Nidwaldner Gemeinden wollen Blechlawine stoppen

Nach Hergiswil sind jetzt auch zwei Dosieranlagen in Stansstad in Betrieb – bis 2021 wird das System getestet.

Philipp Unterschütz
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Noch ist sie kaum gefragt: die neue Dosieranlage in Stansstad.

Noch ist sie kaum gefragt: die neue Dosieranlage in Stansstad.

Bild: Philipp Unterschütz (27. April 2020)

Die Blechlawine nahm im vergangenen Sommer in Nidwalden einige Male derartige Ausmasse an, dass sie von der Autobahn bis in die geplagten Dörfer quoll und diese komplett verstopfte. Der Ferien- und Ausflugsverkehr an den Wochenenden in Kombination mit der Grossbaustelle auf der Autobahn bei Hergiswil und der Sperrung der Axenstrasse brachten das Verkehrssystem, das aufgrund des Rückreise- und Ausflugsverkehrs ohnehin nahe an der Kapazitätsgrenze funktionierte, etliche Male zum Kollaps. Auf der Autobahn und insbesondere in Hergiswil und Stansstad kam es innerorts zu stehenden Kolonnen.

Im November 2019 beschloss die zur Problembewältigung eingesetzte Taskforce «Verkehrssituation Nidwalden» erste Massnahmen, die bei Staus auf der Autobahn A2 kurzfristig umgesetzt werden können. Dazu zählten auch Dosierungsanlagen mit Ampeln bei Knotenpunkten auf den Kantonsstrassen. In der Taskforce wurde auch beschlossen, dass die temporären Dosieranlagen bei den Autobahnausfahrten in Absprache mit dem Bundesamt für Strassen (ASTRA) wieder installiert werden.

So funktionieren die Dosieranlagen

Plangemäss wurden kurz vor Ostern in Stansstad fest installierte, provisorische Dosierungsanlagen in Betrieb genommen: auf der südlichen Dorfzufahrt der Stanserstrasse vor dem Kreisel Feldstrasse sowie bei der Zufahrt von der Lopperstrasse vor dem Kreisel Acheregg.

Bei Bedarf halten die beiden Dosierungsanlagen den Ausweichverkehr zurück und dienen dem Staumanagement. Die beiden Anlagen zählen jeweils das Verkehrsaufkommen an ihrer Position und tauschen die Daten über Mobilfunk miteinander aus. Im Drei-Minuten-Intervall werden die erfassten Fahrzeuge vom lokalen Steuerungsrechner der Dosieranlage auf Stundenbelastungen hochgerechnet.

Die beiden bisherigen Dosieranlagen in Hergiswil begrenzen den Verkehr auf der Seestrasse in Richtung Luzern auf rund 800 Fahrzeuge pro Stunde. Bei viel Ausweichverkehr führt dies rasch zu einer Staubildung bis zum Lopperviadukt. Um in diesem Fall eine Überstauung des Kreisels Acheregg und von dort weiter ins Zentrum von Stansstad zu verhindern, wird der Verkehr an den beiden neuen Dosieranlagen in Stansstad so gedrosselt, dass bei Aktivierung der stärksten Dosierstufe nicht mehr als 900 Fahrzeuge pro Stunde auf die Seestrasse gelangen können.

Ein Dosierbetrieb mit Rotschaltungen wird erst aktiviert, wenn eine Frequentierung in Richtung Luzern von insgesamt 700 Fahrzeugen pro Stunde hochgerechnet wird. In diesem Fall wird zuerst die niedrigste von drei Dosierstufen aktiviert, in welcher der Verkehr jeweils nur kurzzeitig vor der Ampel angehalten wird, damit sich noch kein Stau aufbaut. Nimmt die Verkehrsbelastung jedoch weiter zu, wird in die nächst höhere Dosierstufe mit längeren Rotphasen gewechselt. Erst in der höchsten Dosierstufe beginnen sich dann die Fahrzeuge auf der Stanser- und Lopperstrasse aufzustauen.

Die neuen Dosieranlagen in Stansstad sind mit jenen in Hergiswil verbunden. Die Aktivierung der Dosierung in Hergiswil wird an die Dosieranlagen in Stansstad weitergeleitet, damit alle Anlagen abgestimmt sind und «vorausschauend» reagieren können. Die Anlagen in Hergiswil sind seit Juli 2019 in Betrieb. Sie wurden wegen der Grossbaustelle auf der Autobahn vom Bundesamt für Strassen (ASTRA) errichtet. Die beiden Anlagen auf der Seestrasse und der Autobahnausfahrt Bahnhofstrasse sind noch bis Ende 2021 in Betrieb.

Gemeindepräsident ist überzeugt vom System

Der Stansstader Gemeindepräsident Beat Plüss, der sich in der Taskforce vehement für die Einführung der Dosieranlagen eingesetzt hat, freut sich, dass man nun bereit ist, dem Ausweichverkehr zu begegnen, der irgendwann wieder anrollen werde. «Es ist wirklich wichtig für unser Dorf, dass wir vom Durchgangsverkehr entlastet werden. Weil man nun an den Dorfeingängen länger warten muss, hoffen wir, dass die Leute auf der Autobahn bleiben. Ich bin überzeugt, dass das System für uns funktioniert.» Auch für die Postautoverbindung von Obbürgen sei es eine nötige Massnahme, weil das Postauto jeweils im Stau stecken geblieben sei und die Fahrgäste dann die Anschlüsse der Zentralbahn verpasst hätten.

Regierung wird 2021 über Definitivum entscheiden

Der erste richtige Härtetest, den man für Ostern erwartet hatte, fiel wegen des coronabedingten Ausbleibens des Ausflugsverkehrs aus. «Das System hat sich aber am Wochenende vom 18./19. April jeweils an den Nachmittagen für je rund 45 Minuten eingeschaltet», sagt Stephanie von Samson, Leiterin des kantonalen Amtes für Mobilität. Man sei darauf mit der Kantonspolizei übereingekommen, die Schwellenwerte noch etwas hinaufzusetzen, damit die Anlagen erst bei höheren Frequenzen einschalten.

Es geht nun auch darum, mit den Dosieranlagen bis 2021 Erfahrungen und Entscheidungsgrundlagen zu sammeln. Von April bis mindestens November 2020 läuft deshalb ein Monitoring mit Verkehrszählung. «Wir wollen wissen, wie oft die Anlagen aktiv werden und ob sich die Dosierung bewährt», sagt Stephanie von Samson. «Bei erfolgreichem Einsatz müsste dann die Regierung über einen dauerhaften Einsatz entscheiden.» Da man heute aber nicht wisse, wie sich die Verkehrslage angesichts der Coronapandemie entwickle, sei es wahrscheinlich, dass das Monitoring bis 2021 verlängert werde, zumal die Miete der Dosieranlagen ohnehin bis 2021 vorgesehen war.

Nidwalden kämpft mit Sackgassen und Verboten gegen Stau

Die Arbeitsgruppe «Verkehrssituation Nidwalden» hat ein Verkehrslenkungskonzept erarbeitet, mit dem die Gemeinden Hergiswil, Stansstad und Stans künftig vom Ausweichverkehr von der Autobahn A2 entlastet werden sollen. Es sieht etwa Dosieranlagen und Fahrverbote vor.
Martin Uebelhart