Interview

Nidwaldner Gesundheitsdirektorin: «Eine Ausgangssperre wäre extrem schädlich für die Wirtschaft»

Michèle Blöchliger sagt, die Massnahmen des Bundesrates zeigten Wirkung.

Franziska Herger
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«Die Lage ist ernst» – mit diesem dringenden Appell richtete sich die Nidwaldner Regierung am Wochenende an die Bevölkerung. Gesundheitsdirektorin Michèle Blöchliger sagt, warum der Aufruf, die Krise nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, nötig war.

Was hat die Regierung zu dem offenen Brief veranlasst?

Michèle Blöchliger: Der Bundesrat ist für viele Nidwaldner weit weg. Wir wollten uns nach den neuen Weisungen vom Freitag persönlich an die Bürgerinnen und Bürger wenden und sie bitten, die Massnahmen im Sinne aller unbedingt zu befolgen.

Hat sich die Nidwaldner Bevölkerung denn speziell schlecht daran gehalten?

Nein. Man hat in der letzten Woche in Nidwalden wie in allen Kantonen gesehen, dass nach wie vor viele ältere Personen unterwegs sind und Jüngere sich nicht an die Abstandsregeln halten. Der neueste Lagebericht der Nidwaldner Kantonspolizei zeigt nun, dass mit dem seit Freitag geltenden Versammlungsverbot für mehr als fünf Personen eine deutliche Verbesserung eingetreten ist. Mit bisher 36 Fällen bewegt sich auch die Ansteckungsrate im gleichen Rahmen wie in anderen Kantonen.

Hätte sich die Regierung ein härteres Durchgreifen des Bundes, etwa eine Ausgangssperre, gewünscht?

Eine Ausgangssperre wollen wir mit allen Mitteln vermeiden, daher auch der Aufruf, die jetzt geltenden Massnahmen wirklich einzuhalten. Eine Sperre wäre extrem schädlich für die Wirtschaft. Auch der psychische Druck auf die Bevölkerung würde noch zunehmen. Schon jetzt ist klar, dass es bei Eltern im Home-Office und drei kleinen Kindern in einer Dreizimmerwohnung zu eng wird. Bestanden schon zuvor Probleme, können solche Familiensituationen eskalieren.

Ältere Leute sollen zu Hause bleiben. Wo finden sie Hilfe, wenn keine Kinder oder Nachbarn zur Stelle sind?

Neben der Lieferservice-Plattform des Gewerbes gibt es etwa auch die Facebook-Gruppe «Nidwaldner helfen Nidwaldnern» mit schon über 1000 Einträgen. Ältere Leute können zudem jederzeit bei Pro Senectute anrufen, und die ganze Bevölkerung auf der Helpline des Kantons. 

Pro Senectute: 0416107609; Kantons-Helpline: 0416184334