NIDWALDEN/LUZERN: Antibabypille erneut unter Verdacht

Eine 32-jährige Frau liegt mit Lungen- und Hirnschäden im Spital - schuld daran könnte eine Antibabypille sein.

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Die junge Frau ist vor etwas mehr als zwei Wochen mit schweren Lungen- und Hirnschäden ins Kantonsspital Nidwalden eingeliefert worden. Die Ärzte überwiesen die Frau wegen ihres kritischen Zustandes relativ rasch ans Kantonsspital Luzern.

Nun hat die Arzneimittelbehörde Swissmedic erste Informationen erhalten, dass es sich bei dem Fall um Nebenwirkungen der Antibabypille handeln könnte. «Bislang handelt es sich erst um eine unbestätigte Verdachtsmeldung», sagte Rudolf Stoller, Leiter der Abteilung Arzneimittelsicherheit bei Swissmedic auf Anfrage. Aufgrund des Patientenschutzes mache Swissmedic generell keine Angaben zu Einzelmeldungen. Man habe noch ungenügende Daten.

Patienteninformation angepasst
Die vorliegende Meldung werde weiter abgeklärt, sagte Stoller am Mittwoch im «Tages-Anzeiger». Es sei aber «gut bekannt», dass unter hormonalen Verhütungsmitteln «seltene, aber schwerwiegende Kreislaufkomplikationen wie Venenthrombosen, Lungenembolien, aber auch arterielle Durchblutungsstörungen vermehrt auftreten können». Nach mehreren publik gewordenen schweren Komplikationen in den vergangenen Jahren habe Swissmedic die Fach- und Patienteninformation diverser Präparate angepasst.

Dritter Fall in 18 Monaten
Im September 2009 war eine junge Nidwaldnerin zehn Monate nach Beginn der Einnahme der Antibabypille an einer Lungenembolie gestorben. Ebenfalls eine Lungenembolie erlitt eine junge Frau im Mai 2009, sie ist seither schwer behindert. Beide Frauen hatten Verhütungspillen der vierten Generation eingenommen. Diese sollen zu einer geringeren Gewichtszunahme als ältere Pillen führen.

Gemäss Recherchen von «10 vor 10» im Juni dieses Jahres sind in den vergangenen Jahren Hunderte von Frauen nach dem Gebrauch von hormonellen Verhütungsmitteln gestorben.

Über den aktuellen Gesundheitszustand der jungen Frau im Kantonsspital Luzern ist derzeit nichts bekannt.

flj.