Nidwaldner Maturanden werden schriftlich geprüft

Der Kanton Nidwalden orientiert sich am Vorgehen der Zentralschweizer Kantone. Die Gewichtung der Noten wird angepasst.

Martin Uebelhart
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Das Kollegium St.Fidelis in Stans.

Das Kollegium St.Fidelis in Stans.

Bild: Matthias Piazza

Trotz Coronapandemie wird das Schuljahr 2019/20 als vollwertiges Schuljahr anerkannt. Nun hat der Nidwaldner Regierungsrat die Übertrittsbestimmungen auf den verschiedenen Bildungsstufen geregelt. Was die Maturität angeht, hält sich der Regierungsrat laut einer Medienmitteilung an die Empfehlung der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK). Er verzichtet auf die Durchführung der mündlichen Prüfungen und hält an der schriftlichen Prüfung fest.

«Wir sind der Auffassung, dass die Abstands- und Hygienevorschriften angesichts der räumlichen Voraussetzungen am Kollegium in Stans problemlos eingehalten werden können», wird Bildungsdirektor Res Schmid in der Mitteilung zitiert. Damit die schriftlichen Prüfungsresultate nicht überproportional zählen, sieht der Regierungsrat eine Anpassung bei der Gewichtung der Noten vor. So würden die Zeugnisnoten des letzten Schuljahres zu zwei Dritteln und die schriftliche Maturitätsprüfung zu einem Drittel in die Gesamtbeurteilung einfliessen, hält er in der Mitteilung fest.

Prüfungstermin wird verschoben

Aufgrund des situationsbedingten, kurzfristigen Entscheids und um den Maturandinnen und Maturanden bei den Prüfungsvorbereitungen unter diesen ausserordentlichen Voraussetzungen entgegenzukommen, werde der Prüfungstermin um rund drei Wochen nach hinten verlegt. «Die Prüfungen werden Ende Monat stattfinden», sagt Res Schmid im Gespräch mit unsrer Zeitung. Nach der Empfehlung der EDK hätten sich die Zentralschweizer Erziehungsdirektoren auf ein gemeinsames Vorgehen verständigt, so der Bildungsdirektor weiter.

«Für mich persönlich war immer klar, dass die schriftlichen Prüfungen abgehalten werden», hält Res Schmid fest. Die Maturandinnen und Maturanden verdienten nach einer Ausbildung von sechs Jahren einen adäquaten Abschluss, der dem Maturadiplom auch den entsprechenden Wert verleihe. «Nicht, dass es heisst, es sei ein geschenkter Abschluss.»

Die Bildungsdirektion habe die Schülerinnen und Schüler so früh wie möglich darüber informiert, dass die schriftlichen Prüfungen stattfinden würden. «Sie erhielten Ende der vergangenen Woche ein Informationsschreiben.» Die Bildungsdirektion habe laut Schmid nicht alleine über die Verordnung entscheiden können: «Dazu brauchte es einen Beschluss der Regierung.» Diesen habe sie am Donnerstagabend an einer ausserordentlichen Sitzung gefällt.

Promotionsentscheid wird ausgesetzt

Da die Leistungsbeurteilung in der Mittelschule trotz Fernunterricht möglich sei, könnten die Zeugnisse am Ende des laufenden Schuljahres regulär ausgestellt werden, hält der Regierungsrat in seiner Mitteilung weiter fest. Der Promotionsentscheid werde allerdings ausgesetzt. Das heisst, dass alle Kollegischülerinnen und Kollegischüler ins nächste Schuljahr befördert werden. Wer am Ende des letzten Semesters provisorisch promoviert wurde, muss zum Abschluss des ersten Semesters 2020/21 definitiv befördert werden. Andernfalls erfolgt eine Zurückversetzung oder der Ausschluss aus der Schule.

Maturandinnen und Maturanden hatten vergangene Woche einen offenen Brief an den Bildungsdirektor und weitere Adressaten geschickt. Nicole Geiger findet es bedauernswert, dass es zu keiner gesamtschweizerischen Lösung gekommen sei. «Es ist schwer verständlich, dass der schweizweite Zugang zu Universitäten nun so ungleich gehandhabt wird», schreibt die Maturandin auf Anfrage. Im Falle des anstehenden Numerus clausus für das Medizinstudium führten die Unterschiede zu Benachteiligungen. Mit den auf breiten Wunsch von Maturanden nach hinten verschobenen Prüfungsterminen hätten die Teilnehmer der Numerus-clausus-Prüfung eine kürzere Vorbereitungszeit.

Benachteiligung gegenüber anderen Kantonen

Geäussert zum Entscheid des Regierungsrats hat sich auch Landrat Delf Bucher (Grüne, Buochs), der auch Mitglied der landrätlichen Bildungskommission ist. Seiner Meinung nach würden die Nidwaldner Maturanden gegenüber Kantonen, die ganz auf die Prüfungen verzichten, benachteiligt. Er spricht von einem Alleingang von Bildungsdirektor Res Schmid und einer unglücklichen Kommunikation. Weder Schüler, Lehrerschaft noch der Mittelschulrat seien eingebunden worden.

Der Ausfall des Präsenzunterrichts werde schlussendlich sechs Wochen gedauert haben, schreibt der Regierungsrat zur Volksschule. Die Rückmeldungen zum alternativen Fernunterricht seien grossmehrheitlich positiv. Für den Präsenzunterricht an der obligatorischen Schule, der gemäss des Bundesratsbeschlusses von dieser Woche am 11. Mai wieder aufgenommen wird, verblieben im laufenden Semester noch acht Wochen. Somit könne die Ausstellung der Zeugnisse, der Promotionen und die Übertritte an der Volksschule – mit dem notwendigen Augenmass – regulär erfolgen. In den Zeugnissen werde einzig ein Vermerk zur Corona-Ausnahmesituation angebracht.

Schutzkonzepte für die Schulen

Für die Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts hat der Kanton Richtlinien erstellt, auf welchen die Schutzkonzepte der Schulen basieren sollen. Der Schutz von Lehrpersonen und Lernenden hat oberste Priorität. Trotz der besonderen Umstände lautet das Ziel, den Bildungsauftrag bestmöglich zu erfüllen, schreibt die Bildungsdirektion.

In der Berufsbildung bestünden bezüglich Promotionen nationale Regelungen. Für das laufende Semester wird gemäss der bundesrätlichen Verordnung in den Abschlussklassen auf die Ausstellung eines Zeugnisses verzichtet, womit die entsprechenden Noten auch für das Qualifikationsverfahren entfallen.

In den übrigen Klassen wird ein Zeugnis ausgestellt, wobei die Beurteilung an gewisse Bedingungen gebunden ist. Der Promotionsentscheid wird – wie im Gymnasium – ausgesetzt. Was die Berufsmaturitätsprüfungen betrifft, ist der Regierungsrat der Auffassung, dass im gesamten Berufsbildungsbereich dieselben Regelungen gelten und damit, wie national vorgegeben, auf sämtliche schulische Prüfungen verzichtet werden soll. Die praktischen Prüfungen allerdings finden unter Einhaltung der Verhaltensregeln statt.

Mehr Informationen unter www.nw.ch/coronavirus