Nidwalden
Von künstlichen Inseln und Nidwaldner Energielieferanten in der eigenen Gemeinde

Was bedeutet das Nidwaldner Energiegesetz für Hausbesitzer? Wie sieht der Weg hin zu einer fossilfreien Zukunft aus? An den Energietagen gab's darauf Antworten.

Matthias Piazza
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Im Raintobel wird das geschlagene Holz als Holzschnitzel verarbeitet und im zwei Kilometer entfernten Wärmeverbund Grossmatt verheizt.

Im Raintobel wird das geschlagene Holz als Holzschnitzel verarbeitet und im zwei Kilometer entfernten Wärmeverbund Grossmatt verheizt.

Archivbild

Die Bilder hätten gegensätzlicher nicht sein können. Mitten im Meer steht eine künstlich geschaffene Insel. Ein Dutzend kreisförmig angelegte Wolkenkratzer thronen darauf. Was wie eine Fantasiestadt wirkt, ist echt. Für 15 Milliarden Dollar wurde diese künstlich angelegte Insel The Pearl in Doha, der Hauptstadt von Katar, geschaffen. Ein anderes Bild zeigt ein Wald im Hergiswiler Raintobel. Gefällte Bäume werden vor Ort zu Holzschnitzeln verarbeitet. Die beiden kontrastreichen Bilder bildeten sozusagen den Rahmen, des Vortrages von Luca Pirovino. Der Leiter der Energiefachstelle Nidwalden referierte an den Nidwaldner Energietagen am Donnerstagabend in der Stanser Berufsfachschule über das neue Nidwaldner Energiegesetz, das voraussichtlich diesen Herbst in Kraft tritt. Und wie der Weg zur fossilfreien Zukunft aussehen könnte.

Ab den 1950er-Jahren explodierte der Energieverbrauch

Der Blick in unsere Energievergangenheit brachte Eindrückliches zutage. Bis zum Zweiten Weltkrieg war der Energieverbrauch überschaubar, Kohle und lokales Holz deckten den bescheidenen Energieverbrauch ab. In den Zwischenkriegsjahren kamen die ersten Autos und elektrischen Geräte auf.

«Ab den 1950er-Jahren explodierte unser Energieverbrauch regelrecht»,

erläuterte Luca Pirovino vor den rund 50 interessierten Zuhörern. «Das war nur dank fossilen Energieträgern möglich. 75 Prozent der Energie kommen aus dem Ausland, 63 Prozent davon sind fossile Energieträger. Sieben Milliarden Franken zahlen wir jährlich fürs Erdöl.»

Dies habe den erdölfördernden Ländern einen unglaublichen Reichtum beschert. «Künstliche Inseln wie The Pearl entstanden, die 30-mal so teuer sind wie das Bürgenstock-Resort», veranschaulichte er.

Die fossilfreie Zukunft sollte die Aufnahme aus dem Raintobel zeigen. Das geschlagene Holz wird als Holzschnitzel im zwei Kilometer entfernen Wärmeverbund Grossmatt verheizt und wärmt so das Schulhaus Grossmatt und die Wohnungen im Quartier. «Statt im rund 6000 Kilometer entfernten Katar bleibt die Wertschöpfung bei uns und schafft einheimische Arbeitsplätze», erklärte er. Alleine mit Holz sei die Energiewende aber nicht zu schaffen. Die 55 Kubikmeter Energieholz des Holzschlags Raintobel würden gerade einmal die Energie von 11'500 Liter Heizöl enthalten, was etwa dem jährlichen Verbrauch eines grösseren Mehrfamilienhauses entspreche. Im Vergleich zu den Nachkriegsjahren hätten wir heute jedoch moderne Technologien, um das Erdöl zu ersetzen. Ziel sei, dass die rund 3000 Ölheizungen im Kanton Nidwalden früher oder später der Vergangenheit angehören. Zwar dürften auch weiterhin alte durch neue Ölheizungen ersetzt werden, wenn dabei 10 Prozent des Wärmebedarfs durch erneuerbare Energien erzeugt würden.

«Setzen Sie auf erneuerbare Energien»

Von fossilen Energieträgern rät er aber ab. «Setzen sie auf erneuerbare Energien. Schliessen Sie Ihr Haus an einen Wärmeverbund an. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn eine solche Leitung für teures Geld verlegt wurde und an einem Haus entlangführt, dass nicht daran angeschlossen ist.» Je mehr Gebäude an einem Verbund angeschlossen seien, desto rentabler sei er. Auch eine Wärmepumpe sei eine taugliche Alternative zu einem Verbund. Dies rechne sich auch finanziell. Man spare mit einer Wärmepumpe schnell rund 1000 Franken Heizkosten jährlich und dank den Fördergeldern des Kantons würden die etwas höheren Investitionskosten abgefedert. Auch beim Bau von einer Fotovoltaikanlage gehe die Rechnung auf. «Die Investitionskosten einer 12-Kilowatt-Anlage von 30'000 Franken sind bei jährlichen Einsparungen der Stromkosten von 2000 Franken in 15 Jahren amortisiert.»

Mit Interesse hat auch ein Ennetbürger Mehrfamilienhausbesitzer den Vortrag verfolgt. Im über 50-jährigen Haus stehe der Ersatz der Ölheizung an. Noch sei er sich nicht schlüssig, was der beste Ersatz sei. Bei der Wärmepumpe spiele der Strompreis eine Rolle, beim Wärmeverbund sei man auf das Holzvorkommen angewiesen, und zurzeit habe man ja eine Holzknappheit. Neben ökologischen würden eben auch wirtschaftliche Kriterien eine Rolle spielen.

«Die meisten Wärmeverbünde in Nidwalden werden von den Korporationen betrieben, die auch den Wald besitzen. Sie haben ein Interesse, dass ihr Wärmeverbund auch preislich attraktiv ist»,

entgegnet Luca Pirovino. Wenn der Preis fürs Nutzholz steige, heisse das nicht, dass die Holzschnitzel teurer würden. Auch das Argument des schwankenden Strompreises für Wärmepumpen relativiert er. Dies falle kaum ins Gewicht, da Wärmepumpen dank ihres hohen Wirkungsgrades sehr wenig Strom brauchten im Vergleich zur erzeugten Wärme. Und dann hätte man immer noch die Möglichkeit, mit einer Fotovoltaikanlage den Grossteil des benötigten Stroms selber zu erzeugen, was einem vom Strompreis weitgehend unabhängig mache.