Nidwaldner Pfarrer folgen Bischof nicht

Der Churer Bischof Huonder schreibt in seinem Hirtenbrief, Wiederverheiratete hätten kein Recht auf Sakramente. Die Nidwaldner Pfarrer wollen den Brief nicht verlesen.

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Ein Priester beim Segnen der Hostie. (Bild: AP/Brennan Linsley)

Ein Priester beim Segnen der Hostie. (Bild: AP/Brennan Linsley)

Silvia Brändle, Sprecherin des Dekanats Nidwalden, bestätigte am Freitag einen Bericht der «Neuen Nidwaldner Zeitung». Der entsprechende Beschluss sei am letzten Mittwoch anlässlich der halbjährlich stattfindenden Dekanatsversammlung gefasst worden. Die Dekanatsversammlung sei einstimmig der Meinung, dass der Hirtenbrief von Bischof Vitus Huonder im Gottesdienst nicht verlesen werden könne, heisst es in der Stellungnahme der Dekanatsversammlung.

Die Pfarrer befürchten, dass sie mit einem Verlesen des Briefes «Ärger, Unruhe und Protest» hervorrufen würden, und zwar gerade bei jenen, die ein Wort der Ermutigung und Stärkung nötig hätten. Sie distanzierten sich deshalb von den Worten des Bischofs.

Keine Praxisänderung

In Nidwalden wird an der bisherigen Praxis festgehalten und den geschiedenen Wiederverheirateten der Empfang der Sakramente (Kommunion, Versöhnung, Krankensalbung) nicht verwehrt. Die Kirche müsse offen und einladend sein für alle Menschen.

Das Dekanat betont, dass die Stellungnahme nicht gegen den Bischof gerichtet sei, sondern sich an die verunsicherten Menschen richte. Die Stellungnahme wird deshalb im Pfarreiblatt der nächsten Woche abgedruckt.

Huonders Forderung ist auch in anderen Teilen des Bistums Chur auf Unverständnis gestossen. Der Seelsorgerat des Kantons Zürich teilte etwa mit, dass er im Hirtenbrief «das Gesetz der Barmherzigkeit» vermisse. In Winterthur wollen die Pfarrer gemäss einer Meldung der Tageszeitung «Landbote» den Hirtenbrief ebenfalls nicht verlesen.

Hirtenbriefe werden ohnehin nicht immer integral vorgelesen. Oft werden nur Passagen zitiert oder thematisiert, dies auch wegen der Länge der Hirtenbriefe.

Im umstrittenen Hirtenbrief geht es nur im die geschiedenen Wiederverheirateten, nicht um die Geschiedenen. Die Ehe ist nach katholischem Kirchenrecht unaufkündbar. Die Geschiedenen sind somit nur zivilrechtlich und nicht kirchenrechtlich geschieden und dürfen die Sakramente deshalb empfangen. Problematisch wird es nach dieser Logik erst, wenn sie wieder eine neue Partnerschaft eingehen.

sda

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