Schuldenfalle
Dank Leistungsvertrag: In Nidwalden soll es umfassendere Beratung für verschuldete Menschen geben

Der Kanton Nidwalden baut sein Beratungsangebot für verschuldete Personen aus: mittels einer Leistungsvereinbarung mit einer Luzerner Fachstelle. Das kostet den Kanton jährlich 23'000 Franken.

Merken
Drucken
Teilen
Die Nidwaldner Regierung geht davon aus, dass coronabedingt mehr Menschen in die Schuldenfalle geraten.

Die Nidwaldner Regierung geht davon aus, dass coronabedingt mehr Menschen in die Schuldenfalle geraten.

Symbolbild: Georgios Kefalas / Keystone

(inf) Der Umgang mit Schulden stellt in der heutigen Konsumgesellschaft für viele Menschen eine Herausforderung dar. Auch in Nidwalden haben in den vergangenen zehn Jahren Betreibungsfälle um 34 Prozent zugenommen. Und der Nidwaldner Regierungsrat geht davon aus, dass coronabedingt in den kommenden Jahren von deutlich mehr privaten Verschuldungen ausgegangen werden muss. Mit weitreichenden Auswirkungen: «Wenn Schulden überhandnehmen, kann dies eine persönliche Abwärtsspirale auslösen mit unabsehbaren Folgen auf das soziale Umfeld, die Familie oder die Arbeitssituation», schreibt der Kanton in einer Mitteilung. Der Nidwaldner Regierungsrat hat daher die Gesundheits- und Sozialdirektion damit beauftragt, im Sozialamt das Beratungsangebot für Privatpersonen in Schuldenfragen zu verstärken.

Hierzu strebt der Kanton eine Leistungsvereinbarung mit dem Verein Fachstelle für Schuldenfragen Luzern an, die in zweierlei Hinsicht wirken sollen: Einerseits erhalten die Sozialen Dienste des Kantons Nidwalden fachliche Unterstützung bei ihrer Beratungs- und Unterstützungstätigkeit mit überschuldeten Personen. Andererseits werden Betroffene umfassend über Lösungswege aus der Schuldenfalle informiert.

Zusätzliches Angebot soll ergänzend wirken

Das Sozialamt verfügt heute über eine Beratungsstelle zum Umgang mit Budgets und Einkommensverwaltungen. Im Jahr 2020 konnten über 70 Personen in diesen Fragen unterstützt werden. Die Fachstelle für Schuldenfragen soll dieses Angebot sinnvoll ergänzen und die Kompetenzen im Bereich Konsumkredit sowie Konkurs- und Sanierungsrecht stärken. «Die Situation von Menschen mit Überschuldungen ist anspruchsvoll und bedarf spezifischer Kenntnisse über die gesetzlichen Grundlagen zur Schuldenbereinigung und zum Konkurs», erläutert Gesundheits- und Sozialdirektorin Michèle Blöchliger. Als Sockelbetrag stehen jährlich 23'000 Franken für den Bezug der Dienstleistung der Fachstelle zur Verfügung. Die Abrechnung erfolge bedarfsgerecht, was dem Kanton Nidwalden die notwendige Flexibilität gibt.

Hauptziel des erweiterten Beratungsangebotes ist die Befähigung von Privatpersonen, kompetenter mit ihrer Schuldensituation umzugehen. Nach einer eingehenden Analyse werden Lösungsansätze für eine erfolgreiche Sanierung besprochen. «Nur wenn alle Faktoren für eine nachhaltige Schuldenbereinigung gegeben sind, besteht Aussicht auf Erfolg», schreibt die Gesundheits- und Sozialdirektion in ihrer Mitteilung. Im besten Fall könnten Personen schuldenfrei leben und seien in der Lage, ihr Haushaltsbudget so zu verwalten, dass keine Neuverschuldung eintrete.