NIDWALDEN: Warum soll der Förster noch angehört werden?

Statt ein Urteil fällen zu können, wurde der Prozess zum Stanserhorn- Unfall vertagt. Der Förster soll auch noch befragt werden, in welcher Rolle, ist noch offen.

Drucken
Teilen
Obergerichtspräsident Albert Müller in seinem Büro. (Bild: Corinne Glanzmann /  Neue NZ)

Obergerichtspräsident Albert Müller in seinem Büro. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue NZ)

Interview Kurt Liembd

Fahrlässige Tötung oder unschuldig? Vor vier Jahren kam beim Bau der Cabrio-Bahn ein 33-jähriger Baggerführer unter eine Lawine und wurde dabei getötet. Bis heute ist die Schuldfrage offen. Nachdem das Bundesgericht die Akten zurückgeschickt und dabei das Obergericht Nidwalden gerügt hat, fand am Donnerstag erneut eine Verhandlung vor dem Nidwaldner Obergericht statt. Doch diese musste abgebrochen werden (Ausgabe von gestern). Weshalb, erklärt Albert Müller, Präsident des Obergerichtes.

Albert Müller, weshalb haben Sie die Verhandlung am Donnerstag abgebrochen?

Müller: Das Strafgericht hat zur Wahrheitsfindung alle nach dem Stand von Wissenschaft und Erfahrung geeigneten Beweismittel, die rechtlich zulässig sind, zu berücksichtigen. Nur über Tatsachen, die unerheblich, offenkundig, dem Gericht bekannt oder bereits bewiesen sind, muss kein Beweis geführt werden. Die Verteidigung hat die Einvernahme eines weiteren Zeugen verlangt, und das Gericht hat diesen Beweisantrag als erheblich beurteilt. Es hätte aus prozessökonomischen Gründen keinen Sinn gemacht, die Verhandlung weiterzuführen, ohne das Ergebnis des neuen Beweismittels zu kennen.

Warum hat das Bundesgericht überhaupt den Fall nach Nidwalden zur Neubeurteilung zurückgeschickt?

Müller: Das Bundesgericht führt an, die Voraussehbarkeit des Lawinenniedergangs hätte näher begründet werden müssen. Aus diesem Grunde haben wir nun einen Lawinenexperten beigezogen.

Sie haben diesen Lawinenexperten am Mittwoch während zweieinhalb Stunden befragt. Sind Sie mit dem Resultat dieser Befragung zufrieden?

Müller: Diese Frage zielt an den falschen Adressaten. Das Gericht hat nur das Beweisergebnis zu würdigen, nicht mehr und nicht weniger. Die Frage, ob das Resultat der Beweiserhebung zufrieden stellend war oder nicht, ist an die Verfahrensbeteiligten zu richten.

Ergab diese Befragung neue Erkenntnisse, die Ihnen bisher nicht bekannt waren?

Müller: Selbstverständlich hat der Experte dem Gericht zusätzliches Wissen vermitteln können und damit auch Verständnisfragen geklärt.

Das Obergericht will den Förster der Korporation als Zeugen befragen. Weshalb ist das nötig, nachdem der gleiche Mann schon früher als Angeklagter ausführlich befragt wurde und danach vom Obergericht freigesprochen wurde?

Müller: Der von der Verteidigung als Zeuge offerierte Förster war bisher als Beschuldigter in einer anderen Parteirolle. Ihm oblagen bei den zahlreichen Befragungen weder Aussage- noch Wahrheitspflichten. Auch hatte der Sicherheitsverantwortliche der Stanserhorn-Bahn bisher keine Möglichkeit, seine verfassungsmässigen Teilnahme- und Fragerechte zu den Aussagen des Försters wahrzunehmen. Das Gericht hat aufgrund der früheren Rolle des Försters im Strafverfahren noch nicht abschliessend entschieden, ob dieser als Zeuge, wie von der Verteidigung beantragt, oder als Auskunftsperson befragt werden soll. So oder so wird in der nächsten Runde eine Anhörung stattfinden.

Wann wird die Verhandlung wieder aufgenommen – und bis wann ist ein Urteil zu erwarten?

Müller: Es ist vorgesehen, im Januar 2016 eine weitere Verhandlung mit Anhörung des Försters durchzuführen, das Beweisverfahren zu schliessen und nach den Plädoyers der Parteivertreter einen Entscheid zu fällen.

Kann das neue Urteil danach wieder ans Bundesgericht gezogen werden?

Müller: Je nach Ausgang haben sowohl die Staatsanwaltschaft als auch der Verteidiger die Möglichkeit, innert 30 Tagen ans Bundesgericht zu gelangen.