NIDWALDEN/LUZERN: Flossabenteurer fallen selbst Piloten auf

Diese Woche fuhren auf dem Vierwaldstättersee nicht nur Kursschiffe und gewöhnliche «Böötli». Ehemalige und aktive Pfadileiter erkundeten den See mit einem selbst gebauten Floss. Und wurden zur Attraktion.

Matthias Piazza
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Das Pfadi-Floss fuhr am Mittwoch bei der Nas vorbei. (Bild: PD)

Das Pfadi-Floss fuhr am Mittwoch bei der Nas vorbei. (Bild: PD)

Matthias Piazza

matthias.piazza@nidwaldnerzeitung.ch

Die Konstruktion sticht ins Auge: ein hausbootähnliches Floss, fantasievoll geschmückt. Auf dem Dach ist eine Wasserrutsche montiert. Ein paar junge Leute halten das Floss mit Rudern in Bewegung. Die Besatzung stellen 19 ehemalige und aktive Pfadi­leiter aus Nid- und Obwalden.

Vergangenen Samstag sind sie in Rütenen bei Beckenried in See gestochen. Die Reise auf dem Wasser führte dem Ufer entlang über Buochs, Ennetbürgen und die Nas bis nach Kehrsiten. Tagsüber wurde kräftig gerudert, am Abend legte die Crew irgendwo am Ufer an einem geeigneten Plätzchen an und verbrachte dort die Nacht. Ehrensache, dass dies ganz in Pfadimanier stattfand. «Wir kochten über dem Feuer, übernachteten in einer Hängematte», erzählt Crewmitglied Christian Omlin.

Gerudert wurde im Schichtbetrieb

Wie im «echten» Leben auf See, herrschten auf dem Floss Disziplin und Rituale. Im Schichtbetrieb waren immer sechs Matrosen am Rudern. «Und täglich nahm die ganze Mannschaft am Mittag einen Schluck Seewasser. Wenn so viele Leute tagelang auf engem Raum leben, sind Rituale unerlässlich.» Und eines dieser Rituale wird ebenfalls hochgehalten: «Die Zeit von Ende Juli bis Mitte August, wenn wir mit dem Floss unterwegs sind, gilt in unserer Mannschaft als geburtenfreie Zeit», sagt er mit Augenzwinkern. «Dann ist die Piratenflagge auf unserem Floss gehisst.» Die Tradition Flossfahrt sei vor über 20 Jahren entstanden, soweit er sich erinnern könne. «Der Grundgedanke ist, in einem speziellen, kantonsübergreifenden Pfadilager eine tolle Zeit zu er­leben», erklärt Christian Omlin, der selber schon mehrere Jahre dabei ist. Andere Crewmitglieder stechen teilweise schon seit über zehn Jahren in See. «Jeder bringt sein Wissen ein, sei es als Koch oder als Elektriker.» Das Floss wird von Jahr zu Jahr ausgereifter. «Neue Leute kommen mit frischen Ideen, dieses Jahr gab’s beispielsweise eine Garten­matte», erzählt er.

«Wie eine losgerissene Badeinsel»

Über mangelnde Aufmerksamkeit braucht sich die Crew nicht zu beklagen. «Unser Floss ist wie eine losgerissene Badeinsel. Leute fahren ran, tauschen nette Worte mit uns aus. Selbst die Seepolizei wünschte ‹gut Wind›», erinnert sich Omlin an die Woche auf dem See zurück. In früheren Jahren versorgten die Klosterfrauen des Klosters Kehrsiten die Pfader mit Biberli. Die Flossfahrt sei auch auf vielen Fotos verewigt – auch aus ganz ausser-gewöhn­lichen Perspektiven. «Ein Pilot fotografierte uns von seinem Flugzeug aus. Jetzt ist unsere Flossfahrt gar aus der Vogelper­spektive zu sehen.» Gestern endete die einwöchige Flossfahrt entlang der Ufer des Vierwaldstättersees in Stansstad. Doch die nächstjährige Austragung sei schon so gut wie sicher.