Nidwaldner Gärtner unterstützt die Schulen in Ecuador

Stephan Widmer aus Stans hilft in Ecuador mit, die Lebensmittelproduktion an den Schulen zu unterstützen. Für die Kinder dort ist das ganz normaler Schulstoff.

Florian Pfister
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Um Reis zu kaufen, muss man zwei Stunden fahren. In der Schweiz kaum vorstellbar, in einem Grossteil von Ecuador ganz normal. Um dort die Nahrungsmittelproduktion zu fördern, hilft die Schweizer Organisation Cielo Azul, indem sie zusammen mit den Schulkindern Gärten bewirtschaftet. Auch Stephan Widmer aus Stans ist ein Teil davon. Ihm liegen die Einheimischen, aber auch das Gärtnern am Herzen. Er gibt sein Wissen in Ecuador weiter.

Der Stanser Blumen- und Gemüsegärtner Stephan Widmer hilft in Ecuador bei den Schulgärten.

Der Stanser Blumen- und Gemüsegärtner Stephan Widmer hilft in Ecuador bei den Schulgärten.

Bild: PD

In zehn Schulen im Raum Otavalo hilft er mit, dass die Schüler ihr Mittagessen gleich selbst anbauen können. Die Kinder lernen in Ecuador den Zyklus vom Boden präparieren, zum Säen und Pflegen bis hin zum Ernten. «Vom Saatgut bis auf den Mittagstisch», wie Stephan Widmer sagt. «Selber zu produzieren ist günstiger als fertige Nahrungsmittel zu kaufen. Gleichzeitig haben die Kinder eine Beschäftigung», erklärt er.

An den Schulen fehlen Werkzeuge

Für die Schüler in Ecuador ist die Pflege von Gärten nicht neu. «In der Schweiz werden die Schulgärten eher mal eingestampft. Niemand hat Zeit, um sich darum zu kümmern», so Widmer. «In Ecuador oder beispielsweise auch in Kolumbien ist es ein Schulfach und gehört zur Allgemeinbildung.»

Es mangelt vor allem an der nötigen Infrastruktur. «In den Schulen fehlt es beispielsweise an Astscheren und Baumsägen. Bäume wachsen im Urwald Ecuadors oft und schnell, sodass sie teilweise wie Unkraut wuchern. Ohne die entsprechenden Werkzeuge kann man die Pflanzen nicht beseitigen.» Stephan Widmer organisierte für die Schulen die wichtigsten Werkzeuge. «Die Südamerikaner haben das Image, dass sie nicht gerne arbeiten. Mir ist aber aufgefallen, dass sie nicht arbeiten, weil sie die nötige Infrastruktur nicht haben», stellt er fest. «Sobald die Werkzeuge eingetroffen waren, begannen sie fleissig zu arbeiten. Eine Schule hatte keine Spritzkanne. Sie nutzten alte Waschpulverflaschen und schnitten Löcher rein. Eine Spritzkanne kostet zwischen acht und zwölf Franken. Das ist in Ecuador schon sehr viel Geld.»

Lebensmittelpreise sind doppelt so teuer als sonst

Stephan Widmer erklärt, die Wirtschaft laufe am Anschlag und die Schulen seien auf finanzielle Hilfe angewiesen. Trotzdem würden die Einwohner vieles selber machen. «In den Städten gibt es auch Wohlhabende, die ab und zu spenden. Es ist für die Ecuadorianer aber einfacher, in Europa an Geld zu gelangen als im eigenen Land.»

Die Hilfsorganisation Cielo Azul betreibt auch weitere Projekte in Ecuador. So stellt sie Nahrungsmittelpakete zusammen, um die Einwohner in schwierigen Zeiten zu unterstützen. «Sobald Ecuador eine Krise trifft, schnellen die Preise der Lebensmittel nach oben», erklärt Widmer. «Das ist nicht nur wegen des Coronavirus so, auch nach grossen Erdbeben sind die Esswaren bis zu doppelt so teuer als normal.» Eine wirkliche Erklärung dafür hat der Nidwaldner nicht. Inzwischen seien die Frischprodukte teurer geworden als die Konservendosen. Der ansonsten tägliche Gang auf den Gemüsemarkt ist kaum mehr möglich.

Stephan Widmer (rechts) mit einer Lehrerin und Kindern.

Stephan Widmer (rechts) mit einer Lehrerin und Kindern.

Bild: PD

Im Winter soll's wieder nach Ecuador gehen

Vor Ort wird geprüft, auf welche weiteren Arten die Schulen sich selber bewirtschaften können. Zum Beispiel sollen Hühner angeschafft werden, um Eier zu erhalten. Auch die Zucht von Meerschweinchen steht im Raum. «Die Einwohner wollen das schon lange. Nur das nötige Geld fehlt», erklärt Stephan Widmer.

Der Nidwaldner Gärtner war von Januar bis März in Ecuador und half tatkräftig mit. Momentan geht er seiner Arbeit in Nidwalden nach. Der gelernte Gemüse- und Blumengärtner kümmert sich unter anderem um die Blumenfelder in Wolfenschiessen beim Schützenhaus und beim Chabisstei im St. Jakob. Er hilft den Projekten in Ecuador derweil im Hintergrund und sammelt Spenden. Er plant, im November wieder nach Südamerika zu fliegen und bis im März zu bleiben. «Mit dem gesammelten Geld kann ich Dinge kaufen, um die Schulen gleich vor Ort zu unterstützen. Da ich im Winter keine Eisblumen kultivieren kann, habe ich so meine Erfüllung gefunden.»

Das Projekt kann unter www.cieloazul.ch unterstützt werden.

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