Nidwalden/Uri
Die wildromantische Berglandschaft lockt

Die Freilichtausstellung der Gemeinde Isenthal in Hergiswil macht Lust auf Wandern. Wir fragten Einheimische nach ihren Tipps.

Marion Wannemacher
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Wie heisst es so schön: «Arm, aber glücklich.» Das Bergdorf Isenthal zählt zu den finanzschwächsten Gemeinden der Region. Seit 25 Jahren greifen die Nidwaldner Gemeinde Hergiswil und seit den Siebzigern die Stadt Zug dem Dorf unter die Arme. An Selbstbewusstsein fehlt es den Isenthalern trotzdem nicht. Dies wurde an der Vernissage der aktuellen Freilichtausstellung auf der Rössliwiese in Hergiswil deutlich. Eine Delegation präsentierte ihr Dorf mit Stolz und Charme. 32 Plakate zeigen noch bis 27. Juni die Schönheit der Landschaft rund um die Gemeinde sowie die neue Schweizer Mobilroute 599 der Via Urschweiz.

Freilichtausstellung Isenthal in Hergiswil. Ruedi Bissig, Tourismusdirektor Isenthal, empfiehlt den «Handwärch Weg».

Freilichtausstellung Isenthal in Hergiswil. Ruedi Bissig, Tourismusdirektor Isenthal, empfiehlt den «Handwärch Weg».

Bilder: Marion Wannemacher (Hergiswil, 8. Juni 2021)

Nach Hergiswil war auch Ruedi Bissig gefahren. Der Tourismusdirektor von Isenthal führt das Hotel Urirotstock und hat seine eigenen Erfahrungen mit der Freundschaft beider Gemeinden: «Wir haben viele Gäste aus Hergiswil, Tages- und Übernachtungsgäste. Manche feiern ihre Familienfeste bei uns.»

Begegnung mit «Stüüdäbock» und «Schnätzesel»

Der Isenthaler ist tief verwurzelt mit seinem Dorf. Auf die Frage, welchen Weg die Hergiswiler und Nidwaldner für einen Ausflug wählen sollten, antwortet er prompt: «An sechs Posten zwischen Chäppeli und St.Jakob kann man auf dem ‹Handwärch Weg› traditionelles Handwerk von früher selber ausprobieren.» Es wird gesägt, geknotet und geschindelt. «Saagi», «Stüüdäschäri» und «Stüüdäbock» braucht es, um Äste zu schneiden und zu bündeln. Der «Schnätzesel» ist kein störrischer Vierbeiner, sondern eine Klemmvorrichtung, in der das Holz eingeklemmt und mit dem Zugmesser bearbeitet wird.

«Ich bin selber noch mit dem Grossvater zum Holzen in den Wald gegangen. Aber wer macht das heute noch? Es ist wichtig, die Tradition lebendig zu erhalten», findet der engagierte Tourismusdirektor, der den Weg mit einem mittlerweile verstorbenen Freund realisiert hat. Bissig unterhält ihn, flickt Werkzeug oder schärft es. Er rät, mit Kindern eher vier Stunden einzuplanen. Alle Posten sind mit dem Postauto erreichbar.

Und wohin geht er selber zum Auftanken? «Für mich bietet folgende Wanderung eine der schönsten Aussichten: Am Chimiboden parkieren, auf die Gossalp, übers Waldegg und den Bösenboden runter in den Langenboden und zurück zum Chimiboden.» Ende Juni seien auf dieser Wanderung voraussichtlich Exemplare der geschützten Orchideenart Frauenschuh zu bewundern. Sie dauert rund eineinhalb Stunden.

Freilichtausstellung Isenthal in Hergiswil. Josef Schuler, Kulturkommission Isenthal hat die Ausstellung konzipiert.

Freilichtausstellung Isenthal in Hergiswil. Josef Schuler, Kulturkommission Isenthal hat die Ausstellung konzipiert.

Noch ein Isenthaler begeistert sich für seine Heimat: der ehemalige Lehrer Josef Schuler. Im Gemeinderat ist er für die Kultur zuständig und hat die Freilichtausstellung in Hergiswil massgeblich konzipiert und gestaltet. Als langjähriger Kulturbeauftragter des Kantons Uri fragte auch er sich, wie man Traditionen lebendig erhält und sinnlich erfahrbar macht. Sein Tipp ist der Urner Mundartweg.

Nidwalden meets Uri in der Mundart

Wer in der Weid startet, hat gleich Gelegenheit, den ersten urchigen Mundartausdruck zu lernen und noch eine besondere Erfahrung zu machen: Die Seilbahn Wissig-Furggelen ist nämlich seitwärts offen und folglich ein «Gifi». Über einen Grat geht's über die Scheidegg am Fuss des Oberbauenstocks. Der Blick auf den Vierwaldstättersee und den Talboden ist atemberaubend. Von dort geht es auf die Obere Bärchi und von da wieder mit dem Gifi ins Tal. Und ganz nebenbei lassen sich an verschiedenen Stationen auf Steinen Mundartausdrücken lernen. Mittels QR-Code auf dem Handy gibt es Dialekt-Lieder und -Sagen zu hören. Nidwaldner werden feststellen: «Es gibt viele Dialekteinflüsse vom Nachbarkanton, weil dieser so nah ist.»

Die Freilichtausstellung Isenthal ist noch bis 27. Juni auf der Rössliwiese in Hergiswil zu sehen. Tipps für die Wanderungen: https://isenthal.ch/tourismus/spezielle-wanderungen