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NIDWALDEN: «Wer das Mami braucht, ist fehl am Platz»

Wer auswärts in die Lehre geht, findet im Haus für Lehrlinge Unterkunft und Verpflegung. Und gar noch mehr – seit 50 Jahren.
Matthias Piazza
Die Lehrlinge Fabio Thon (links) und Raphael Stöcklin helfen «Schlummermutter» Daniela Buschor in der Küche. (Bild Corinne Glanzmann)

Die Lehrlinge Fabio Thon (links) und Raphael Stöcklin helfen «Schlummermutter» Daniela Buschor in der Küche. (Bild Corinne Glanzmann)

Es duftet verführerisch aus der Küche. Daniela Buschor bereitet das Abendessen vor. Ins Haus kommt Leben. Immer mehr Lehrlinge kommen nach «Hause» und helfen beim Decken des Tisches. Die Stimmung ist heiter. Es wird gescherzt. Zwölf junge Männer zwischen 15 und 20 Jahren nehmen am Tisch Platz und freuen sich auf das Znacht. Wir sind zu Gast in einer Wohngemeinschaft der speziellen Art. Die jungen Leute sind allesamt Lehrlinge, für die sich der lange Heimweg nicht lohnt, und die darum eine Bleibe in Nidwalden vorziehen. Im Haus der Lehrlinge haben sie ein Dach über dem Kopf. Schlummermutter Daniela Buschor, die im selben Haus wohnt, kocht und schaut zum Rechten.

Seit 50 Jahren gibts nun schon diese Institution. Gestern war Tag der offenen Tür in Stans. Laut Verwalter Charly Kuhn ein voller Erfolg: «Insgesamt haben rund 400 Leute vorbeigeschaut, und es gab Gelegenheit für viele gute Gespräche.»

Pendeln wäre keine Alternative

Einer der Gäste in dieser speziellen WG ist Raphael Stöcklin, der wie die meisten Hausbewohner bei den Pilatus-Flugzeugwerken lernt. Und zwar Polymechaniker. Der Viertlehrjahrstift schätzt die Wohnform. Pendeln wäre keine Alternative. «Je nach Verbindung bräuchte ich bis zweieinhalb Stunden für den Arbeitsweg», erzählt der 18-jährige Liestaler, der nur an den Wochenenden zu seinen Eltern nach Hause fährt. «Die neue Unterkunft und der Lehrbeginn bedeuteten schon eine ziemliche Umstellung», erinnert er sich zurück. Doch er habe sich rasch und gut eingelebt und schätzt den Alltag fernab des Elternhauses. «Hier geniesse ich mehr Freiheiten als zu Hause. Das stelle ich immer wieder in Gesprächen mit Kollegen fest, die noch bei den Eltern wohnen.» Dies bedeute aber auch mehr Eigenverantwortung. «Uns weckt kein Mami am Morgen. Wir müssen selber besorgt sein, dass wir pünktlich zur Arbeit erscheinen», zählt er ein Beispiel auf.

Ganz ohne Regeln und Ämtli funktioniert natürlich auch diese WG nicht. So müssen die Lehrlinge beim Decken des Tisches mithelfen oder um 22 Uhr wieder im Haus sein.

Auch Fabio Thon (18), der aus Zürich kommt und im dritten Lehrjahr als Konstrukteur lernt, schätzt die Möglichkeit, in der Nähe des Arbeitsortes zu wohnen. «Pendeln kommt nicht in Frage, da meine ganze Freizeit draufgehen würde.» Doch der Anfang im Lehrlingshaus war nicht leicht – in einer fremden Umgebung, ohne jemanden zu kennen. Missen möchte er die drei Jahre keinesfalls. «Hier lernt man selbstständig zu sein, sonst geht man unter. Wer das Mami braucht, ist hier fehl am Platz», meint Fabio Thon.

Alle mit demselben Ziel

Nicki Wohlfahrt (Polymechaniker-Lehrling aus Solothurn) ergänzt: «Entweder man packt es oder nicht. Aber man hat gar keine andere Wahl», schliesslich hänge viel daran, meint der 17-Jährige, der ebenfalls bei Pilatus arbeitet. Die Schicksalsgemeinschaft schweisst zusammen. Schliesslich peilen alle dasselbe Ziel an: den erfolgreichen Lehrabschluss. Man unterstütze sich gegenseitig, helfe einander bei Problemen in der Berufsschule oder im Betrieb.

Die drei sind sich einig: Das Leben im Haus der Lehrlinge habe sie reifer gemacht. Heimweh käme eigentlich nie auf, auch wenn man sich jeweils aufs Wiedersehen mit den Eltern freue. «Es ist beides ein bisschen zu Hause», bringts Raphael Stöcklin auf den Punkt.

Zur fröhlichen Runde stösst Charly Kuhn. Man spürt, dass er einen guten Draht zu den Burschen hat. Mädchen gibts übrigens keine. «Ich habe es gut mit ihnen», bestätigt der «Hausherr». Das Haus sei eine Erfolgsgeschichte zum Wohl der jungen Leute und gleichzeitig auch ein Dienst an der Gesellschaft, meint Kuhn und erinnert sich an einen Lehrling, der auf die schiefe Bahn zu geraten und die Lehrstelle zu verlieren drohte. «Mit unserer Hilfe fing er sich und schloss die Lehre erfolgreich ab, wofür er uns dankbar war.» Solche Erfolgserlebnisse spornten an, auch wenn dies ein Extremfall gewesen sei. «Die meisten sind pflegeleicht, zielstrebig. Wer so weit weg von zu Hause eine Lehre macht, weiss, was er will.»

Matthias Piazza

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