Nidwaldner Plan für betreutes Wohnen für psychisch Kranke scheitert an finanziellem Risiko

Das Projekt im Haus Centro in Stans wird nicht realisiert. Die Gemeinde sucht eine andere Nutzung für das Gebäude an der Weidlistrasse.

Martin Uebelhart
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Das Centro an der Weidlistrasse 2 in Stans.

Das Centro an der Weidlistrasse 2 in Stans.

Bild: Eveline Beerkircher, Stans, 15. Mai 2019

Im Haus Centro in Stans wird es künftig kein betreutes Wohnen für Menschen mit einer psychischen Erkrankung geben. Das teilen der Kanton Nidwalden, die Gemeinde Stans und der Verein Traversa, Netzwerk für Menschen mit einer psychischen Erkrankung, mit. Seit drei Jahren waren die drei Partner mit den Vorbereitungsarbeiten beschäftigt, im Kanton Nidwalden ein Angebot für Menschen mit einer psychischen Erkrankung mit besonderen Betreuungsbedürfnissen zu schaffen.

Eine vom Kanton Nidwalden angestossene Bedarfsanalyse hatte ergeben, dass Menschen mit einer psychischen Erkrankung in Nidwalden nicht betreut werden können und auf andere Kantone ausweichen müssen. Im Haus Centro an der Weidlistrasse hätten 17 Wohnplätze diese Lücke schliessen sollen. Für 3,9 Millionen Franken wollte die Gemeinde Stans als Eigentümerin das Haus bedürfnisgerecht umbauen und vermieten. Die Gemeindeversammlung hatte dafür im vergangenen Mai einen Planungskredit von 310'000 Franken bewilligt. Der Verein Traversa hätte dann das Angebot betrieben.

Traversa-Vereinsvermögen wäre gefährdet gewesen

Um den Baukredit an die Urne zu bringen, benötigt die Gemeinde Stans finanzielle Sicherheiten. Diese hätte laut der Mitteilung Traversa durch einen Miet-Vorvertrag übernehmen sollen. Der Verein hätte sich unter anderem verpflichtet, bei Nichtzustandekommen des Mietvertrags der Gemeinde Stans sämtliche bis dahin entstandenen Projektkosten und Mietausfälle zu erstatten. Dabei ginge es um mehrere hunderttausend Franken.

«Auch wenn die Wahrscheinlichkeit sehr gering ist, dass dieser Fall eintritt, können wir als gemeinnütziger Verein dieses Risiko nicht tragen», hält Ursula Limacher, Geschäftsleiterin von Traversa, auf Anfrage fest. Der Vorstand könnte so einem Vorgehen nicht zustimmen, da so das Vereinsvermögen von einigen 100'000 Franken gefährdet wäre. «Für uns stand auch die Frage im Raum, wer das Hauptrisiko tragen soll», sagt Ursula Limacher

Der Kanton Nidwalden als Auftraggeber des Angebots sieht gemäss der Mitteilung ebenfalls keine Möglichkeit, das Risiko abzufedern oder zu finanzieren, weil dazu eine gesetzliche Grundlage fehlt. «Wollte man das anpassen, würde der Gesetzgebungsprozess rund zwei Jahre dauern», sagt Gesundheits- und Sozialdirektorin Michèle Blöchliger auf Anfrage. «Ich bedaure sehr, dass wir den Rank nicht gefunden haben», so die Regierungsrätin. Auch die Gemeinde Stans findet den Ausgang des Projekts schade: «Alle Parteien in dieser Dreieckskonstellation hatten ihre guten Gründe, das finanzielle Risiko nicht zu übernehmen, was leider zum Scheitern des Projekts führte», sagt der zuständige Gemeinderat Markus Elsener.

«Wir sehen den Bedarf an einem solchen Angebot», betont Ursula Limacher. Das unterstreicht auch Michèle Blöchliger. «Ein Blick in die Statistik zeigt, dass die Zahl von Menschen mit psychischen Erkrankungen zunimmt.» Darum müsse es im Bestreben des Kantons sein, ein solches Angebot kantonsintern zu realisieren. Wann das der Fall sein könnte, ist heute offen: «Es gestaltet sich schwierig», betont die Regierungsrätin. Denn das Haus Centro stehe nun nicht mehr zur Verfügung.

Das 1903 erbaute Gebäude muss auf jeden Fall ganzheitlich renoviert werden. Die Gemeinde Stans prüft nun bauliche Alternativen zum Projekt «Betreutes Wohnen». Ansätze dazu seien Wohnungsangebote für ältere Personen, aber auch für Menschen mit geringen Beeinträchtigungen sowie bezahlbarer Wohnraum für Familien. Der Planungskredit sei bisher nicht angetastet worden. «Wir beginnen jetzt wieder neu», sagt Gemeinderat Markus Elsener, «und werden mit einem Planungskredit für ein angepasstes Projekt vors Volk kommen.»

Traversa sei nach wie vor interessiert daran, bei einem Betreuungsangebot im Kanton Nidwalden mitzuarbeiten, sagt Geschäftsleiterin Ursula Limacher. «Wir haben während dreier Jahre unser Know-how eingebracht, und ein solches Angebot ist uns ein grosses Anliegen.»

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