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NIDWALDEN: «Tubel hat keiner zu mir gesagt»

Mit seiner Millionenspende für alters­gerechte Wohnungen hat Roland Christen aufhorchen lassen. Wer ist dieser Wohl­täter aus Wolfenschiessen?
Philipp Unterschütz
Roland Christen im Spital Stans, wo er sich von einem Zusammenbruch erholt. (Bild Dominik Wunderli)

Roland Christen im Spital Stans, wo er sich von einem Zusammenbruch erholt. (Bild Dominik Wunderli)

«Ich will in diesem Beitrag aber nicht als Heiliger dargestellt werden», stellt Roland Christen gleich zu Beginn unseres Gesprächs klar. Der 71-jährige Wolfenschiesser sitzt auf seinem Bett im Kantonsspital in Stans. Man merkt, dass er nach einem Zusammenbruch vor einiger Zeit gesundheitlich noch nicht wieder auf der Höhe ist. Laufen könne er noch nicht gut, aber bald gehe es zur Kur, und Mitte Januar wolle er wieder zu Hause in Wolfenschiessen sein.

Roland Christen will kein grosses Tamtam um seine Millionenspende an die Stiftung «Wohnen und Arbeiten», die in Wolfenschiessen altersgerechte Wohnungen erstellt. Aber natürlich ist dem früheren Besitzer eines Ingenieurbüros bewusst, dass seine Grosszügigkeit alles andere als selbstverständlich ist. Er habe auf den Bericht in unserer Zeitung (Ausgabe vom 2. Dezember) etliche Telefone erhalten, unter anderem von einer Verwandten, von der er seit Jahren nichts mehr gehört hat. «Tubel hat jedenfalls keiner zu mir gesagt», schmunzelt Christen.

Familie unterstützt die Spende

Nachdem er für die Wohnungen bereits rund 1400 Quadratmeter Land an bester Zentrumslage zum Tiefstpreis überlassen hatte, gab Roland Christen am Spatenstich in dieser Woche überraschend bekannt, dass er der Stiftung zusätzlich eine Million Franken Eigenkapital schenkt. Er könne eigentlich gar nicht sagen, wie es dazu gekommen sei. «Ich habe mir gedacht, jetzt hat die Stiftung das Land und ich wollte, dass es vorwärtsgeht. Schliesslich möchte ich die Einweihung noch erleben.» Ohne sein Startkapital hätte es wohl länger gedauert. Zwar sei die Stiftung mit dem zinslosen Darlehen von einer halben Million von der Gemeinde und einem Beitrag einer anderen Stiftung gut gestartet, aber weiteres Kapital wäre vermutlich nicht so leicht zu beschaffen gewesen. «Betteln ist zäh heute», meint Christen, der die Spende vorgängig mit seinen beiden Kindern besprochen hat – und von ihnen unterstützt wird.

Landpreis wie vor 30 Jahren

Dass er sich überhaupt für die altersgerechten Wohnung engagiert hat, führt er auf die Vorgeschichte des Projekts zurück. So hatte die Stiftung auf der Liegenschaft Pfarrmatte entsprechende Pläne, musste diese aber begraben, weil mit dem Kirchenrat als Landbesitzer keine Einigung erzielt wurde. «Mich störte die damalige Politik des Kirchenrats, ich hätte gerade von ihm für ein solches Projekt mehr Hilfe erwartet», meint Roland Christen und erinnert sich, wie er zu seiner damaligen Lebenspartnerin gesagt habe, er höre schon das Telefon der Stiftung klingeln, die ihn um Land frage.

Christen verfügt im Dorfzentrum über das ideale Grundstück für Alterswohnungen: Post, Bank, Läden, Restaurants, Kirche, Arztpraxis und öffentlicher Verkehr sind in unmittelbarer Nähe. «Als sie dann tatsächlich gefragt haben, versprach ich ihnen nur, dass ich das Land günstig gebe. Den Preis von 200 Franken pro Quadratmeter habe ich erst an meinem 70. Geburtstag bekannt gegeben.» Die Parzelle hat er aus dem Familienbesitz geerbt, wie auch einige andere Landstücke in Wolfenschiessen. 200 Franken pro Quadratmeter sei der Preis gewesen, den er vor 30 Jahren für Land an der Parkstrasse, wo heute zwei Wohnblöcke stehen, gelöst habe. «Es war eine spontane Eingebung, dass ich der Stiftung nun den gleichen Preis gemacht habe.»

Er war «höchster Nidwaldner»

Bei seinem Engagement spielt neben seinem wohltätigen Gemüt aber auch der Politiker mit. Roland Christen sass ab 1978 für zwölf Jahre für die CVP im Landrat und war 1986 bis 1988 gar dessen Präsident. In Wolfenschiessen war er von 1974 an für 16 Jahre Gemeinderat, davon die letzten sechs Gemeindepräsident. «Man schaut heute auch in der Lokalpolitik immer öfters auf Parteimeinungen, als auf die Sache an sich», beschreibt er eine der Veränderungen gegenüber damals. «Früher gab es das so nicht. Manchmal ist das kontraproduktiv für Projekte. Nur weil die eine Partei etwas sagt, muss die andere manchmal prinzipiell das Gegenteil behaupten.»

Bei altersgerechten Wohnformen bestehe tatsächlich Handlungsbedarf. Die Menschen würden immer älter, betreutes Wohnen immer teurer. Dabei brauchen doch viele ältere Mitbürger günstige, ideal gelegene Wohnungen, so Roland Christens Ansicht. Damit würden sie begehrten, grösseren Wohnraum für ihre Nachkommen freigeben. «Entsprechende Stiftungen sind hier mit der Beteiligung und Unterstützung der Gemeinden ein gangbarer Weg.»

Spenden ist nicht verboten

Da er selber noch eine Eigentumswohnung im Zentrum habe, sei es für ihn kein Thema, dereinst in eine Wohnung der Stiftung zu ziehen. «Ob ich mich früher auch so engagiert hätte, weiss ich nicht. Es wäre natürlich auch finanziell schwieriger für mich gewesen», räumt Roland Christen ein. Sein Engagement sei auch weniger von persönlichen Motiven beeinflusst als vielmehr aufgrund seiner Wahrnehmungen in seinem Umfeld. «Da gibt es schon Bekannte, die kaum mehr die Treppe zu ihrer Wohnung im dritten Stock hochkommen oder die abseits wohnen. Alle möchten sie lieber in eine zentrumsnahe Wohnung für Senioren ziehen, aber sie finden nichts Geeignetes.»

Er habe seinen Entscheid denn auch noch keine Sekunde hinterfragt, meint Roland Christen zum Schluss unseres Gesprächs. «Mein Entscheid ist ja auch nicht gestern auf dem Hühnermist gewachsen», lächelt er und meint, dass seine finanzielle Unterstützung nicht bedeute, dass andere nicht auch spenden dürften. «Es gibt einige in der Region, die genug Geld haben. Das Engagement dürfte durchaus grösser sein.»

Philipp Unterschütz

So schätzen ihn Weggefährten ein

Hermann Wyss, früherer Landratspräsident, Stans: «In unserer gemeinsamen Zeit im Landrat ist nie ein böses Wort gefallen. Roland ist nicht nur im materiellen Bereich ein grosszügiger Mensch. Er war auch immer sehr konziliant und konnte andere Meinungen gelten lassen. Dass er nach dem günstigen Landpreis auch noch eine so grosse Spende macht, zeigt, wie sehr ihm die Gemeinde Wolfenschiessen am Herzen liegt.»

Walter Gabriel, Ex-Gemeinderat, Wolfenschiessen: «Wir kennen uns seit der Schulzeit, und bis heute sind wir freundschaftlich verbunden. Ich hatte gerüchteweise von der Spende gehört und war nicht überrascht, dass Roland der Wohltäter ist. Er ist ein vielseitig interessierter Mensch, ist immer gut orientiert. Im Gemeinderat war er immer sachlich, wurde nie emotional. Auch wenn sich eine andere Meinung durchsetzte, stand er nachher loyal dazu. Bei ihm stand immer die Sache im Mittelpunkt und nicht etwa eine Parteimeinung.»

unp

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