NIDWALDEN: Um Wickis Sitz zeichnet sich Kampf ab

Das Rennen um den frei werdenden Sitz von Hans Wicki in der Regierung ist eröffnet. Einiges deutet darauf hin, dass alle grossen Parteien darum ringen werden.

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Der Regierungssratsitz von Hans Wicki ist begehrt. (Bild: André A. Niederberger / Neue NZ)

Der Regierungssratsitz von Hans Wicki ist begehrt. (Bild: André A. Niederberger / Neue NZ)

Mit der Wahl von Regierungsrat Hans Wicki in den Ständerat hatte die FDP am Sonntag allen Grund zum Feiern. Doch eine lange Verschnaufpause bleibt den Liberalen nicht. Denn nach den nationalen Wahlen ist vor der Ersatzwahl in den Regierungsrat. Hans Wicki hat bestätigt, dass er von seinem Posten als Baudirektor vorzeitig zurücktreten werde (Ausgabe von gestern). «Ich gehe davon aus, dass er sein Amt in der ersten Jahreshälfte 2016 niederlegen wird», hält FDP-Präsident Ruedi Waser auf Anfrage fest. Den genauen Termin wird Wicki nach Gesprächen mit der Partei und den Regierungsratskollegen in den nächsten zwei Wochen kommunizieren.

Welches Vorgehen plant die FDP?

Wie aus gut unterrichteten Quellen zu hören ist, hat der Kanton bereits ein Datum für die Ersatzwahl ins Auge gefasst: den 28. Februar 2016. Eingabefrist für Kandidaturen soll der 11. Januar sein. Ein sportlicher Fahrplan, dessen ist sich auch Ruedi Waser bewusst. «Aber die Ausgangslage ist für alle Parteien gleich. Und wir werden alles daran setzen, den Sitz zu verteidigen.» In gut zwei Wochen habe man die erste Sitzung mit den Ortsparteien, parallel halte der Vorstand selber Ausschau nach potenziellen Kandidaten. «Ich bin überzeugt, dass wir eine valable Auswahl präsentieren können», so Waser.

Die letzte interne FDP-Ausmarchung ist noch gar nicht so lange her. Im Januar 2014 gings ebenfalls um die Regierungsratswahlen. Bekanntlich setzte sich damals der heutige Finanzdirektor Alfred Bossard durch. Es ist denkbar, dass die unterlegenen Parteikollegen nun erneut auf den Radar möglicher Kandidaten geraten. Einer von ihnen ist der Wolfenschiesser Landrat Sepp Durrer. «Solange der Rücktritt von Wicki nicht offiziell ist, stelle ich noch keine Überlegungen an», sagt er, fügt aber hinzu: «Wenn man noch so viele Visionen hat wie ich, sollte man eine Kandidatur nicht ganz ausschliessen.» Auch der Stansstader Landrat Ruedi Waser, neben der Stanser Gemeindepräsidentin Beatrice Richard-Ruf und Landrat Karl Tschopp aus Stans ebenfalls auf der damaligen Kandidatenliste, hat sich noch keine Gedanken dazu gemacht. «Wir lassen jetzt zuerst die nationalen Wahlen sich setzen und warten das weitere Vorgehen des Parteivorstandes ab.»

Steigt Rotzer erneut in Wahlkampf?

Eines ist aber so sicher wie das Amen in der Kirche: Die anderen Parteien werden das Feld kaum kampflos der FDP überlassen. Allen voran dürfte die CVP ein Interesse haben, sich für die Schlappe vom Sonntag zu revanchieren und auf kantonalem Parkett an Boden zu gewinnen. Momentan stellt sie ebenso wie die SVP zwei Mitglieder im Regierungsrat. «Wir sind zusammen mit der SVP die wählerstärkste Partei. Daher ist es nicht abwegig, dass wir Anspruch auf den dritten FDP-Sitz erheben», sagt Parteipräsidentin Therese Rotzer, die sich gemäss ihren Aussagen gut erholt hat von der Niederlage vom Sonntag. «Wir werden auf geeignete Kandidaten zugehen», und sie sei überzeugt, dass die CVP dann auch antreten werde. Womöglich wieder mit ihr selber an vorderster Front? «Das ist noch offen, aber ich werde mir sicherlich Gedanken dazu machen», so Rotzer.

Beteiligt sich auch die SVP?

Therese Rotzer ist bewusst, dass auch die SVP legitimiert ist, den frei werdenden Sitz im Regierungsrat für sich zu beanspruchen. «Wir sind interessiert, dass das Stimmvolk eine Auswahl haben wird», gibt sich SVP-Präsident Christoph Keller diplomatisch. Auf Nachfrage wird er konkreter: «Wir werden die Ersatzwahl an einer Vorstandssitzung Anfang November thematisieren. Der Grundtenor dürfte sein, dass wir uns ebenfalls beteiligen. Wenn wir gute Kandidaten haben, die sich zur Verfügung stellen, werden wir dies auch tun.» Eine Option könnte Walter Odermatt sein. Der Landratspräsident von 2014/2015 hört in Stans als Gemeinderat auf, ist politisch aber «immer interessiert», wie er gegenüber unserer Zeitung sagt. «Für mich ist es aber wichtig, dass die Partei sich zuerst die Grundsatzfrage stellt, ob bei dieser Wahl angetreten wird.» Alles Weitere werde sich ergeben, «auch was meine Situation betrifft», so Odermatt.

Bringen Grüne den Mut auf?

Bleibt abzuwarten, ob auch aus dem linken Spektrum ein Angriff auf die vollständig bürgerliche Regierung erfolgen wird. «Wir werden mit potenziellen Kandidaten das Gespräch suchen», sagt Grüne-Parteipräsident Leo Amstutz. Er macht indes keinen Hehl daraus, dass die Personaldecke vergleichsweise gering ist. «Wenn wir antreten, dann mit einer Person, die ein gewisses Profil aufweist und in der Öffentlichkeit bekannt ist.» Naheliegend, dass er damit in erster Linie landratserfahrene Parteikollegen meint. Dazu gehören Conrad Wagner, der schon früher angetreten ist, Thomas Wallimann, Regula Wyss oder Amstutz selber sowie sein Vorgänger im Präsidium, Norbert Furrer. «Wir brauchen Leute, die sich couragiert der Konkurrenz stellen. Dann sind wir bereit, in den Wahlkampf zu steigen.»

Der Grüne-Präsident leugnet auf der anderen Seite nicht, dass ihnen die aktuelle Rolle als reine Oppositionspartei bei gewissen Themen durchaus entgegenkommt. «Wir wären aber auch mutig genug, Opposition zu ergreifen, sollten wir ein Mitglied in der Regierung haben», versichert Amstutz.

Oliver Mattmann