NIDWALDEN: Walter Odermatt: «Jetzt ist der richtige Zeitpunkt»

Auf der politischen Karte von Walter Odermatt (SVP) ist noch ein weisser Fleck. Dies will er am 28. Februar ändern. Als Regierungsrat würde er auch grüne Anliegen vertreten, versichert er.

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Regierungsratskandidat Walter Odermatt zu Hause in seiner Stube. (Bild Corinne Glanzmann)

Regierungsratskandidat Walter Odermatt zu Hause in seiner Stube. (Bild Corinne Glanzmann)

Oliver Mattmann

Wahlkampf hin oder her – den Auftritt an der Fasnacht liess sich SVP-Regierungsratskandidat Walter Odermatt nicht nehmen. Als Weinhändler verkleidet, teilte er grosszügig Rebensaft aus und spielte damit auf das Spesengebaren des Oberdorfer Schulrats an. «An einer Fasnacht darf so etwas Platz haben», meint er augenzwinkernd. Auf dem politischen Parkett jedoch hat es «Milchbrunnen-Walti», wie er im Volksmund genannt wird, lieber ungeschminkt. «Politik muss ehrlich und glaubwürdig sein», lautet sein Credo.

Der 50-jährige Landwirt zeigt sich nicht erst seit seinem Jahr als Landratspräsident oder dem aktuellen Wahlkampf für die Regierungsratsersatzwahl vom 28. Februar sehr volksnah. Dahinter steckt kein politisches Kalkül, sondern ganz einfach sein Naturell. «Ich liebe es, mit den Leuten zu diskutieren.» Nicht selten trifft man ihn am Stammtisch an. «Nur wenn ein Problem ausdiskutiert wird, kann man mehrheitsfähigen Lösungen zum Durchbruch verhelfen.» Wer Walter Odermatt gegenübersitzt, weiss, dass er sich nicht bloss Floskeln bedient, wenn er solche Aussagen von sich gibt. Aber mit Verlaub: Wird am Stammtisch die Zukunft des Kantons vorgespurt? «Früher sind dort mehrheitlich ‹Mösteler› gesessen. Das hat sich geändert. Es finden richtig gute Diskussionsrunden statt, von links bis rechts. Das ist es doch auch, was ein Dorf mit seinen Beizen auszeichnet.» Wieder typisch Walter Odermatt: Er bleibt jeden Moment sich selbst, redet, wie ihm der «Schnabel» gewachsen ist.

An Bekanntheit zugelegt

Es wäre wohl Wasser ins Meer getragen, Walter Odermatt hier in aller Ausführlichkeit vorzustellen, hat er doch politisch schon einige Stricke zerrissen und mit seinen Ämtern als SVP-Fraktionschef, als Gemeinderat und als Landratspräsident seinen Bekanntheitsgrad stetig gesteigert. Er sagt geradeheraus: «Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um anzutreten.» Bei den Gesamterneuerungswahlen in zwei Jahren wäre die persönliche Ausgangslage vermutlich anders, sagt er mit Blick auf seinen Rücktritt aus dem Gemeinderat. «Und nach 16 Jahren als Landrat darf man sich auch Gedanken machen, wie es politisch weitergehen soll.» Auch stünde sein ältester Sohn Peter bereit, die Verantwortung für den Hof zu übernehmen.

In seiner Funktion als Landrat sagte Walter Odermatt einst in unserer Zeitung: «Es braucht jedes Gedankengut, sowohl innerhalb des Parlaments wie auch ausserhalb.» Dann müsste doch der Kandidat der Grünen, die im Moment nicht in der Regierung vertreten sind, gewählt werden? Nun, so einfach ists dann auch wieder nicht. «Beim Regierungsrat herrschen andere Vorzeichen. Es ist eine Personenwahl. Nicht die Partei sollte entscheidend sein, sondern die Fähigkeiten, die ein Kandidat für dieses Amt mitbringt», erklärt der SVP-Politiker. Und auch das ist typisch Walter Odermatt: An Ehrgeiz hat es ihm noch nie gemangelt. Ein Hardliner ist er indes nicht, räumt er doch ein, dass er durchaus «grünes Gedankengut» hat. «Ich wehre mich gegen ein massloses Wachstum. Wir müssen zu unseren Ressourcen Sorge tragen.» Wachstum sei nicht «allein selig machend», der Kanton habe andere Werte, um vorwärtszukommen.

Der Bauer und sein Anzug

Doch zurück zu den angesprochenen Fähigkeiten. Wie würde Walter Odermatt selbst das Anforderungsprofil an einen Regierungsrat beschreiben? «Erfahrung in verschiedenen politischen Ämtern, Projekte leiten können, den Kanton kennen und einen guten Umgang mit den Bürgern pflegen.» Und ganz wichtig sei es, «stets motiviert ans Werk zu gehen». Ihm sei bewusst, dass man es als Regierungsrat nicht allen recht machen könne und es «kein Spaziergang» werde. Er wisse aber mit Kritik umzugehen. «Als langjähriger Landrat bin ich ein gebranntes Kind.»

Indes: Gegen Spaziergänge hat er generell nichts einzuwenden, vor allem mit seiner Frau Anita. Überhaupt nimmt er sich die Freiräume für Aktivitäten mit seiner Familie, auch wenn er derzeit viel unterwegs ist. «Da lege ich Wert drauf.» Und auch die Städtetrips mit seiner Frau will er in Zukunft nicht missen – ob als Regierungsrat oder nicht. «Ich entdecke gerne neue Länder, komme aber auch gerne zurück. Es wird einem wieder bewusst, wie schön wir es hier haben.»

Es gibt wohl viele, die den Stanser als valablen Kandidaten sehen. Nur eines will nicht so recht ins Bild passen: Bauer Walter Odermatt und der regierungsrätliche Anzug. Er lacht: «Ich habe beim Krawattenknopf tatsächlich Nachhilfestunden bei meiner Frau gebraucht.» Inzwischen mache es ihm aber Spass, sich in Schale zu werfen. «Ich kann das Stimmvolk beruhigen. Seit ich Landratspräsident gewesen bin, habe ich auch ein genug grosses Sortiment.»

Hinweis

Mit Walter Odermatt setzen wir unsere Porträtserie über die Nidwaldner Regierungsratskandidaten fort. Bereits erschienen: Sepp Durrer (11. 2.), Josef Niederberger (12. 2.). Mehr zu den Wahlen unter www.nidwaldnerzeitung.ch/wahlennidwalden

8 Fragen

1) Was machen Sie als Erstes, wenn Sie morgens aufstehen?
«Meistens lese ich zuerst die ‹Neue Nidwaldner Zeitung› durch, bevor ich mich allmählich zur Arbeit in den Stall begebe.»

2) Welcher Anlass gehört jeweils fest in Ihre Agenda?
«Die Älperchilbi verpasse ich nie. Zudem gehe ich mit meiner Frau jedes Jahr vier bis fünf Nidwaldner Theaterstücke schauen.»

3) Was bringt Sie auf die Palme?
«Da wir hier keine Palmen haben, ist das schwierig. Was mir zu denken gibt, ist die zunehmende Bürokratie in der Verwaltung aufgrund neuer Gesetze. Das macht den ganzen Apparat viel schwerfälliger.»

4) Was kommt bei Ihnen auswärts auf den Teller?
«Zu 99 Prozent sind Pommes frites drauf, die habe ich fürs Leben gern. Und in sieben von acht Fällen gibt es ein Cordon bleu dazu.

5) Was ärgert Sie am meisten in der Politik?
«Wenn man nicht offen und ehrlich über anstehende Aufgaben diskutiert. Klar tut es hie und da weh, wenn man seine Meinung auf den Punkt bringt. Doch nur so kommt man zu guten Lösungen.»

6) In welchem Bereich hat Nidwalden Nachholbedarf?
«Was mich ab und zu nachdenklich stimmt, ist die Zusammenarbeit zwischen Kanton und Gemeinden. Es fehlt teils auch am gegenseitigen Verständnis. Hier hat es noch Luft nach oben.»

7) Wenn Sie Bundesrat wären: was würden Sie sofort ändern?
«Die Flüchtlingspolitik. Ich muss zugeben, auch ich habe kein Patentrezept, wie man das riesige Problem in den Griff bekommt. Doch es besteht Handlungsbedarf, zum Beispiel bei den Rückschaffungsabkommen.»

8) Was unternehmen Sie, um vom Politalltag abzuschalten?
«Ich gehe mit meiner Frau spontan einen Kaffee trinken, spazieren oder auf irgendeinen Berg.»