NIDWALDEN: Verurteilter konsumierte Kinderpornos «der übelsten Sorte»

Dass der Konsum harter Pornografie im Internet strafbar ist, wurde einem Nidwaldner vom Kantonsgericht vor Augen geführt. Dieser zeigte sich einsichtig, wurde aber dennoch verurteilt.

Kurt Liembd
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Pornografie: Den Begriff kennen wohl alle, den richtigen und erlaubten Umgang damit oft nur teilweise. Nicht alles, was man im Internet findet, ist auch erlaubt (siehe Kasten). Diese Erfahrung musste ein 55-jähriger Nidwaldner machen, der am Mittwoch vor dem Kantonsgericht stand. Das dreiköpfige Gericht unter Leitung von Corin Brunner-Siegrist verurteilte ihn zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zehn Monaten bei einer Probezeit von zwei Jahren. Zusätzlich ordnete es eine ambulante Behandlung an.

Fast 15 000 verbotene Dateien

Der Mann wird auch finanziell bestraft. So muss er die gesamten Verfahrenskosten von über 30 000 Franken, die Gerichtskosten von 2000 Franken sowie das Honorar seines Verteidigers übernehmen. Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, illegale Pornografie heruntergeladen, konsumiert und weiterverbreitet zu haben. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung beschlagnahmte die Polizei total 14 699 verbotene Dateien – das waren Tausende von Bildern und Filmen, die sexuelle Handlungen an und mit Kindern oder zwischen Mensch und Tier oder mit Gewalt unter Erwachsenen zeigen, sowie andere Dokumente mit ähnlichen Inhalten.

All dies war gespeichert auf Dutzenden von Speichermedien, welche von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt worden sind. «Allein um all dieses Material zu sichten, hatten wir mehrere Tage Arbeit», sagte Staatsanwalt Alexandre Vonwil gegenüber unserer Zeitung.

Geständig und reuig gezeigt

An der gestrigen Gerichtsverhandlung gab der Angeklagte alles zu und zeigte Reue. Er sehe ein, dass er einen schweren Fehler begangen habe, und es tue ihm sehr leid, sagte er in seinem letzten Wort. Er versuche nun, das Ganze mit der ambulanten Massnahme in den Griff zu bekommen. Da der Sachverhalt unstrittig war, konnte der Prozess im sogenannten abgekürzten Verfahren durchgeführt werden. Deshalb hatte auch sein Verteidiger nichts beizufügen. In einem kurzen Plädoyer wies Staatsanwalt Alexandre Vonwil nochmals darauf hin, dass der Angeklagte in der Schlusseinvernahme sämtliche in der Anklageschrift erwähnten Vorwürfe zugegeben habe.

Urteil «angemessen», weil ohne Vorstrafen

Zum Bildmaterial sagte Vonwil: «Die Bilder und Filme enthalten unter anderem Kinderpornografie von der übelsten Sorte.» Zum Strafmass sagte Vonwil: «Der Beschuldigte hat innert zwei Jahren mehrere zehntausend verbotene Dateien über das Internet heruntergeladen und konsumiert und andern Nutzern zur Verfügung gestellt.» Da er keine Vorstrafen habe und zu einer ambulanten Massnahme bereit sei, halte er die vorgeschlagene Strafe für angemessen. Das Urteil ist rechtskräftig, da Entscheide im abgekürzten Verfahren nicht anfechtbar sind.

Auch Vorsatz ist strafbar

Pornografie Welche Pornografie legal oder illegal ist, regelt das Schweizerische Strafgesetzbuch. In andern Ländern sind die Bestimmungen teilweise anders. Verboten sind in der Schweiz gemäss Strafgesetz sexuelle Darstellungen mit Kindern unter 18 Jahren, mit Tieren und zusammen mit Gewalttätigkeiten. Es ist verboten, solche Darstellungen zu konsumieren, herzustellen, im Internet herunterzuladen, zu besitzen oder weiterzuleiten. Download gilt rechtlich als Besitz.

Oft stellt sich auch die Frage, ob man sich beim Surfen strafbar macht. Die Antwort lautet: Ja, wenn man Seiten mit illegaler Pornografie vorsätzlich ansurft wie Kinderpornografie, Sex mit Tieren und Sex mit Gewalt. Wer solche Bilder oder Filme vorsätzlich anwählt oder auf solchen Seiten rumklickt, macht sich strafbar. Die Strafmündigkeit liegt bei zehn Jahren. Das heisst: Kinder und Jugendliche bereits ab zehn Jahren müssen in diesem Fall mit einer Strafe rechnen. Erlaubt sind hingegen alle andern Formen von Pornografie, insbesondere von Erwachsenen und auch im Zusammenhang mit menschlichen Ausscheidungen.


Kurt Liembd
redaktion@nidwaldnerzeitung.ch