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Von Ennetbürgen in die Ukraine: «Mein Körper ist wie ein Auto»

Drei Jahre machte der Senioren OL-Weltmeister Ernst Odermatt Wettkampfpause. In dieser Zeit baute er sich in der Ukraine eine neue Existenz auf und baute sich ein eigenes Haus – nun gab der Ennetbürger überraschend sein Lauf-Comeback.
Philipp Unterschütz
Der Nidwaldner Ernst Odermatt (75) ist vor 5 Jahren in die Ukraine ausgewandert. Er ist leidenschaftlicher Orientierungsläufer - beim Training begleitet ihn Hund Afina. (Bild: PD)

Der Nidwaldner Ernst Odermatt (75) ist vor 5 Jahren in die Ukraine ausgewandert. Er ist leidenschaftlicher Orientierungsläufer - beim Training begleitet ihn Hund Afina. (Bild: PD)

Viele Schweizer verstehen nicht, warum er vor fünf Jahren in die Ukraine ausgewandert ist – und viele Ukrainer verstehen nicht, warum ein Schweizer in die Ukraine einwandert. Der pensionierte Berufsschullehrer Ernst Odermatt (75), der aus Ennetbürgen stammt, lacht am Telefon in seiner neuen Heimat, während er diese Feststellung macht. Für ihn gibt es aber gute Gründe, weshalb er sich mit seiner Frau Luda in deren Heimat niedergelassen hat.

Einer davon ist die Landschaft: Rund 80 Kilometer von Kiew entfernt, in der Nähe der Stadt Bila Zerkwa – was so viel wie Weisse Kirche bedeutet – hat das Ehepaar ein Grundstück gekauft. Marke Traumlage, 5300 Quadratmeter direkt am See Ros – genau das, was sich die beiden erträumt hatten. «In der Schweiz wäre das für uns unbezahlbar, der Preis hier war hundertmal tiefer», sagt Ernst Odermatt. Heute gibt es auf dem Grundstück einen Obstgarten und ein einstöckiges Walmhaus, das Ernst Odermatt selber geplant und mit zwei Helfern gebaut hat, nachdem der ursprünglich beauftragte Ingenieur die gewünschte Qualität nicht liefern konnte.

Er hat sein Haus in der Bauzeit bewacht

Über drei Jahre dauerte der Bau, fast ein Jahr lang hat Odermatt in einem Zelt auf dem Grundstück gewohnt, um Diebe abzuschrecken. «Eigentlich habe ich extra einen Angestellten bezahlt, der zur Überwachung auf der Baustelle leben sollte. Als dann aber nachts ausgerechnet das Zelt gestohlen wurde, war klar, dass er zu Hause übernachtet hatte.» Deshalb habe er halt kurzerhand selbst mit einem Wachhund auf dem Grundstück übernachtet.

Auf dieses Fundament baute Ernst Odermatt sein Haus in der Ukraine. Es befindet sich in der Nähe der Stadt Bila Zerkwa. (Bilder: PD)
Das Bild zeigt die Baustelle von Odermatts ukrainischem Tiefkeller.
Als der Rohbau stand, begann Odermatt mit dem Bau des Daches.
Nach langer Bauzeit hat Ernst Odermatt das eigenständig geplante und gebaute Haus fertiggestellt.
Vor dem Haus liegt ein kleiner Teich, dahinter befindet sich in einem separaten Gebäude die Garage.
5 Bilder

Wie Ernst Odermatt in der Ukraine baute

Einer, der Geld hat und vieles anders macht

«Durch das Bauen des Hauses habe ich viel über das Land und seine Menschen gelernt», erzählt Ernst Odermatt. Viele Klischeevorstellungen, die man von der Ukraine hätte, würden schon stimmen. Zum Beispiel, dass viel Wodka getrunken würde. «Man findet immer einen Grund für ein paar Runden. Aber sie sind dann wenigstens friedlich und kameradschaftlich.» Überhaupt seien die Ukrainer grundsätzlich offener und emotionaler als Schweizer.

Mühsam sei die grassierende Korruption. «Viele Politiker sind nicht nur korrupt, sondern auch noch kriminell. Heute gibt es eine kleine reiche Oberschicht und die grosse Masse ist sehr arm», erzählt Odermatt. Ungelernte müssten mit einem Verdienst von monatlich knapp 200 Franken auskommen. So viel wie möglich werde deshalb auf Selbstversorgung gesetzt. «Hier sagt man: Wer Kartoffeln hat, hat keinen Hunger.» Trotzdem sei man in der Nachbarschaft sehr gastfreundlich.

Er könne sich auf Russisch – das übrigens sehr ähnlich wie Ukrainisch sei – mittlerweile leidlich verständigen. «Nach dem Bau des Hauses habe ich wieder angefangen zu lernen. Die Leute hier können keine Fremdsprachen und sind auch nicht motiviert, eine zu lernen, weil sie ja kein Geld für Reisen haben.»

Die Schweiz ist für ihn ein Vorzeigestaat

Für ihn sei das Leben hier sehr schön, sagt der ehemalige Fallschirmgrenadier. Er sei für die Leute im Dorf einer, der Geld habe und vieles anders mache. Ihm werde Achtung entgegengebracht und Freundlichkeit. «Und sie haben auch einiges von uns übernommen, zum Beispiel Ordnung zu halten auf dem eigenen Grundstück.» Über die politische Situation macht sich Odermatt nicht allzu grosse Sorgen. «Russland hätte die Ukraine überrennen können. Aber die Russen brauchen auch den Westen, der das nicht akzeptieren würde. Das beruhigt mich.»

Und wie sieht er als Auslandschweizer seine Heimat? «Ich bringe die Schweiz oft als Beispiel, von dem man einiges lernen kann. Ich bin schon stolz, Schweizer zu sein», betont Ernst Odermatt. Die Schweiz sei ein Vorzeigestaat mit funktionierender Demokratie und ein Sozialstaat. «So richtig sieht man das erst, wenn man im Ausland lebt», ist Odermatt überzeugt.

Wird er nochmals OL-Weltmeister?

Das Russischlernen ist für Ernst Odermatt ein gutes Gehirntraining, so wie das einst gelernte Geigenspiel, das er ebenfalls im Selbststudium repetiert. Und getreu dem Motto «Gesunder Geist in gesundem Körper» ist der Sport ein wichtiger, unverzichtbarer Teil seines Lebens. Gerade erst hat er für Schlagzeilen gesorgt, weil er in Dänemark an den World Masters im Orientierungslauf in der Seniorenkategorie Dritter wurde. Eine fantastische Leistung, insbesondere, da Odermatt nach drei Jahren Abwesenheit sein Comeback gab. 2015 wurde er Weltmeister über die Sprintdistanz.

«Für mich ist mein Körper wie ein Auto und ich bin der Chauffeur. Wenn ich damit ‹rosse›, geht er kaputt und hat Pannen.» Mit dieser Einstellung gehe er den Sport an. Dazu gehören tägliches Lauftraining in Begleitung seines Hundes Afina, Schwimmen im nahen See, Tischtennis oder Skifahren mit seiner Frau in den Karpaten. «Die Leute hier finden es schon speziell. Sie möchten zwar auch so fit sein, wollen aber nichts dafür tun.»

Ernst Odermatt, holte sich an den World Masters im Orientierungslauf überraschend die Bronzemedaille über die Mitteldistanz. (Bild: PD)

Ernst Odermatt, holte sich an den World Masters im Orientierungslauf überraschend die Bronzemedaille über die Mitteldistanz. (Bild: PD)

Ernst Odermatt wird sein internationales Comeback weiterführen. «Ich will an den nächsten OL-Weltmeisterschaften in Riga teilnehmen», sagt der Sportsmann, der noch immer Mitglied der OLG Nid- und Obwalden ist. Für wen er starte, wisse er aber noch nicht. «Die Schweiz hat ja schon so viele gute Orientierungsläufer, der Ukraine würde es auch gut tun, wenn ich für sie laufe», sagt Odermatt und lacht. Er werde in einen ukrainischen Club eintreten, wieder trainieren und in diesem Rahmen allenfalls auch lokale Wettkämpfe mitmachen.

Langweilig wird es dem Tausendsassa Ernst Odermatt aber so oder so nicht. Kaum war sein Haus fertig gebaut, nahm er ein nächstes Projekt in Angriff. Er, der früher auf dem Vierwaldstättersee segelte, baute sich einen schnellen Katamaran. Demnächst sind die Arbeiten fertig, und sein Schiff wird als erstes und einziges Segelboot auf dem See vor seinem Haus fahren.

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