NIDWALDEN: Vertrauen braucht Integrität

Welche Ratschläge Justizdirektorin Karin Kayser zwei jungen Polizisten gab, war eindrücklich an deren Vereidigung zu erfahren.

Kurt Liembd
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Regierungsrätin Karin Kayser (rechts) mit den beiden neuen Polizisten Remo Näpflin und Claudia Zurbrügg. (Bild: Kurt Liembd)

Regierungsrätin Karin Kayser (rechts) mit den beiden neuen Polizisten Remo Näpflin und Claudia Zurbrügg. (Bild: Kurt Liembd)

Kurt Liembd

Feierlich und in einem würdigen Akt wurden am Freitagnachmittag die neuen Polizisten Remo Näpflin (26) und Claudia Zurbrügg (26) ins Nidwaldner Polizeikorps aufgenommen. Remo Näpflin arbeitete früher als Chemielaborant, während Claudia Zurbrügg aus der kaufmännischen Brache stammt und von der Kantonspolizei Bern nach Nidwalden kam. Eigentlich wäre noch ein dritter Polizist zur Vereidigung vorgesehen gewesen, doch dieser hat seine Stelle noch während der Probezeit wieder gekündigt. Zu den Gründen sagte Polizeikommandant Jürg Wobmann: «Ihm verursachte die Aufgabe so viel Druck, dass er keinen andern Weg mehr fand, als die Stelle zu kündigen.»

Wichtiges und starkes Zeichen

Zur feierlichen Vereidigung in der Kapuzinerkirche Stans erschienen zahlreiche Vertreter aus Politik, Justiz, Verwaltung, Polizei und Kirche. Polizeikommandant Jürg Wobmann nahm die Gelegenheit wahr, dem Landrat zu danken, dass an der letzten Landratssitzung sechs neue Polizeistellen bewilligt wurden. «Damit hat der Landrat ein wichtiges und starkes Zeichen gesetzt», so Wobmann. Diese Aussage unterstrich er mit ein paar eindrücklichen Zahlen des laufenden Jahres. So hat die Polizei in diesem Jahr 5500 Rapporte und Berichte verfasst, über 1800 Ordnungsbussen ausgestellt, 65 Treffer bei Spuren erzielt, 67 erfolgreiche Fahndungen erreicht und 15 grosse Ermittlungsverfahren geführt. Seine weiteren Ausführungen stellte Jürg Wobmann unter das Thema «Vertrauen durch redliche Absichten». Der Bürger rufe nur die Polizei, wenn er Vertrauen zu ihr habe. «Vertrauen erlangen wir, wenn wir integer sind, redliche Absichten haben, von unseren Fähigkeiten Gebrauch machen und erfolgreich sind», so der Polizeikommandant.

Höhere Ansprüche, weniger Respekt

Eindrückliche Worte an die Polizei richtete Justiz- und Polizeidirektorin Karin Kayser. «Immer mehr muss die Polizei die Auswirkungen von Problemen lösen, wozu die Gesellschaft nicht mehr selber im Stande ist.» Als Beispiele nannte Kayser etwa Chaoten an Fussballspielen dingfest machen, Rückführung abgewiesener Asylbewerber, die tragischen Überreste von Unfällen aufräumen, bei häuslicher Gewalt einschreiten, Promillegrad bei Fahrzeugführern überprüfen und vieles mehr. Kaysers Feststellung: «Die Ansprüche der Gesellschaft an die Polizei werden immer höher, und gleichzeitig wird ihr immer weniger Respekt entgegengebracht.»

Polizeiarbeit stehe im Spannungsfeld zwischen persönlichen Freiheiten und den Sicherheitsansprüchen der Öffentlichkeit. An die Adresse der beiden neuen Polizisten sagte Kayser: «Halten Sie sich immer an das Gesetz, halten Sie aber auch Augenmass. Überzeugen Sie durch Korrektheit und gesunden Menschenverstand. Seien Sie persönlich glaubwürdig und beweisen Sie täglich, dass Sie zu den Besten gehören und dass es richtig war, dass Sie für diese verantwortungsvolle Aufgabe ausgewählt wurden.»

Ergreifende Nidwaldner Hymne

Zur Feier des Tages sprach der Stanser Pfarrer David Blunschi. «Ihr seid nicht nur Hüter des Gesetzes, sondern auch Hüter des gesunden Menschenverstandes.» Polizist sei ein sehr schöner Beruf, der den Menschen fordere und herausfordere, so Blunschi. Passend zur eindrücklichen Zeremonie erklang feierliche Musik von Felix Arnold (Orgel), Rudolf Zemp (Flöte) und Eliane Kayser (Jodel/Gesang). Spätestens bei der Nidwaldner Hymne von Heinrich Leuthold und dem Schweizerpsalm erreichte die Vereidigung mit Amtseinsetzung ihren emotionalen Höhepunkt.