Nidwaldner Goldfirma soll Misswirtschaft betrieben haben – es geht um 150 Millionen

Seit einem Jahr läuft das Konkursverfahren gegen die Buochser SBC Group AG. Aufgrund einer Strafanzeige ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Ex-Firmenchef.

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(mu) Die Swiss Bullion Company, Teil der SBC Group AG mit Sitz in Buochs, wollte in Mali einen fairen Goldhandel betreiben. Daraus scheint nichts geworden zu sein. Im Oktober 2019 verhängte das Kantonsgericht Nidwalden den Konkurs über die Firma, wie die «NZZ am Sonntag» in ihrer jüngsten Ausgabe schreibt. Im vergangenen März habe die Staatsanwaltschaft Nidwalden ein Strafverfahren gegen den Ex-Chef der Firma eingereicht. Laut dem Nidwaldner Oberstaatsanwalt André Wolf sei dies aufgrund einer Strafanzeige geschehen. Das Verfahren laufe wegen des Verdachts auf Misswirtschaft und Urkundenfälschung, liess die Staatsanwaltschaft das Blatt wissen. Für den Beschuldigten gelte die Unschuldsvermutung.

Gelder wurden Anlegern nie ausbezahlt

Weitere Informationen zum Fall konnte die «NZZ am Sonntag» nicht in Erfahrung bringen. Laut einer sehr gut informierten Person hätten Anleger rund 130 Millionen Franken in die SBC Group gesteckt. Sichere Anlagen und hohe Renditen seien ihnen in Aussicht gestellt worden. Bis heute sollen diese rund 20 Millionen betragen, die Gelder seien den Anlegern aber nie ausbezahlt worden. Die mutmassliche Schadens- und Deliktsumme dürfte sich auf 150 Millionen Franken belaufen, zitiert die Zeitung die erwähnte Person weiter.

2017 gewährte der Firmenchef der Swiss Bullion Company der «Nidwaldner Zeitung» einen Einblick in das Unternehmen. Er wolle beim Gold fairen Handel mit den Einheimischen, liess er damals verlauten. Möglichst viel von der Wertschöpfung sollte im Land bleiben. Zu diesem Zeitpunkt gehörten zur Firma nach seinen Angaben Niederlassungen in Hongkong, Dubai und Südafrika sowie zwei Raffinerien in Italien und Mali. Weltweit seien rund 180 Personen beschäftigt.

Depot in der Schweiz gewünscht

Es waren nicht steuerliche Gründe, dass der Hauptsitz der Firma vor Jahren in den Kanton Nidwalden gekommen sei, sondern die Umgebung, gab der Firmengründer an. Er sei einmal aus geschäftlichen Gründen für einige Tage in Nidwalden gewesen. Da habe er sich entschlossen, im Kanton zu wohnen und zu arbeiten. Begrüsst hätte er auch die damals viel diskutierte Weiterentwicklung des Flugplatzes in Buochs. «Wenn wir ihn nützen könnten, würden wir uns sogar eine Verlegung unseres internationalen Golddepots von Dubai überlegen. Ich hätte dieses lieber hier in der Schweiz», zitierte ihn die «Nidwaldner Zeitung» vor drei Jahren.