Nidwaldner Regierung will Landratssaal nicht umgestalten

Die Nidwaldner Regierung lehnt es ab, den Landratssaal zu erneuern und mit zeitgemässer Technik auszurüsten. Der Landratssaal sei ein geschichtsträchtiger Raum, ein grösserer Eingriff sei deshalb «unbedingt zu vermeiden».

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Blick in den Landratssaal im Rathaus in Stans.

Blick in den Landratssaal im Rathaus in Stans. 

Bild: Corinne Glanzmann (27. Juni 2018)

(mu/sda) Dass die Platzverhältnisse eng und nicht sonderlich komfortabel seien, sieht auch der Regierungsrat so, wie er in seiner am Donnerstag veröffentlichten Antwort auf ein Postulat festhält. Trotzdem will er die bestehende Möblierung beibehalten. Und dies wirke sich einschränkend auf die Möglichkeiten für Änderungen aus.

Der Regierungsrat erachtet es zudem nicht als zwingend erforderlich, eine Mikrofon- oder Abstimmungsanlage sowie Steckdosen für jedes Ratsmitglied einzurichten. Er misst dem Verzicht auf einen Eingriff in die Substanz der Saalinfrastruktur höheres Gewicht bei.

Deshalb beantragt er dem Parlament, das Postulat von CVP-Landrat Andreas Gander-Brem abzulehnen. Dieser ist der Ansicht, der Saal brauche eine Erneuerung und soll mit zeitgemässer Technik ausgerüstet werden.

Die engen Platzverhältnisse sollen nach Möglichkeit aufgelockert werden. Diese seien zurzeit für alle Nutzer beengend. Um das Kosten-Nutzen-Verhältnis zu verbessern, soll zudem abgeklärt werden, ob der Raum für andere Veranstaltungen und Seminare verwendet werden kann.

Zu letzter Forderung hält die Regierung fest, dass der Saal bereits heute für verschiedene Anlässe genutzt werde. Beispielsweise für Gerichtsverhandlungen und Sitzungen. Bei einer weiteren Öffnung des Rathauses gelte es zu beachten, dass bei einer Vermietung der dadurch entstehende Zusatzaufwand für den Hausdienst gedeckt werden könne.

«Wir haben im Regierungsrat lange darüber diskutiert»; sagt Baudirektor Josef Niederberger auf Anfrage. «Auch den Aspekt möglicher anderer Nutzungen.» Der Regierungsrat sei jedoch zur Ansicht gelangt, dass der Saal für die knappen Dutzend Landratssitzungen im Jahr genügend ausgebaut sei und für anderweitige Nutzungen die Kosten-Nutzen-Rechnung nicht aufgehe. «Wir überlassen es dem Landrat, ob er allenfalls etwas ändern will.»

Auch ein historischer Raum kann angepasst werden

«Ich bin schon etwas enttäuscht über die Stellungnahme», sagt Andreas Gander-Brem in einer ersten Reaktion. Er habe gehofft, dass sich die Regierung bereit erklären würde, sich vertiefter mit der Thematik zu befassen. Natürlich sei der Landratssaal ein historischer Raum, doch bedeute das nicht, dass man ihn nicht an neue Situationen anpassen könnte. Gander vermisst in der Antwort des Regierungsrats eine Zukunftsperspektive. «Es ist eine gewisse Resignation gegenüber dem Raum und dem Gebäude spürbar», findet er.

Natürlich arbeite nicht jeder Landrat mit Laptop oder Tablet im Sitzungssaal. «Aber die Nutzung des Computers wird zunehmen», ist er überzeugt. Wenn man sich in Richtung papierloses Parlament bewegen wolle, brauche es entsprechende Anpassungen. Es gehe nicht nur um die Arbeit der Landrätinnen und Landräte, sondern etwa auch um die Möglichkeit, Aufnahmen zu machen. Ein Anliegen, das auch von Seiten der Medien immer wieder eingebracht werde.

Gander erwähnt als Beispiel den Schwyzer Kantonsratssaal. «Auch das ist ein historischer Raum.» Man habe ihn an die digitale Welt angepasst. «Es ist nicht alles optimal», räumt er ein, «doch immer noch besser, als wenn man gar nichts macht.» Sein Vorstoss komme nun vor den Landrat. «Dann werden wir sehen, ob das Parlament die Meinung der Regierung teilt.»

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