Nidwalden zählt Velos und Fussgänger mit Wärmebildern

Um den Langsamverkehr zwischen Oberdorf und Dallenwil zu messen, setzt das Amt für Mobilität auf eine neue Technik.

Philipp Unterschütz
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Wärmebildkameras messen zwischen Oberdorf und Dallenwil den Langsamverkehr.

Wärmebildkameras messen zwischen Oberdorf und Dallenwil den Langsamverkehr.

Bild: PD

Eine Auslegeordnung für den Radweg Oberdorf–Dallenwil: Dies verlangte ein Postulat der drei Landräte Armin Odermatt (SVP, Büren), Iren Odermatt (FDP, Dallenwil) und Otmar Odermatt (CVP, Wolfenschiessen) im Februar. Dies, um Nutzen und Kosten der verschiedenen bestehenden Möglichkeiten einander gegenüberstellen zu können. Insbesondere interessiert, wie viele Velofahrer täglich auf der Strecke unterwegs sind. «Eine Verkehrszählung schafft Klarheit», hiess es im Postulat.

Diese Klarheit über den Langsamverkehr zwischen Oberdorf und Dallenwil soll nun eine Messung liefern, die seit vergangenem Freitag für drei Wochen läuft. Dabei bedient sich der Kanton einer neueren Technik, die in Nidwalden zum ersten Mal zum Einsatz kommt. An vier Standorten (Hostettli, Hostettensteg/Dammweg, Verzweigung Engelbergstrasse/Wydacher Hof und beim Hof Allmend vor dem Knoten Büren) sind auf Masten Kameras angebracht, die Wärmebilder aufzeichnen. «Mit dem Wärmebild kann keine Personen- oder Gesichtserkennung gemacht werden. Auch Nummernschilder von motorisierten Fahrzeugen können nicht erkannt werden», betont Stephanie von Samson, Leiterin des Amts für Mobilität.

Tiere werden erfasst, aber nicht gezählt

Für die Auswertung sind nur Fussgänger und Velofahrer relevant. Die Erkennungssoftware kann diese klassifizieren und legt die Wärmebilder getrennt in Speicherordnern «Velofahrer» oder «Fussgänger» ab. Auch Tiere wie Hunde oder Wild werden erfasst. Sie erscheinen aber in der Statistik nicht, das Wärmebild wird in einem separaten Ordner abgelegt. Anhand der Fotos kann das Ergebnis verifiziert werden. Falls ein Verkehrsteilnehmer falsch eingeordnet wurde, werden Klassifizierung und Zählung manuell angepasst. Erkannt wird auch die Bewegungsrichtung, oder wenn zwei Fussgänger nebeneinander gehen.

Die Wärmebildkameras sind zum ersten Mal in Nidwalden im Einsatz.

Die Wärmebildkameras sind zum ersten Mal in Nidwalden im Einsatz.

Bild: PD

Das System bringt grosse Fortschritte, weil bisher der Langsamverkehr mittels Videoerhebung, Bodenschlaufen oder Stichprobenzählungen von Hand gezählt wurde. Methoden, die beim Langsamverkehr entweder nicht funktionieren oder grossen Auswertungsaufwand und Kosten mit sich bringen. «Weil die neue Methode auf einer programmgestützten Auswertung aufbaut, wird diese erheblich vereinfacht und die Datenmenge verringert», erklärt von Samson. Gut 10000 Franken kosten die dreiwöchige Messung und die Auswertung. «Vorteil dieser Messmethode ist auch, dass die Kosten im Gegensatz zur herkömmlichen Videoerhebung unabhängig von der Dauer sind.»

Warum der Versuch auch in Coronazeiten läuft

Nachdem der Kanton erst vor wenigen Tagen den Ampelversuch in der Pilatuskurve zwischen Stans und Ennetbürgen wegen coronabedingt zu wenig Verkehr abbrechen musste, stellt sich die Frage nach der Zuverlässigkeit der erhobenen Zahlen. Einerseits sei natürlich die Frist, die man zur Beantwortung des Postulats habe, eine Vorgabe, die eine Verschiebung der Verkehrszählung nicht zulasse, sagt Stephanie von Samson. Die Auswertung wird voraussichtlich Anfang Mai 2020 vorliegen, womit eine fristgerechte Beantwortung möglich ist. Velofahrer und Fussgänger seien zudem auch unabhängig von Corona unterwegs. Es sei anzunehmen, dass weniger Pendlerverkehr trotz oder wegen der Umstände durch Freizeitverkehr kompensiert werde. «Aber nur aufgrund der Zählungen Schlussfolgerungen zu ziehen, ob und wie die Langsamverkehrs­achse entlang der Kantonsstrasse zwischen Wil und Dallenwil erstellt werden soll oder nicht, würde fachlich sicher zu kurz greifen», betont die Vorsteherin des Amtes für Mobilität.

Ob und in welcher Form die neue Methode in Nidwalden erneut zum Einsatz kommt, ist offen. «Derzeit sind keine weiteren solchen Messungen geplant. Wir können uns allenfalls vorstellen, bei künftigen Langsamverkehrsplanungen diese Messtechnik wieder einzusetzen.»