NIDWALDEN: Vor dem Handschlag kams zum Eklat

Vor 80 Jahren gerieten sich die Nidwaldner in die Haare – wegen eines Kraftwerks. Die dramatische Geschichte wird jetzt in einem Freilichttheater nachgespielt. Der Run auf die Karten ist riesig.

Romano Cuonz
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Am Ende stimmten die Nidwaldner Bauern den Kraftwerksplänen zu. Szene aus dem Freilichtspiel «Der Kampf um Bannalp». (Bild Romano Cuonz)

Am Ende stimmten die Nidwaldner Bauern den Kraftwerksplänen zu. Szene aus dem Freilichtspiel «Der Kampf um Bannalp». (Bild Romano Cuonz)

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Der Kampf um ein mögliches Atomendlager im Wellenberg wurde im Kanton Nidwalden zeitweise heftig geführt. Doch vor genau 80 Jahren eskalierte ein Konflikt, der noch viel aggressiver ausgetragen wurde. Der Zankapfel lag nur unweit des Wellenbergs: Es ging um die Bannalp, wo ein See geflutet und ein Wasserkraftwerk gebaut werden sollte. «Die Wasserkraft dem Volk», lautet die Devise des Kraftwerkbauers Wilhelm Flury, von Ratsherr Werner Christen und vom streitbaren Kaplan Konstantin Vockinger. «Viel zu riskant und ruinös teuer», kontert die Regierung. Unterstützt wird sie vom Bürgenstock-Hotelier Friedrich Frey-Fürst.

Das Volk spricht ein Machtwort

Vorneweg: Den Ausschlag gab am Ende das Volk, mit einem Entscheid zu Gunsten des Kraftwerks. Doch dem Volksentscheid geht eine Propagandaschlacht – unter anderem im «Bannalper­boten» – voraus, wie sie Nidwalden noch nie erlebt hat. Schmierereien an Hauswänden und gekappte Stromleitungen heizen das Klima noch an. Gutachten und Gegengutachten werden verfasst, Klagen und nicht weniger als 37 Urteile und Entscheide von Bundesgericht und Bundesrat gibt es. Dann, an der Landsgemeinde vom 29. April 1934, das politische Erdbeben: 3000 Männer bestimmen, dass Nidwalden auf der Bannalp sein eigenes Wasserkraftwerk baut und damit vom Elektrizitätswerk Luzern-Engelberg unabhängig wird. Der Sieg der «Bannälpler» ist total, der Preis hoch: Vier Regierungsräte werden abgewählt, vier weitere erklären selber ihren Rücktritt.

Auch Extratribüne ist zu klein

Heute, 80 Jahre später, kehrt der Kampf an den Ort des Geschehens zurück – in Form eines Freilichttheaters, das am Freitag Premiere feiert. Für das Projekt wurde kein Aufwand gescheut. «Im 2013 haben wir Wolfenschiesser unser wohl gewaltigstes Theaterprojekt mit einem Budget von 320 000 Franken gestartet, mittlerweile sind wir bei rund einer halben Million», sagt Kony Niederberger, OK-Präsident des Freilichtspiels «Der Kampf um Bannalp». Doch im selben Atemzug entwarnt er: «Unser Erfolg ist riesig, alle 5760 Plätze waren bereits zwei Monate vor der Premiere ausverkauft, und auch die 576, die wir dann noch auf der erweiterten Tribüne angeboten haben, sind längst weg.»

Alle Schauspieler sind Einheimische

Dabei, so betont Niederberger gerne, handelt es sich bei diesem Volkstheater mit rekordverdächtigem Aufwand um eine von A bis Z einheimische Produktion. Die 26 Spielerinnen und Spieler und die über 60 Statisten, die auf der grossen Bühne und vor der eindrücklichen Landschaftskulisse im Oberrickenbacher Fellboden agieren, sind tatsächlich alle Wolfenschiesser. Verfasst hat das Stück (auf der Grundlage eines historischen Reports) der für derlei Grossproduktionen weitherum bekannte Dallenwiler Klaus Odermatt.

Odermatt ist es denn auch, der als Regisseur die Truppe in rund 120 Stunden Probearbeiten angeleitet und auf die Uraufführung von nächstem Freitag vorbereitet hat. «Dieses Landschaftstheater ist ein einzigartiges Ereignis, möglich geworden ist es aber nur dank wunderbarer Teamarbeit aller Beteiligten», sagt er.

Voll Stolz zeigt OK-Präsident Kony Niederberger auch die Welt hinter dem Spektakel. «Im Ganzen gibt es 294 Helferinnen und Helfer, dazu unterstützen uns zehn Vereine in verschiedensten Positionen», zählt Niederberger auf. Da ist eine Abordnung der Feldmusik, die den Landsgemeinde-Marsch bläst, dort erwarten Fahnenschwinger und Alphornbläser ihren Auftritt.

Sechs Meter hoher Staudamm

Das 16 Meter lange und sechs Meter hohe Bühnenbild – es stellt den Staudamm dar – ist in unzähligen Stunden, teils von Lehrlingen, aufgebaut worden. Prunkstücke sind zweifellos die 51 Meter lange betriebstüchtige Lorenbahn und der 18 Meter hohe Seilbahnmast. Und wenn es schon um Elektrizität geht: Für jede Aufführung braucht es 600 Ampère Strom. Dafür hat das EW Nidwalden 2,5 Kilometer Stromkabel eigens neu verlegt.

Hinweis

«Der Kampf um Bannalp»: Premiere des Frei­licht­- spiels im Fellboden (Oberrickenbach) ist am kommenden Freitag. Sämtliche 16 Aufführungen bis zum 19. Juli sind ausverkauft. Allfällig frei werdende Plätze werden ab 18 Uhr an der Abendkasse verkauft.

www.derkampfumbannalp.ch