um ein totes Mastrind zu untersuchen. Das Tier wurde am vorvergangenen Samstag leblos im Stall vorgefunden. Der betroffene Landwirt ging anfänglich davon aus, das Rind sei aufgrund eines Herzstillstandes gestorben. Der leblose Körper wurde dafür vorbereitet, fachgerecht entsorgt zu werden. So war es geplant.

Es sollte aber anders kommen. Als der Bauer dem toten Tier nämlich die Ohrenmarke abnehmen wollte, machte er eine Entdeckung, die ihm fast den Atem verschlug. Denn am linken Ohr fand sich eine Einstichstelle, eingebettet in getrocknetes Blut. «Nicht schon wieder», dürfte es dem Bauern wohl in Gedanken durchzuckt haben. Der Hintergrund: In Nidwalden, teils auch Obwalden geht seit vielen Monaten die Angst um, ein Tierquäler treibe sein grausiges Unwesen. Dies trotz Verlautbarung der Behörden, die Mitte vergangenen Septembers gemäss der «Neuen Nidwaldner Zeitung» wie folgt orientierten: «Die Ermittlungen ergaben keine Hinweise auf ein strafbares Verhalten.» Denn auch 2014 sowie 2013 kam es in Nid-, teils auch in Obwalden immer wieder zu auffälligen Todesfällen in Rindviehbeständen. Zahlreiche Anzeigen gingen daher bei der Staatsanwaltschaft ein.

Tierschutz appelliert an Behörden

Eine Zeit lang beruhigte sich dann die Situation etwas. Aber bereits in diesem Jahr musste sich der Nidwaldner Staatsanwalt Tobias Reimann wieder mit drei Anzeigen gegen unbekannt befassen. Die jüngste betrifft den Fall des Ennetmooser Mastrindes.

Zurück zu Caroline Regenass. In ihrem Bericht bestätigt sie die Beobachtung des Bauern und schreibt unter anderem, «eine Einstichstelle in der Haut» sei «feststellbar.» Weiter ist im Papier nachzulesen, dass «die Todesursache des Tieres unbekannt» sei und «eine Fremdeinwirkung nicht ausgeschlossen werden» könne.

Der Schweizer Tierschutz (STS) ist ob der Vorfälle in der Innerschweiz beunruhigt und richtet folgende Botschaft an die Vertreter der öffentlichen Hand: «Wir erwarten, dass die Behörden etwas unternehmen und alles in Gang setzen, um die Todesursache dieser Tiere aufzuklären.»

Die dubiosen Todesfälle auf den Bauernhöfen haben allerlei Betriebsamkeit ausgelöst. So wurde zum Beispiel eine Organisation ins Leben gerufen, die sich «Initiativgruppe betroffener Bauern von Tierschändung Ob- und Nidwalden» nennt. Zum Schutz vor Übeltätern haben sich einzelne Bauern sogar entschlossen, ihr Gehöft mit Kameras zu überwachen. Eine Insiderin, die ihren Namen unter keinen Umständen in der Zeitung lesen will, lässt durchblicken, dass sich die Landwirte von den Behörden nicht ernst genommen fühlen. Sie sagt: «Wir spüren eine ablehnende Haltung uns gegenüber.»

Gemäss Staatsanwalt Reimann könne davon keine Rede sein, und er spricht von einer «subjektiven Wahrnehmung».

Untersuchungen laufen noch

Wenn die Tiere auf unerklärliche Art und Weise verenden, dann ist mit Andreas Ewy auch der Kantonstierarzt involviert. Vom Staatsanwalt gerufen, nimmt Ewy oder einer seiner Stellvertreter dann den Sachverhalt auf. Nicht anders war es im bereits beschriebenen Fall von Ennetmoos. Gemäss Ewy lief dabei nicht alles wunschgemäss. Denn das Tier verendete am Samstag und konnte erst am Montag tierärztlich untersucht werden. Trotzdem ordnete die Staatsanwaltschaft an, dass der tote Körper im Institut für Veterinärpathologie der Universität Zürich zu untersuchen sei. Den Einstichpunkt am linken Ohr, den Ewys Berufskollegin Regenass feststellte, konnte von amtlicher Seite her nicht bestätigt werden. Zur Todesursache kann Ewy aber momentan noch keine Aussage machen.

Der Veterinär wehrt sich aber dezidiert gegen den Vorwurf aus der Bauernschaft, er und andere Behördenvertreter nähmen die Rindvieh-Todesfälle auf die leichte Schulter. Er sagt: «Bislang hat die Staatsanwaltschaft Nidwalden und die Polizei jeden Fall aufgenommen und untersucht. Das Veterinäramt der Urkantone hat jeweils mitgewirkt. Es wurde mittlerweile sehr viel Geld in die Hand genommen, um den Sachverhalt gründlich durch Sektionen an der Universität abzuklären.» Trotz der vielen Verdachtsfälle konnte bislang – die Ausnahme bildet ein verletzter Stier – ausgeschlossen werden, dass die Rinder und Kühe aufgrund menschlicher Boshaftigkeit sterben mussten.

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