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Nidwaldner Künstlerin treibt freches Spiel mit bekannten Werken

Carmen Annen Bonati malt schöne Frauen, farbig und flirrend. Doch der Schein trügt: Ihre Bilder bestehen oftmals aus Hunderten geschnittenen und aufgeleimten Farbstreifen
Romano Cuonz
Die Künstlerin Carmen Annen Bonati mit einem ihrer Werke. (Bild: Romano Cuonz, Stansstad, 23. März 2019)

Die Künstlerin Carmen Annen Bonati mit einem ihrer Werke. (Bild: Romano Cuonz, Stansstad, 23. März 2019)

Da steht sie in der Sust vor einem ihrer Bilder: die Künstlerin Carmen Annen Bonati. Ihre Augen blitzen unter einem kecken schwarzen Cocktailhütchen hervor. Sein oder Schein? Diese Frage stellt die aus Root stammende Nidwaldner Künstlerin sich und auch dem Besucher in über hundert Werken stets von neuem. Selbst die Titel ihrer Arbeiten sind oft trügerisch: «La Donna è Mobile», «Trügerischer Blick» oder «Eine Donna verrückt».

Carmen Annen treibt nämlich ein ebenso freches wie fantastisches Spiel mit bekannten Künstlern und ihren Werken. Dies, indem sie berühmte Frauenporträts – etwa von Kandinsky, Picasso, Warhol oder Jawlensky – hervorholt, bewegt und verschiebt, aus ihnen eigentlich neue Bilder kombiniert. Bilder, die den Besucher erst einmal verwirren, nur um seine Neugier einige Augenblicke später neu herauszufordern. Hat denn Warhols Marilyn Monroe eine neue Identität angenommen? Sind Picassos Frauen noch viel verrückter als im Original?

Streifentechnik verleiht räumliche Tiefe

Eigentlich verhält Carmen Annen sich in ihrer Kunst genau wie jene Frauen, über die sich der Tenor in Verdis Oper Rigoletto virtuos und bitter beklagt: «O, wie so trügerisch sind Weiberherzen, mögen sie klagen oder scherzen!» Diese Arie war an der Vernissage in voller Länge zu hören. Auch Carmen Annen versteht sich, wenn sie in ihrem Atelier tage- und wohl oft nächtelang arbeitet, als Opernregisseurin. Dies, indem sie bekannten Werken durch ihre eigene Inszenierung ein ganz neues Gesicht und Gewicht verleiht.

Redner Herbert Gnos beschrieb an der Vernissage das grosse Können der Künstlerin. Das Können, von dem das Wort Kunst ursprünglich – und bei Carmen Annen besonders eindrucksvoll – kommt. Gnos dazu: «Sie schneidet Leinwandfragmente, die sie zuvor intensiv bemalt hat, zu Hunderten feinster Streifen. Eine zweite Leinwand im Format des fertigen Bildes bemalt sie in leuchtenden Farben. Und dann klebt sie darauf Streifen an Streifen, waagrecht, senkrecht, in Quadraten oder Rechtecken, in Spitzform oder netzartigen Konstruktionen.»

Nicht nur weiten, ja fast unendlichen Raum verleiht diese Technik Carmen Annens Bildern. Bilder und Objekte mit intensiver Leuchtkraft und doch beinahe luftiger Schwerelosigkeit sind es. Besonders fesselnd sind auch die vernetzt geknüpften Werke auf Leinen: Bildskulpturen, die frei an der Wand atmen und einem mit ihrem Schattenspiel doch wie lebendige Objekte entgegentreten. Von dieser dreidimensionalen Technik ist Carmen Annen inzwischen etwas abgekommen. Leider, möchte man sagen!

Zeitungsfragmente werden zu Kunst

Einen Schwerpunkt setzt Carmen Annen im Dachstock mit Collagen, die nicht aus Textil-, sondern aus Papierstreifen bestehen und auf einen hölzernen Hintergrund geklebt wurden. Streifen mit Textstellen und Fotos aus Zeitungen werden zu Bildern zusammengefügt. Zu faszinierend vielfältigen, oftmals geradezu witzigen Pumps etwa. Wenn man nun die ausgewählten Sätze und Wörter auch noch genauer anschaut, seine Schlüsse und Folgerungen daraus zu ziehen beginnt, wird man vom Titel der Ausstellung, dem sich die Künstlerin ganz und gar verpflichtet, kaum mehr wegkommen: La donna è mobile!

Die Ausstellung in der Sust am Dorfplatz Stansstad dauert noch bis am 14. April. Donnerstag 17 bis 19 Uhr, Samstag 14 bis 17 Uhr und Sonntag 11 bis 17 Uhr.

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