NIDWALDEN: Wie lockt man Jugendliche an die Urnen?

Maturand Albin Osmani (18) ist Vorurteilen gegenüber Jugendlichen auf der Spur. Ihnen wird nachgesagt, sie seien politisch uninteressiert. In seiner Maturaarbeit hat er untersucht, inwiefern das stimmt und wie man etwas daran ändern könnte.

Carina Odermatt
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Albin Osmani im Rathaus Stans. (Bild: Corinne Glanzmann (10. Januar 2017))

Albin Osmani im Rathaus Stans. (Bild: Corinne Glanzmann (10. Januar 2017))

Carina Odermatt

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Albin Osmanis Maturaarbeitspräsentation beginnt mit einem Blick in die Vergangenheit auf die Abstimmung über die Masseneinwanderungsinitiative vor drei Jahren. Am stärksten gegen die Initiative waren die Jugendlichen, doch nur wenige von ihnen gingen an die Urne. Die Studie eines renommierten Schweizer Forschungsinstituts schien den schwindenden Wähleranteil der Jugendlichen (bis 25 Jahre) zu bestätigen. Die Reaktionen auf dieses Ergebnis waren heftig. Jugendliche wurden als «kleine Egoistlein» bezeichnet, die sich nur mit «sich selber und Handys, Tablets und anderem modernen Schnickschnack beschäftigen». Doch diverse Experten kritisierten die Vox-Analyse, und nach einer Überprüfung konnte sie widerlegt werden. Es handelte sich nicht um eine repräsentative Studie, und zudem zeigten die Statistiken der Kantone einen deutlich höheren Wähleranteil. «Trotzdem bleibt das Vorurteil. Ich wollte herausfinden, ob wir Jugendlichen in der Politik wirklich so desinteressiert sind, wie die Öffentlichkeit behauptet», beschreibt der Stanser Albin Osmani seine Motivation für sein Maturaarbeitsthema.

Schweizer Jugend schneidet schlecht ab

«Quantitative Studien über das Politikinteresse von Jugendlichen gibt es schon viele, und im Rahmen einer Maturaarbeit wäre es nicht sinnvoll, selber eine repräsentative Umfrage durchzuführen. Deshalb habe ich bereits vorhandene Resultate analysiert», erklärt Albin Osmani. Eine Studie der Eidgenössischen Kommission für Kinder- und Jugendfragen unter 3000 Heranwachsende bestätigt, dass diese im Vergleich zur Gesamtbevölkerung weniger an Politik interessiert sind, der Unterschied ist jedoch weniger drastisch als angenommen. In verschiedenen Umfragen geben rund die Hälfte der Jugendlichen an, sich für Politik zu interessieren. In der ICCS-Jugendbefragung zu Politik und Demokratie (International Civic and Citizenship Education Study 2009) schnitt die Schweizer Jugend im Vergleich zu 37 anderen Ländern mit Platz 31 schlecht ab. «Spannend ist hier, dass man eine Korrelation zwischen dem politischen Interesse und dem Glauben an Mitwirkung sehen kann. In Ländern, wo Jugendliche an eine hohe Mitwirkung glauben, ist das politische Interesse in der Regel höher. In dieser Kategorie ist die Schweizer Jugend auf Platz 34», erklärt der Maturand. Die Resultate der Analyse verschiedener Studien deckt sich mit den Aussagen von fünf Jungpolitikern, die Albin Osmani zum Thema befragt hat. Gründe für das Desinteresse sehen sie vor allem im geringen Glauben an Mitwirkung und dem hohen Wohlstand. «Die Jugendlichen in der Schweiz haben ein hohes Vertrauen in das System, weshalb sie es nicht für nötig halten, selber darauf einzuwirken. Manche Befragten geben auch an, die Wahlverfahren seien zu komplex, oder sie hätten zu wenig Zeit», erklärt Osmani. Das Interesse steigt mit dem Stimmalter und konzentriert sich vor allem auf bestimmte Strömungen oder Abstimmungen und selten auf Teilnahmen in Parteien.

Hier findet sich auch Albin Osmani wieder: «Ich selber bin auch kein Mitglied einer Partei, und mein politisches Interesse beschränkt sich auf das Verfolgen politischer Diskussionen und Ausfüllen der Wahlzettel», gesteht der Maturand. «Durch meine Maturaarbeit habe ich viel über die Probleme bei politischen Prozessen gelernt. Durch die Interviews mit Experten kann ich besser verstehen, was Politiker beschäftigt.» Trotzdem überwiegt sein Interesse an der Wirtschaft, was er nach der Matura in St. Gallen studieren will.

Politik als Pflichtfach wäre wünschenswert

«Wie könnte man das politische Interesse der Jugendlichen fördern?», fragt sich Albin Osmani. Für mehr Wissen wäre Politik als Pflichtfach in der Schule wünschenswert oder Onlineportale, die Wahlverfahren und politische Themen erklären. Auch mit vereinfachten Wahlverfahren oder E-Voting im Internet könnten Jugendliche eventuell vermehrt zum Abstimmen motiviert werden. Osmani: «Das politische Interesse der Jugend liegt mir am Herzen, denn nur in einer Bevölkerung, in der alle Altersstufen mitbestimmen, herrscht richtige Demokratie. Die Motivation dafür muss jedoch von der Jugend selber aufgebracht werden.»