Nidwalden verbietet Anlässe mit mehr als 200 Personen

Der Kanton Nidwalden untersagt ab sofort private und öffentliche Veranstaltungen, an denen sich gleichzeitig mehr als 200 Personen aufhalten. Und die Sportmittelschule Engelberg ist verwaist.

Matthias Piazza
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Das Nidwaldner Schüler-Handballturnier fällt dieses Jahr dem Corona-Virus zum Opfer.

Das Nidwaldner Schüler-Handballturnier fällt dieses Jahr dem Corona-Virus zum Opfer. 

Bild: Stefan Scheuteri

Das Corona-Virus hält Nidwalden weiterhin in Atem, auch wenn hier bislang keine bestätigten Fälle vorliegen. Der Kanton tut alles, damit dies auch so bleibt. Am Dienstag hat er die Restriktionen für Veranstaltungen massiv verschärft: Alle Veranstaltungen mit über 200 Teilnehmern sind vorderhand bis 15. März verboten. Dann will auch der Bundesrat entscheiden, ob er das schweizweite Verbot für Grossveranstaltungen (ab 1000 Personen) aufrechterhalten will.
Bis anhin entschied der Kanton bei Veranstaltungen unter 1000 Teilnehmern situativ, ob er dafür grünes Licht gibt. «Mit der 200er-Limite schaffen wir Klarheit und tragen dem Sicherheitsbedürfnis unserer Bevölkerung angemessen Rechnung», erklärt Gesundheitsdirektorin Michèle Blöchliger. «Dies wäre bei einer Grenze von 1000 Teilnehmern nicht der Fall gewesen, da es in Nidwalden kaum so grosse Anlässe gibt und die Regelung damit so gut wie nie zur Anwendung käme.»
Fast jeder Kanton hat zurzeit andere Obergrenzen. Möglicherweise schafft der Bundesrat noch diese Woche eine einheitliche Regelung. «Wir wollten handeln und haben darum diesen Entscheid nicht abwarten wollen», sagt Blöchliger zum gestrigen Nidwaldner Entscheid.
Kleine Veranstaltungen sind unter Auflagen erlaubt

Veranstaltungen mit weniger als 200 Personen können bis auf weiteres stattfinden, wenn die Veranstalter gewisse Punkte beachten. So müssen sie gewährleisten, dass man die Teilnehmer rückverfolgen kann, indem die Veranstalter eine Kontaktliste führen und anschliessend beim Gesundheitsamt einreichen. Zudem verlangt der Kanton, dass am Veranstaltungsort genügend Möglichkeiten zum Händewaschen zur Verfügung gestellt sowie die Plakate des Bundesamtes für Gesundheit mit den Verhaltensmassnahmen gut ersichtlich angebracht werden. Das heisst unter anderem regelmässig Hände mit Wasser und Seife waschen, immer ein Papiertaschentuch verwenden und insbesondere Händeschütteln vermeiden.

Für Betriebe, Schulen, Kindertagesstätten, Heime oder andere Gemeinschaftseinrichtungen gelten zurzeit keine grundsätzlichen Restriktionen. Die Situation werde aber laufend beobachtet, schreibt der Kanton in einer Medienmitteilung. Ebenfalls gestern hat der Regierungsrat den kantonalen Führungsstab aktiviert, um die Koordination der Vorsorgemassnahmen im Kanton besser aufeinander abzustimmen und die Gesundheits- und Sozialdirektion von organisatorischen Aufgaben zu entlasten.
Dabei stützt sich die Regierung auf eine Empfehlung des Bundes, der seinerseits den Stab Bevölkerungsschutz aufgeboten hat. «Obschon die Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Gesundheit gut funktioniert, erhalten wir durch den Einsatz des kantonalen Führungsstabes verbesserte Schnittstellen und einen effizienteren Lageabgleich», erklärt Blöchliger. Damit soll der Kanton gewappnet sein, falls sich das Virus in Nidwalden ausbreitet. «Das Risiko können wir nicht ausschliessen, denn das Virus macht vor Kantonsgrenzen nicht Halt», so Michèle Blöchliger. So könne im Notfall auch auf den Zivilschutz zurückgegriffen werden.
Schüler-Handballturnier wurde abgesagt
Die restriktiven Vorgaben bedeuten das Aus für eine ganze Reihe von Veranstaltungen. So findet auch das kantonale Schüler-Handballturnier vom 7. und 8. März in Stans nicht statt. Ein Ersatzdatum konnte wegen der unsicheren Entwicklung und der beschränkten Hallenkapazitäten nicht gefunden werden, schreibt der Kanton.
Das Spitzenspiel der Nationalliga B des BSV Stans gegen den STV Baden in Stans findet übermorgen vor leeren Zuschauerrängen statt.
Und die Raiffeisenbank Nidwalden sagt wegen des Virus sämtliche acht Orientierungsversammlungen für ihre Genossenschafter dieses Jahr ersatzlos ab, wie sie mitteilt.

Sportmittelschüler folgen dem Unterricht via Internet

Die Sportmittelschule Engelberg hat ihren Schulbetrieb nicht wie geplant am Montag aufgenommen. «Wir wollen nicht riskieren, dass unsere Athleten im schlimmsten Fall in Quarantäne kommen und so nicht an ihren Wettkämpfen weltweit teilnehmen können», sagt dazu Peter Urs Naef, Präsident der Sportmittelschule. Die Schüler würden darum via Internet dem Unterricht folgen. «Das sind sie sich gewohnt, wenn sie wettkampfbedingt nicht in Engelberg sind.» Ende Woche entscheidet die Schulleitung, ob der Schulbetrieb kommende Woche wieder aufgenommen wird.

Kanton Obwalden wartet mit Entscheid zu

Obwalden verzichtet vorderhand auf eine eigene Teilnehmerobergrenze für Veranstaltungen unter 1000 Personen. «Wir warten weitere Entscheide des Bundes respektive der Gesundheitsdirektoren-Konferenz ab», sagt Patrick Csomor, Leiter des Obwaldner Gesundheitsamtes. Auch im Kanton Obwalden liegt bisher kein bestätigter Fall einer Corona-Infektion vor.

Bei Fragen rund um Veranstaltungen: 04 618 76 02, gesundheitsamt@nw.ch (NW), 041 666 64 58 (OW).

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