NIDWALDEN: Vier Literaten mit Preisen geehrt

Bald wird in Stans das Literaturhaus Zentralschweiz eröffnet. Die Preisfeier der Literaturförderung bildete eine Art Auftakt dazu.

Romano Cuonz
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Die vier Preisträger vor dem neuen Emblem des Literaturhauses Zentralschweiz: (V. l.) Simone Baumann, Katrin Blum, Julian Wettach und Erwin Koch. (Bild: Romano Counz / Neue NZ)

Die vier Preisträger vor dem neuen Emblem des Literaturhauses Zentralschweiz: (V. l.) Simone Baumann, Katrin Blum, Julian Wettach und Erwin Koch. (Bild: Romano Counz / Neue NZ)

«Wir haben Sie nach Stans eingeladen, nicht etwa weil wir Preisträger aus Nidwalden feiern, sondern weil wir mit der Literatur ab diesem Herbst etwas vorhaben», erklärte Nidwaldens Bildungsdirektor Res Schmid vor einer illustren Schar von Literaten und Literaturfreunden im Chäslager. Die Literatur sei das Gewissen der Gesellschaft. Den vier Preisträgern dankte Schmid fürs Vorhalten des Spiegels. «Ein Gewissen hat unsere Gesellschaft nötiger denn je, mit dem Literaturhaus in Stans wollen wir schon bald unseren Beitrag dazu leisten.»

Erwin Koch als Hauptpreisträger

«Als Jurymitglied freue ich mich auf die Lektüre und auf Entdeckungen – wenn auch nicht verschwiegen sei, dass diese Neugier, bei insgesamt 80 Texten, nicht immer befriedigt wird», sagte die Präsidentin der Jury, Liliane Studer. Von einer Entdeckung kann mindestens beim Hauptpreisträger nicht die Rede sein. Erwin Koch aus Hitzkirch – er wird für sein Romanprojekt «Marta» mit 25 000 Franken ausgezeichnet – ist mit Romanen und literarischen Reportagen auf hohem Niveau weit über die Region Zentralschweiz hinaus bekannt. Im neuen Roman erzählt er die Geschichte einer Onkologin, die sich in den Ehemann einer früheren, geheilten Patientin verliebt. «Eigentlich eine klassische Dreiecksbeziehung, schon oft erzählt – doch eben nie in dieser Art», lobte Liliane Studer. Da seien diese leichte, souveräne Erzählweise zum einen und die Widersprüche im Verhalten der Ich-Erzählerin Marta zum andern, welche die Jury restlos überzeugt hätten.

Drei neue Stimmen in der Szene

Die 34-jährige Simone Baumann aus Bürglen UR (heute lebt sie in Zürich) hat mit dem Manuskript «Eilande» einen Werkbeitrag von 15 000 Franken erhalten. «Interessant ist hier die Anlage; vier Personen erzählen, aus je ihrer Perspektive, ihre Geschichte», hält Liliane Studer fest. Und sie anerkennt: «Hinter dem Manuskript steht eine Autorin, die sich mit dem Schreiben auseinandersetzt, die eine eigene Sprache sucht.»

Risikobereitschaft ausgezeichnet

Ebenfalls 15 000 Franken sprach die Jury dem 1985 in Baar geborenen und in Luzern lebenden Julian Wettach zu. Er darf als Entdeckung gelten, liegt doch von ihm noch keine eigenständige Publikation vor. «‹JW› ist ein schneller Text, er lebt von einer schnellen, assoziativen Schreibweise, von der man sich mitreissen lassen sollte», hält Liliane Studer fest. «Mit dem Preis zeichnet die Jury einen Autor aus, der mit Schreiben etwas wagt und Risiken eingeht. Der Text ‹JW› vermittelt eine Stimmung von heute, und er tut dies unmittelbar und direkt.»

Förderpreis an eine 19-Jährige

Mit 5000 Franken fördert die Jury ein Projekt der Primarlehrerin Katrin Blum (19) aus Reiden. «Lou» ist der Ansatz zu einem Entwicklungsroman. Es geht um eine junge Frau, die nach der Matura überfordert ist. Als sie jedoch erfährt, dass sie eine Halbschwester in Ghana hat, kommt etwas Bewegung in ihr Leben. «Wir möchten Katrin Blum ermutigen, die interessanten Ansätze in der Geschichte und die frische Erzählweise weiterzuentwickeln», lautet der Wunsch, den die Jury der jungen Autorin mit auf den Weg gibt.