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NIDWALDEN: Zuhörer sollen ein «Kopfkino» erleben

Dominik Wyss, Musiklehrer am Stanser Gymnasium St. Fidelis, hat sich einen lang gehegten Wunsch erfüllt. Während eines Atelieraufenthalts in Berlin komponierte er die Suite «Night Taxi», die nun während der Stanser Musiktage uraufgeführt wird.
Romano Cuonz
Dominik Wyss bei den Proben für die Uraufführung seiner Suite. (Bild: Philipp Schmidli (Stans, 7. April 2018))

Dominik Wyss bei den Proben für die Uraufführung seiner Suite. (Bild: Philipp Schmidli (Stans, 7. April 2018))

Romano Cuonz

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

Einfach erstaunlich, wie Zuhörer im Stande sind, sich aus blossen Tönen und Melodien im Kopf ein farbiges Bild ums andere zu malen. Ein so spezielles «Kopfkino» inszenieren dieses Jahr die Stanser Musiktage. Das Drehbuch hat Dominik Wyss, Musiklehrer am Stanser Kollegi, mit seiner «Night Taxi Berlin Suite» geschrieben. Die eigentlichen «Filmstars» sind die 20 Profi-musikerinnen und -musiker. Mit ihren Instrumenten geben sie der Stadt Episode um Episode farbige Konturen. Man braucht bloss die Augen zu schliessen, wenn Leiter Dominik Wyss das Zeichen für den Einsatz der Bläser, Streicher oder auch Perkussionisten gibt, und schon ist man mitten in der 3,5-Millionen-Stadt.

Leute, die rund ums «Business» geschäftig rennen, nehmen musikalisch genauso Gestalt an wie eine vielsprachige, bunte Welt etwa im Stadtteil Neukölln mit 300 000 Leuten aus 150 Nationen. Oder kurz darauf – als wunderschönes Gegenbild – die erholsame Ruhe im Dorotheenstädtischen Friedhof, wo etwa Friedrich Hegel oder Bertold Brecht begraben sind. Die Suite ist so vielschichtig wie die Metropole selber. Die Absicht dahinter erklärt der Komponist so: «Weil heute fast alles optisch erscheint, wollte ich Musik komponieren, bei der in den Köpfen der Zuhörer ein Film abläuft, ohne dass auch nur ein Bild projiziert wird.» Genau dies gelingt dem 62-jährigen Musikpädagogen sehr gut.

Von Bach direkt in den Jazz-Keller

«Als Musiker pflegte und pflege ich stets alle Musiksparten mit gleicher Liebe», sagt Dominik Wyss. Im Unterricht habe er auf der Violine besinnlich Bach interpretiert, doch gleich danach sei er in den Jazz-Keller hinuntergestiegen, um dort auf der Elektrogeige rockigen Blues zu spielen. Diese echte musikalische Neugier, die ihn bis heute präge, sei in früher Kindheit geweckt worden. «Schon als kleiner Knirps hörte ich andächtig zu, wenn die Choralschola Triengen, in der mein Vater mitsang, in unserer Stube gregorianische Gesänge probte», erzählt er. Zur gleichen Zeit aber habe er sich noch und noch Songs von Elvis Presley angehört. «Das Album hatte Vater an einem Schützenfest gewonnen und mir geschenkt», schmunzelt Wyss.

Die Neugier blieb auch, als er an der Uni Zürich studierte. «Ich habe immer Fragen gestellt», erinnert er sich. Und wie er eines Tages einen Theorielehrer um Privatstunden in Komposition bat, erhielt er jene Antwort, die für ihn später – während seiner nun schon 35-jährigen, erfolgreichen Tätigkeit als Schulmusiker und Lehrer – zum Leitspruch wurde: «Komponieren kann ich Ihnen nicht beibringen, versuchen Sie es einfach, ich sage dann, was gut ist und was nicht.»

Komponieren ist wie Erzählen

«Dieser – meiner bislang längsten – Komposition stelle ich als ‹Prelude› ganz bewusst Bernhard Hermanns berühmte Titelmusik zum Film ‹Taxi Driver› voran», sagt Dominik Wyss. Wie damals der Filmer wolle auch er die deutsche Metropole von morgens früh bis abends spät in musikalischen Bildern malen. Ohne bewegte Bilder aber, und dies, obwohl auch er in Berlin jahrelang mit der Kamera unterwegs gewesen war. «Meine Sinfonie ist für Zuhörer sehr leicht nachvollziehbar», verspricht Wyss. Fast alles, was er bei seinen zahlreichen Besuchen in Berlin erlebt habe, werde in musikalischen Bildern farbig erzählt. Ein Beispiel: «Mich faszinierte, wie sich dort Dinge vermischten, etwa wenn Türken eine völlig deutsche Bäckerei führten, in der ich oft sass.» Die Idee sei, dass Leute merkten, wie sich beim sinnlichen Zuhören auch der Kopf brauchen lasse.

In der Tat: Die technischen und kompositorischen Stilmittel, die Wyss für diese neunteilige Sinfonie von 45 Minuten einsetzt, sind genauso vielsprachig wie die Stadt. «Weder elitär noch billig soll meine Musik sein, viel mehr sinnlich und erfahrbar.» Zuhörer sollten sich etwas vorstellen und es auch miterleben. Indessen: Wer dazu keine Lust habe, könne auch ganz einfach nur dasitzen und zuhören. Letzteres werden in der Kirche wohl nur wenige tun.

Hinweis

Stanser Musiktage: «Night Taxi Berlin Suite» von Dominik Wyss. Uraufführung in der Pfarrkirche am Donnerstag, 12. April, 19 Uhr.

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