NIDWALDEN: Trio macht Werbung in eigener Sache

Drei Männer, aber nur zwei Sitze: Der zweite Wahlgang verspricht nochmals Spannung. Ein Podium bot den Kandidaten Gelegenheit, sich ins Rampenlicht zu stellen.

Oliver Mattmann
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Kreuzten am Podiumsgespräch die Klingen (von links): Alfred Bossard, Othmar Filliger und Conrad Wagner (Bild: Roger Zbinden)

Kreuzten am Podiumsgespräch die Klingen (von links): Alfred Bossard, Othmar Filliger und Conrad Wagner (Bild: Roger Zbinden)

Der neue Nidwaldner Regierungsrat wird am 18. Mai komplettiert. Aus dem Trio Alfred Bossard (FDP), Othmar ­Filliger (CVP) und Conrad Wagner (Grüne) werden noch zwei zu den bereits gewählten Res Schmid, Ueli Amstad (beide SVP), Yvonne von Deschwanden, Hans Wicki (beide FDP) und Karin Kayser (CVP) stossen. Eine der wohl letzten Gelegenheiten, den drei Kandidaten auf den Zahn zu fühlen, bot sich am Donnerstag an einem Podiumsgespräch, das von unserer Zeitung organisiert und von Redaktionsleiter Markus von Rotz moderiert wurde.

Neuer Behörde noch Zeit geben

Der Abend im Pestalozzisaal in Stans wurde aber nicht zu einer reinen Politdebatte. Bewusst wurden auch Fragen gestreut, um die Politiker von einer anderen Seite kennen zu lernen. So war etwa zu erfahren, dass Alfred Bossard keinen grossen Bezug zu den Stanser Musiktagen (SMT) hat, Othmar Filliger Konzerttickets gebucht hat und dass Conrad Wagner sogar selber im Einsatz steht und nachts dafür sorgt, dass die Strassensperre im Dorf wieder aufgehoben wird. «Kultur gehört zu unserer Identität», sagte der Grüne-Kandidat vor rund 80 Zuhörern, «deshalb ist deren Förderung auch ein Staatsauftrag.» Selbst wenn Bossard die SMT nur am Rande interessieren, hielt auch er fest: «Kultur gehört zu einem Kanton wie Nidwalden. Deshalb ist sie auch Teil der Aufgaben des Staates. Aber es müssen Grenzen gesetzt werden.» Und schon landete die Diskussion mitten im politischen Alltag. Ein schwieriger Entscheid im Landrat war vor kurzem die Genehmigung von 48 Millionen Franken für eine neue Strasse ins Wirzweli mit verhältnismässig wenig Einwohnern. «Es braucht die Strasse», so Bossard, «doch meiner Meinung nach hätte man eine einfachere Variante wählen können.» Auch Filliger meinte, es sei viel Geld pro Kopf, das hier ausgegeben werde, «doch die Erschliessung muss uns etwas wert sein. Das Bild unseres Kantons ist massgeblich von Bergen geprägt», was Wagner zur Aussage veranlasste: «Das Wirzweli ist eine der wertvollsten Gegenden von Nidwalden.»

Obschon vor den Mikrofonen drei Politiker unterschiedlicher Couleur sassen, hielten sich die Differenzen bei zahlreichen Themen in Grenzen. Verbale Hahnenkämpfe blieben ebenfalls aus. Alle drei waren sich einig, dass der kantonalen Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde, welche die Vormundschaftsbehörden in den Gemeinden abgelöst hat, noch etwas Zeit eingeräumt werden muss. Die Stelle war wegen des Pendenzenbergs und der Personalaufstockungen in den Fokus geraten. Wagner: «Es sind auch Sachen aufgedeckt worden, die in den Gemeinden nicht so gut gelaufen sind. Diese gilt es zuerst aufzuräumen.» Filliger: «Es ist schwierig, jetzt schon Bilanz zu ziehen. Das Ganze muss sich erst finden.» Und Bossard: «Es braucht eine Übergangszeit, und die muss man dem Kanton zugestehen.» Weitgehend Konsens herrschte auch, wie der Kanton den dunklen Wolken am Finanzhimmel begegnen soll. «Wir müssen den Mut haben, die eine oder andere Leistung zu streichen», so Bos­sard. Er würde eine Steuererhöhung im Voraus nicht unterschreiben. Filliger sagte indes: «In guten Zeiten geht man mit den Steuern runter, in schlechten muss man halt wieder rauf.»

Grünen würde Sitz zustehen

Unterschiedliche Meinungen kursierten hingegen bei der Frage, ob Regierungsräte nebenbei externen Verwaltungsratsmandaten nachgehen sollen. «Ich würde jegliche Verwaltungsratstätigkeiten niederlegen», sagte Conrad Wagner als Einziger. Und natürlich machte der Grüne-Kandidat neuerlich darauf aufmerksam, dass seiner Partei gemäss Wähleranteil eigentlich ein Sitz in der Regierung zustehen würde. Darauf Bossard: «Wir sind der Meinung, Nidwalden solle bürgerlich regiert werden.» Wagners Konters: «Eine bürgerliche Regierung wäre es auch noch mit einem Grünen.» Worauf Bossard meinte: «Das Stimmvolk hat es selbst in der Hand. Lassen wir die Bürger entscheiden.» Dem ist nichts mehr anzufügen.