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NIDWALDEN: Weniger Lohn: Güselmänner sind ungehalten

Seit dem Wechsel des Transporteurs für die Kehrichtentsorgung gab es für die Angestellten teils empfindliche Lohneinbussen. Die angerufene Gewerkschaft stellt fest, dass das Vorgehen an der Grenze des Zumutbaren sei.
Martin Uebelhart
Weniger Arbeit und damit auch weniger Lohn für die Kehrichtmänner. (Bild: Corinne Glanzmann (Stans, 19. Dezember 2017))

Weniger Arbeit und damit auch weniger Lohn für die Kehrichtmänner. (Bild: Corinne Glanzmann (Stans, 19. Dezember 2017))

Martin Uebelhart

martin.uebelhart@nidwaldnerzeitung.ch

Seit bald zwei Jahren holt die Firma Leisibach Entsorgung AG im Auftrag des Kehrichtverwertungsverbandes Nidwalden (KVV NW) in den Gemeinden den Hauskehricht und das Grüngut ab. Bürgerinnen und Bürger merkten von diesem Wechsel kaum etwas. Die roten Säcke wurden weiterhin am Strassenrand eingesammelt, die Container ­geleert. Hingegen hatte die Ablösung von Niederberger Transport durch Leisibach für die Mitarbeiter der Kehrichtabfuhr teils einschneidende Auswirkungen.

Zunächst wurde Anfang 2016 die Wochenarbeitszeit von 42 auf 46 Stunden erhöht. Gleichzeitig wurden teils die Löhne gekürzt und später das Arbeitspensum der Kehrichtabfuhr-Teams Mitte 2017 von 100 auf 90 Prozent gesenkt. Die Mitarbeiter mussten so Lohneinbussen von bis zu 19 Prozent in Kauf nehmen. Der Unmut unter ihnen ist gross, und sie wandten sich an die Gewerkschaft Syna.

Leider keine rechtlichen Möglichkeiten

Nach ausführlichen Berechnungen räumt Syna-Regionalsekretär Urs Gander ein, dass rechtlich ­alles korrekt sei. Die bezahlten Löhne entsprächen den Anfor­derungen in der Ausschreibung des Verbandes. Ebenso sei eine Wochenarbeitszeit von 46 Stunden laut Landesvereinbarung zwischen Astag und Routiers Suisses möglich. Auch die Anpassungen der Anstellungsbedingungen seien einwandfrei über Änderungskündigungen gemacht worden. Corinne Bachmann, Leiterin des Rechtsdienstes der Syna, sagt dazu: «Es gibt leider keine rechtlichen Möglichkeiten für die Mitarbeiter, um den Verdienstausfall geltend zu machen. Er bewegt sich an der oberen Grenze dessen, was aus Sicht der Rechtsprechung zum Arbeitslosenversicherungsgesetz noch zugemutet werden kann.» Bei Urs Gander selber bleibt am Schluss ein schaler Nachgeschmack: «Wieder einmal wird auf dem Buckel der Kleinen gespart und optimiert.»

Früher, als noch freie Vergaben möglich gewesen seien, habe der Verband mehr Einfluss auch auf Anstellungsbedingungen nehmen können, sagt KVV-Präsident Adolf Scherl auf Anfrage. «Heute gibt es genaue Regeln für das öffentliche Beschaffungswesen», hält er fest. Der Verband habe in seiner Ausschreibung festgelegt, dass die Löhne für die Mitarbeiter 15 Prozent über dem Mindestlohn liegen müssten, welchen die Landesvereinbarung zwischen Les Routiers Suisses und Astag Sektion Zentralschweiz für das schweizerische Strassentransportgewerbe vorsieht. Nach Scherls Meinung hätte man hier nicht höher gehen können mit den Vorschriften. «Wir haben uns damals bei der Ausschreibung von Spezialisten beraten lassen, bis zu welcher Grenze wir gehen können», so der KVV-Präsident.

Der Kehrichtverwertungsverband sei immer daran interessiert, dass Aufträge im Kanton blieben. «Bei einem offenen Verfahren kann man das aber nicht garantieren», sagt Scherl. Der Auftrag, für sieben Jahre den Hauskehricht und die Grünabfälle einzusammeln, sei 2015 an den günstigsten Anbieter mit Garagierungsstandort Nidwalden gegangen. Die Einführung der Sackgebühr habe es auch mit sich gebracht, dass die Güselmenge im Kanton zurückgegangen sei. In acht der elf Gemeinden werde zudem der Kehricht nur noch einmal pro Woche abgeholt. «Entsprechend ist natürlich auch die Auslastung der Fahrzeuge für denAABB22Kanton Nidwalden zurückgegangen», sagt Scherl. Die Leute könnten daher nicht 8,5 Stunden täglich für den Verband arbeiten. «Wir kontrollieren jährlich, dass der Arbeitgeber die ­Anforderungen der Ausschreibung einhält. Das andere ist freie Marktwirtschaft», sagt Scherl.

«Mitarbeiter arbeiten zu guten Bedingungen»

René Leisibach, Geschäftsführer der gleichnamigen Entsorgung AG in Hochdorf, nimmt auf Anfrage nur schriftlich zu Vorwürfen Stellung. Es gebe immer Mitarbeiter, die aus persönlichen Gründen unzufrieden seien, was er bedaure. «Einsatzpläne und Arbeitszeiten sind in unserem Gewerbe abhängig von der Abfallmenge, die zu entsorgen ist, sowie von den saisonalen Einflüssen», hält er fest und fügt hinzu: «Unsere Mitarbeiter arbeiten zu guten Bedingungen.» Diese entsprächen dem Gesamtarbeitsvertrag und würden zudem durch den Kehrichtverwertungsverband Nidwalden kontrolliert. «Wir sind stolz darauf, als dynamischer moderner Betrieb auch in Nidwalden für die Öffentlichkeit arbeiten zu dürfen», sagt er.

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