NIDWALDEN: Zügig umsetzen ist das Motto von Josef Niederberger

Josef Niederberger will für die CVP den Sitz von Hans Wicki erben. Und am liebsten auch gleich die Baudirektion. Er rechnet mit intakten Wahlchancen – aber mit einem zweiten Wahlgang.

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Regierungsratskandidat Josef Niederberger zu Hause auf seinem Balkon: «Ich habe gute Wahlchancen.» (Bild Corinne Glanzmann)

Regierungsratskandidat Josef Niederberger zu Hause auf seinem Balkon: «Ich habe gute Wahlchancen.» (Bild Corinne Glanzmann)

Matthias Piazza

«Was willst du eigentlich in diesem Alter noch als Regierungsrat kandidieren?» Dies war die häufigste Frage, die Josef Niederberger-Streule im Dorf zu Ohren bekam, als er seine Kandidatur bekannt gab. «Die Frage ist naheliegend», gibt der 59-jährige Familienvater zu. In einem Alter, in dem andere langsam an ihren Ruhestand denken, will es der Oberdorfer nochmals wissen.

Warum auch nicht? Er fühle sich noch immer fit genug. «Ich politisiere gerne, habe Freude, mit Leuten zusammenzuarbeiten und will in der Gesellschaft etwas bewirken», begründet er seine Motivation, am 28. Februar für die CVP anzutreten. Die Ambitionen für das Amt sind nicht ganz neu. Bereits 2010 «bewarb» sich der Inhaber und Geschäftsführer der Holzbau Niederberger um eine Kandidatur – unterlag aber bei der internen Ausmarchung Alois Bissig.

Als die Partei ihn anfragte, im Kampf um den Sitz des abtretenden FDP-Regierungsrats Hans Wicki ins Rennen zu steigen, sei ihm der Entscheid alles andere als schwergefallen. Auch die Familie stehe dahinter: «Wenn du das willst, dann mach das», hätten ihm seine vier erwachsenen Kinder und seine Frau Lydia gesagt, die ihn schon in einer anderen Exekutivrolle erlebt hatten: nämlich als Schulrat, dem er zwölf Jahre angehörte und den er zehn Jahre präsidierte. Er vermochte bei den Kindern in dieser Rolle zu überzeugen.

Gewohnt, zu führen

Die langjährige Exekutiverfahrung bezeichnet Josef Niederberger als seinen grossen Trumpf, der ihn für das Amt des Regierungsrates qualifiziere. Er denkt nicht nur an seinen politischen Leistungsausweis. «Als Geschäftsinhaber mit über 20 Mitarbeitern, davon 5 Lehrlingen, bin ich mir gewohnt, strategische Entscheide zu fällen», sagt der Inhaber und Leiter der Holzbau Josef Niederberger. Er sieht den Regierungsrat als eine Art CEO.

Wobei ihm bewusst sei, dass im Gegensatz zur Privatwirtschaft, wo der Chef alleine entscheidet, in der Politik auch noch Volk und Parlament mitreden. Das nötige Fingerspitzengefühl bringe er mit, schliesslich kenne er den Parlamentsbetrieb. Niederberger war von 2002 bis 2014 im Landrat, 2012/13 Landratspräsident, was er als Höhepunkt seiner Landratskarriere bezeichnet – «zudem konnte ich in diesem Ehrenamt mein Beziehungsnetz erweitern».

Den Zeitpunkt für das Amt als Regierungsrat erachtet er als ideal. Er will in diesem Jahr die Geschäftsleitung seinem 26-jährigen Sohn Beat übergeben, der bereits jetzt schon im Geschäft arbeitet. Ein Schritt, den er sowieso vollzogen hätte.

Wehmut spielt mit

«Natürlich ist der Schritt mit Wehmut verbunden, nachdem ich das Geschäft vor über 30 Jahren aufbaute und seither führe», erzählt der gelernte Zimmermann, der sich zum Holzbautechniker und Unternehmer weiterbildete. Er erinnere sich gerne an die tollen Mitarbeiter und die schönen Bauwerke. Anderseits reize ihn die neue Herausforderung sehr. Als Unternehmer habe er immer wieder gespürt, welch wichtige Rolle Politik im Leben spiele.

Favorit Baudirektion

Gedanken über die Zuteilung der Direktionen habe er sich natürlich auch schon gemacht. «Die Baudirektion wäre mein Favorit», gibt er unumwunden zu – im Wissen, dass diesbezüglich noch nichts in Stein gemeisselt ist, Rochaden möglich sind. Angst, dass er sich an den schwierigen Dossiers die Zähne ausbeisst, hat er nicht – im Gegenteil. «Das reizt mich.» Man müsse das Volk beziehungsweise das Parlament ins Boot holen, dann komme man weiter, ist er überzeugt.

Ihn stört, dass bei vielem solange «herumgedoktert» werde, ohne zu einem Ergebnis zu kommen. Und macht einen Vergleich mit der Privatwirtschaft: «Um ein Haus zu planen, werden heutzutage drei Jahre benötigt, die eigentliche Bauzeit dauert aber nur acht Monate.» Geschäfte schneller abzuschliessen und umzusetzen erachtet er darum als eine grosse künftige Herausforderung für den Kanton. Sein Rezept: Beteiligte und Betroffene wie Landwirte, Korporationen oder sonstige Grundstückeigentümer frühzeitig an den runden Tisch holen und mit ihnen das Gespräch suchen. Eine Strategie, die in seinem Betrieb immer funktioniert habe: «Ich musste mit meinen Geschäftspartnern noch nie vor Gericht», erzählt er stolz. So sei er überzeugt, auch die Knacknüsse Umfahrung Stans West und Nord, Doppelspur Hergiswil, Flugplatz und Wiesenbergstrasse zu meistern.

Mit ihm kämpfen drei weitere Kandidaten um den Sitz. «Ich habe gute Wahlchancen», ist er sich sicher. Ebenso klar ist für ihn, dass niemand schon am Wahlsonntag feiern kann. «Die Stimmen werden wohl etwa gleichmässig verteilt sein, sodass es keinem Kandidaten fürs absolute Mehr reicht», prognostiziert er. So dürfte die Entscheidung wohl am 10. April fallen. So oder so: Ganz auf ihren ehemaligen Chef würden die Mitarbeiter nicht verzichten müssen. Und auch die Passfahrten auf dem Töff mit seiner Frau behielten ihren festen Platz in der Agenda, beteuert er.

Hinweis

Mit Josef Niederberger setzen wir unsere Porträtserie über die Regierungsratskandidaten fort. Bereits erschienen: Sepp Durrer (gestern).

8 Fragen an Josef Niederberger-Streule

1) Was machen Sie als Erstes, wenn Sie morgens aufstehen?
«Nach dem Bad höre ich um 6 Uhr die Nachrichten und lese während des Morgenessens die ‹Neue Nidwaldner Zeitung›.»

2) Welcher Anlass gehört jeweils fest in Ihre Agenda?
«Älperchilbi Stans, weil ich gerne das Gesellschaftliche pflege.»

3) Was bringt Sie auf die Palme?
«Wenn jemand zur Erreichung seiner Ziele nicht ehrlich ist.»

4) Was kommt bei Ihnen auswärts auf den Teller?
«Geschnetzeltes mit Rösti.»

5) Was ärgert Sie am meisten in der Politik?
«Dass es in vielen Bereichen zu lange dauert, bis man zu einem Ergebnis kommt.»

6) In welchem Bereich hat Nidwalden Nachholbedarf?
«Bezahlbarer Wohnraum, damit auch die kommenden Generationen in Nidwalden bleiben können.»

7) Wenn Sie Bundesrat wären: Was würden Sie sofort ändern?
«Den Kantonen weniger vorschreiben und so den Föderalismus fördern.»

8) Was unternehmen Sie, um vom Politalltag abzuschalten?
«Mit meiner Frau Lydia eine ausgiebige Wanderung, einen Spaziergang oder einen Ausflug mit dem Töff.»