Interview

Nidwaldner Kantonsarzt Peter Gürber: «Ältere Leute sollten sich die Einkäufe nach Hause bringen lassen»

Der Nidwaldner Kantonsarzt Peter Gürber stellt den Nidwaldnern in Sachen Coronapandemie ein gutes Zeugnis aus. Gewisse Phänomene machen ihm jedoch Sorgen.

Interview: Matthias Piazza
Drucken
Teilen
Der Nidwaldner Kantonsarzt Peter Gürber.

Der Nidwaldner Kantonsarzt Peter Gürber. 

Bild: PD

Wie sieht die Situation zur Coronapandemie im Kanton Nidwalden aktuell aus?

Peter Gürber: Die Situation ist im Moment stabil. Das Kantonsspital Nidwalden hat noch freie Kapazitäten. Von den 104 positiv getesteten Personen sind 4 derzeit hospitalisiert, davon 2 auf der Intensivstation *. Leider ist inzwischen der erste Todesfall in Nidwalden zu beklagen. Tröpfchenweise kommen allerdings noch immer täglich positiv getestete Fälle dazu. Festzustellen ist, dass sowohl das Spital als auch die Hausärzte einen deutlichen Rückgang an Notfällen verzeichnen, die nichts mit Corona zu tun haben. Wenn ein Schlaganfall oder ein Herzinfarkt nicht rechtzeitig behandelt wird, kann sich das verheerend auswirken. Ebenso, wenn beispielsweise Krebspatienten ihre Therapie hinauszögern oder unterbrechen. Hier hat die Bevölkerung mutmasslich den falschen Reflex, das Gesundheitssystem nicht überlasten zu wollen. Deshalb appellieren wir, bei einem medizinischen Problem rechtzeitig den Hausarzt oder das Spital zu kontaktieren. Die Ressourcen dafür sind vorhanden.  

Welches Zeugnis geben Sie den Nidwaldnern ab, was die Einhaltung der Regeln betrifft, sprich, wenn möglich zu Hause zu bleiben und mindestens zwei Meter Abstand zu anderen Menschen einzuhalten?

Ein gutes. Ich habe den Eindruck, dass sich die Nidwaldner im Allgemeinen sehr diszipliniert an die Verhaltensregeln des Bundes halten. Etwas Sorgen macht mir, dass viele ältere Leute einkaufen. Sie gehören zur Risikogruppe und sollten sich darum nicht in einem Laden aufhalten, sondern sich die Einkäufe nach Hause bringen lassen.

Wie stehen Sie zum Tragen von Gesichtsmasken?

Es ist nicht erwiesen, dass die Maske einen Gesunden vor Ansteckung schützt. Darum sollen Gesunde keine Masken tragen, zumal diese auch nicht im Überfluss vorhanden respektive verfügbar sind. Und Kranke, für die eine Maske noch am ehesten Sinn machen würde, um nicht andere anzustecken, sollten sowieso zu Hause bleiben, sich in Quarantäne begeben und keinen direkten Kontakt zu anderen Personen im Haushalt haben.

Was raten Sie jemandem, der coronaspezifische Symptome hat, wie Geruchssinnstörungen, Husten oder Rachenschmerzen?

Er soll sich telefonisch beim Hausarzt melden, um abzuklären, ob eine medizinische Behandlung notwendig ist. Wenn nicht, soll er zehn Tage in Selbstisolation verbringen und danach frühestens nach zwei Tagen ohne Symptome wieder die Wohnung verlassen. Bei entsprechenden Symptomen darf man von Corona ausgehen. Eine Grippe würde zwar ähnliche Symptome aufweisen, aber die Grippesaison ist am Abklingen. Natürlich gilt die Quarantäne auch für Personen im selben Haushalt. Mit Coronatests kann man gemäss Studien nur in 62 Prozent der Fälle erkennen, dass die Person am Coronavirus erkrankt ist. So könnte es passieren, dass sich ein Infizierter wegen des negativen Testergebnisses in falscher Sicherheit wiegt und andere Leute ansteckt. Deshalb müssen Patienten mit Zeichen eines Infektes der Atemwege auch mit negativem Coronatest zehn Tage in Selbstisolation gehen.

Spüren Sie nach fast vier Wochen Notstand mit den vielen Einschränkungen schon gewisse Ermüdungserscheinungen in der Bevölkerung?

Bis jetzt nicht, aber die Leute sehnen sich schon die Rückkehr der Normalität herbei. Je besser sich alle an die Verhaltensvorschriften halten, desto eher ist ein Ende der ausserordentlichen Lage in Sicht.

Mit welcher Entwicklung rechnen Sie in Nidwalden?

Die weitere Entwicklung ist schwierig voraussehbar. Bisher war die Zahl der Neuansteckungen relativ konstant. Sie war nie exponentiell und in jüngster Zeit ist sie gar etwas zurückgegangen, was positiv stimmt, aber noch keine gesicherten Rückschlüsse auf den weiteren Verlauf zulässt.

Peter Gürber (60) ist seit zwölf Jahren Kantonsarzt in Nidwalden. Er führt eine Hausarztpraxis in Ennetbürgen. *Stand der Daten: 13. April, 9.00 Uhr.