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Nidwaldner Hausdächer werden zu Stromkraftwerken

Das neue Energiegesetz, das voraussichtlich 2020 in Kraft treten wird, hat direkte Auswirkungen auf die Hausbesitzer – positive. Davon ist Herbert Weingartner von der Energiefachstelle überzeugt.
Eine Solaranlage auf einem Stanser Hausdach. (Bild: Corinne Glanzmann)

Eine Solaranlage auf einem Stanser Hausdach. (Bild: Corinne Glanzmann)

«5,8 Tonnen Treibhausgase, davon 4,7 Tonnen CO2, produziert jeder Schweizer pro Jahr und das ohne Anrechnung des Flugverkehrs. Zählt man den ausländischen Ausstoss von importierten Produkten dazu, kommt man auf rund 14 Tonnen», hält Herbert Weingartner, Leiter der Energiefachstelle Nidwalden, fest. «Das ist deutlich über dem weltweiten Durchschnitt und beschert uns einen Spitzenplatz.» Wolle man die 2017 angenommene nationale Energiestrategie umsetzen, müsse der CO2-Ausstoss auf eine Tonne pro Einwohner begrenzt werden.

Der Kanton Nidwalden nimmt bei seinem Energiegesetz, das auf den Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich und der Energiestrategie 2050 basiert und voraussichtlich am 1. Januar 2020 in Kraft tritt, auch die Hauseigentümer in die Pflicht, um dieses Ziel zu erreichen. Herbert Weingartner macht keinen Hehl daraus, dass diese um gewisse Investitionen nicht herumkommen. So muss bei Neubauten pro Quadratmeter Wohnfläche 10 Watt Strom sozusagen vom eigenen Dach produziert werden, in der Regel durch eine Solaranlage. Alternativ kann der Hausbesitzer auch eine Ersatzabgabe von 1000 Franken pro Kilowatt bezahlen.

Bei bestehenden Bauten müssen zentrale Elektroheizungen saniert werden, neue sind nicht zulässig. Auch elektrische Fussbodenheizungen und Infrarotheizungen sind künftig nicht mehr erlaubt, bei bestehenden besteht allerdings keine Sanierungspflicht. Zentrale Elektro-Wassererwärmer (Boiler), die Strom direkt in Wärme umwandeln und etwa vier Prozent des aktuellen schweizerischen Stromkonsums ausmachen, sind ebenfalls nicht mehr zulässig und müssen innerhalb von 15 Jahren saniert werden.

Nicht noch schnell die Ölheizung ersetzen

Wer weiterhin mit Öl heizen will und eine bestehende Ölheizung durch eine neue ersetzt, muss dafür eine Bewilligung bei der Gemeinde einholen. Je nach Energieeffizienz des Gebäudes werden weitere Massnahmen als eine Art Kompensation verlangt, zum Beispiel Ersatz der Fenster, Wärmedämmung der Fassade und/oder des Daches oder kontrollierte Wohnungslüftung. «Das Dümmste wäre, noch schnell vor Inkrafttreten des Gesetzes eine Ölheizung zu ersetzen, welche noch mehrere Jahre ihren Dienst tun würde. Dies wäre ökologisch und wirtschaftlich nicht sinnvoll», hält Herbert Weingartner fest.

Der Leiter der Energiefachstelle ist überzeugt, dass mit dem neuen Energiegesetz die Rechnung nicht nur ökologisch, sondern auch finanziell aufgeht. «Der Kanton unterstützt energiesparende Massnahmen an Gebäuden weiterhin mit jährlich rund einer Million Franken. Das löst Investitionen von rund fünf bis sechs Millionen Franken aus, welche zum grössten Teil dem Gewerbe im Kanton zugutekommen.»

Im Vorfeld der nationalen Abstimmung zur Energiestrategie häufig gehörte Aussagen, dass hohe Investitionen auf Liegenschaftsbesitzer zukämen und die Mietzinsen in die Höhe schnellten, bezeichnet Herbert Weingartner als Ammenmärchen. «Das ist ganz klar nicht der Fall. Wer an seinem 80-jährigen Haus nie etwas gemacht hat, muss wohl Geld in die Sanierung stecken. Dafür sinken die Unterhaltskosten, beispielsweise fürs Heizen, massiv, dank besserer Wärmedämmung.»

Gut fürs Portemonnaie und die Umwelt

Der Hausbesitzer lege sein Geld so sinnvoll an, seine Liegenschaft gewinne an Wert und er tue erst noch etwas für die Umwelt. «Und die Mieter können sich auf hochqualitative Gebäude freuen», hält Herbert Weingartner fest. Er würde sogar noch weiter gehen: «Ein Mieter, der in einem Haus mit Ölheizung wohnt, hat das Risiko und muss damit rechnen, dass seine Nebenkosten in den kommenden Jahren massiv steigen, wenn der Ölpreis weiter nach oben schnellt, beziehungsweise die CO2-Abgabe weiterhin kontinuierlich steigen wird.»

An der Fachmesse «Haus und Energie Nidwalden» am 24. und 25. Januar 2019 (ab 16.30 Uhr) geben Fachleute wie Herbert Weingartner Auskunft über energieeffizientes und nachhaltiges Bauen und Sanieren. Berufsfachschule Nidwalden, Robert-Durrer-Strasse 4, Stans, www.haus-energie-nw.ch

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