Nidwaldner Landräte wollen Stanser Einbahn-Test begraben

Der gescheiterte Einbahn-Versuch in Stans bewegt auch kantonale Politiker. Drei SVP-Landräte stellen der Regierung kritische Fragen.

Matthias Piazza
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Auch auf der Stansstaderstrasse staute sich der Verkehr während des Einbahn-Versuchs. (Bild: Matthias Piazza, Stans, 8. August 2019)

Auch auf der Stansstaderstrasse staute sich der Verkehr während des Einbahn-Versuchs. (Bild: Matthias Piazza, Stans, 8. August 2019)

Ein Jahr lang hätte der Versuch eines Einbahnbetriebes für Autos auf der Robert-Durrer- und der Stansstaderstrasse in Stans laufen sollen. Nachdem bereits der erste Versuchstag am 8. August bis weit über Stans hinaus in einem totalen Verkehrschaos geendet hatte, stoppte der Stanser Gemeinderat den Versuch schon einen Tag später. Nicht nur der private Verkehr kam beim Versuch zum Erliegen, auch die Postautos hatten teilweise eine Stunde Verspätung. In den sozialen Medien häuften sich die kritischen Kommentare.

Nun schaltet sich auch die kantonale Politik ein. In einer dringlichen Interpellation verlangen die drei SVP-Landräte Roland Blättler (Kehrsiten), Walter Odermatt (Stans) und Markus Walker (Ennetmoos) eine regierungsrätliche Einschätzung der Verkehrssituation vom 8. August mit dem daraus entstandenen volkswirtschaftlichen Schaden. Insbesondere soll der Regierungsrat klären, ob er den definitiven Abbruch des Versuchs erzwingen kann. Dies, obwohl die Stanser an der Gemeindeversammlung einen Kredit über 125 000 Franken für einen einjährigen Versuch genehmigt hatten.

SVP-Landrat findet «einmischen» legitim

«Wir respektieren die Gemeindeautonomie und den demokratischen Entscheid der Stanser», hält Roland Blättler auf Anfrage fest. Er wolle auch keine juristische Diskussion darüber lancieren, ob die Gemeinde in Eigenregie einen solchen Versuch machen dürfe. Schliesslich sei ja die Robert-Durrer-Strasse eine Gemeindestrasse.

Trotzdem fühle er sich mit seinen beiden Fraktionskollegen dazu legitimiert, sich «einzumischen», nicht nur, weil auch Kantonsstrassen direkt oder indirekt beim Versuch involviert seien. «Das durch den Einbahn-Versuch ausgelöste Verkehrschaos wirkte sich auf das Strassennetz im ganzen Kanton Nidwalden aus. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn in dieser Zeit noch Blaulicht-Organisationen wie die Feuerwehr oder der Rettungsdienst hätten ausrücken müssen.» Die Zeit für weitere Verkehrsexperimente auf kommunaler Ebene sei abgelaufen. «Die Verkehrsprobleme im Grossraum Stans können die Gemeinden nur zusammen mit dem Kanton lösen», begründet Blättler die Interpellation.

Antworten auf weitere Verkehrsprojekte gefordert

In diesem Zusammenhang wollen die Landräte mit dem Vorstoss auch Antworten vom Regierungsrat über den Stand der verschiedenen kantonalen Verkehrsprojekte im Grossraum Stans. «Die Bevölkerung erwartet von der Politik, dass sie die Verkehrsprobleme an die Hand nimmt», so Blättler.

Angesprochen wird in der Interpellation die Verkehrsplanung im Gebiet Kreuzstrasse, wofür der Landrat im vergangenen Mai einen Kredit von 220000 Franken genehmigte. Baudirektor Josef Niederberger stellte an der damaligen Landratssitzung Resultate innert eines Jahres in Aussicht. Es seien viele Fragen zu beantworten. Wegen der Autobahn in der Nähe gebe es auch Berührungspunkte mit dem Bundesamt für Strassen, gab er zu bedenken.

Auch mit Umfahrung Stans West harzt es

Brennend interessiert die Interpellanten auch die Frage, wann der Landrat über den Kredit für die Umfahrung Stans West abstimmen kann. Dabei soll ein rund ein Kilometer langer Kantonsstrassenabschnitt Stans vom Verkehr entlasten. Er beginnt mit einem Kreisel an der Rotzlochstrasse bei der Gerbibrücke und führt dann parallel zum Trassee der Zentralbahn bis zu einem zweiten Kreisel bei der Ennetmooserstrasse im Gebiet Fuhr. Das Projekt geriet ins Stocken.

Denn Gemeinderat und Genossenkorporation Stans, ein privater Grundeigentümer sowie der VCS erhoben Einsprache. Der Gemeinderat kritisierte etwa, dass die Kosten von 15 Millionen in keinem Verhältnis zur geringen Entlastungswirkung stünden. Der VCS bemängelte den beträchtlichen Landverschleiss, und dass die Strecke für Velofahrer und Fussgänger uninteressant sei.

Anfang dieses Jahres stellte die Baudirektion in Aussicht, dass der Landrat noch diesen Sommer über eine allenfalls angepasste Variante abstimmen könne. Dies ist nicht passiert. «Wir haben seither nichts gehört. Das Geschäft ist auch noch nicht in den Kommissionen behandelt worden», weiss Markus Walker, der selber der Kommission für Bau, Planung, Landwirtschaft und Umwelt (BUL) angehört.

Roland Blättler ist zuversichtlich, dass der Landrat die Interpellation an seiner nächsten Sitzung vom 25. September als dringlich überweist. «Auch anderen Fraktionen liegen die Verkehrsprobleme auf dem Magen, die man in den Griff bekommt, wenn man die angedachten Projekte zügig umsetzt.»

Die zuständige Stanser Gemeinderätin Sarah Odermatt wollte sich zum Inhalt der Interpellation noch nicht äussern.

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