NIDWALDEN: Zivilschutz rückt mit schwerem Gerät an

Das Waseneggli ist ganz in der Hand der Zivilschützer. Sie fällen Bäume, sichern Hänge. Und lernen auch ganz neue Techniken.

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Die WK-Teilnehmer arbeiten bei der Hangsicherung auch mit einem Bagger. (Bild: Corinne Glanzmann (Neue NZ))

Die WK-Teilnehmer arbeiten bei der Hangsicherung auch mit einem Bagger. (Bild: Corinne Glanzmann (Neue NZ))

Die Motorsäge verstummt. «Achtung!», schallt es durch den Wald auf Alpboden, nahe der Talstation des Sesselliftes auf den Haldigrat. Es knackst. Und dann fällt der hohe Baum mit einem dumpfen Schlag zu Boden. Präzis an der vorgesehenen Stelle – dank der Seile, die ihn in die richtige Fallrichtung zogen. Dies ist entscheidend, weil auf der gegenüberliegenden Seite Stromleitungen durchführen. Hinter dieser professionellen Fällaktion stehen aber nicht Förster, sondern Zivilschützer, die hier im Gebiet Waseneggli ihren eintägigen Wiederholungskurs (WK) leisten – unter Aufsicht eines Mitarbeiters des Elektrizitätswerks Nidwalden. «Nicht all diese Zivilschützer sind Förster, darum dient dieser nützliche Einsatz auch gleichzeitig der Ausbildung», erklärt Marco Weber, Kommandant des Nidwaldner Zivilschutzes. Seit vergangenem Mittwoch und noch bis heute sind 240 der rund 540 Nidwaldner Zivilschützer auf Waseneggli im Einsatz im Rahmen ihres WK. Die Pioniere, die Handwerker-Abteilung des Zivilschutzes, absolvieren an ihrem WK-Tag verschiedene Posten.

Einsätze nützen der Allgemeinheit

Etwas weiter unten ists ohrenbetäubend laut. Mit dem Abbauhammer – eine Art übergrosse Nagelpistole, so laut wie ein Presslufthammer – schlägt ein Pionier Stahlnägel in Baumstämme, die am Hang in einer ausgebaggerten Stelle aufgeschichtet sind. Damit werden der Hang und die darunterliegende Strasse vor dem Rutschen gesichert. «Unsere Leute sind topmotiviert, haben Spass an solchen Einsätzen, die der Allgemeinheit etwas nützen», meint Marco Weber. Das bestätigt auch Zivilschützer Hamzic Mirnes: «Die Arbeiten sind herausfordernd, eine Abwechslung zum Berufsalltag, und vor allem sinnvoll. Ohne die Hangsicherung würde die ganze Strasse weggeschwemmt.»

Gemäss Marco Weber bewährt sich das Milizsystem. «Wir profitieren vom beruflichen Know-how unserer Leute und sind darum kaum auf zivile Unterstützung angewiesen. Selbst den Bagger bedient ein Zivilschützer.» An einem anderen Schauplatz gehts um Absturzsicherung. Die Übungsteilnehmer seilen sich dabei mit einem ganz neuen Absturzsicherungssystem den Hang hinunter. Das Besondere dabei: «Eine Person kann sich ohne fremde Hilfe abseilen. Das System nutzen wir beim Arbeiten im steilen Gelände», erklärt Marco Weber. Ein Baumbiegesimulator bildet eine weitere Übungseinheit. Dabei trainieren WK-Teilnehmer Holz zu sägen, das unter Spannung steht.

Innert Stunden einsatzbereit

Im Gegensatz zu anderen Jahren dauert der WK-Einsatz im Gelände heuer nur einen Tag, unter anderem, weil ein Tag für die Fassung der neuen Ausrüstung gebraucht wurde. Trotzdem seien die Einsätze sehr effektiv. «Dank ihrer guten Ausbildung im Zivilschutz können die Teilnehmer nach ein paar Minuten loslegen. Genau wie im Ernstfall, wo unsere Leute innert Stunden einsatzbereit sein müssen», sagt Weber. So war der Zivilschutz auch bei den Aufräumarbeiten am Kniri in Stans drei Tage lang im Einsatz – nach dem Gewitterregen vom Juni. Genau diese schnelle Einsatzbereitschaft sei die Stärke des Zivilschutzes als kantonale Organisation. «Der Kanton kann uns innert Stunden aufbieten.» Heute endet der Pionier-WK, welcher sehr erfolgreich verlaufen sei, alle Ziele seien erfüllt worden.

Matthias Piazza

Das Abseilen steht ebenfalls auf dem Programm. (Bild: Corinne Glanzmann (Neue NZ))

Das Abseilen steht ebenfalls auf dem Programm. (Bild: Corinne Glanzmann (Neue NZ))

Zivilschützer schlagen Stahlnägel in Baumstämme, um den Hang zu sichern. (Bild: Corinne Glanzmann (Neue NZ))

Zivilschützer schlagen Stahlnägel in Baumstämme, um den Hang zu sichern. (Bild: Corinne Glanzmann (Neue NZ))