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Interview

Nidwaldner Spitaldirektor: «Grössere Projekte können wir erst nach der Fusion angehen»

Urs Baumberger, seit 10 Jahren Direktor des Kantonsspitals Nidwalden, spricht über die Entwicklung des Spitals. Und darüber, was die geplante Fusion mit dem Luzerner Kantonsspital nützt.
Martin Uebelhart
Urs Baumberger blickt optimistisch in die Zukunft des Kantonsspitals Nidwalden.Bild: Jakob Ineichen (Stans, 3. Juli 2019)

Urs Baumberger blickt optimistisch in die Zukunft des Kantonsspitals Nidwalden.Bild: Jakob Ineichen (Stans, 3. Juli 2019)

Was haben Sie für ein Spital angetroffen, als Sie Ihren Posten angetreten haben?

Urs Baumberger: Es war gut aufgestellt. Ich hatte eine umfassende Analyse gemacht und Entwicklungspotenzial geortet.

Welches waren die Meilensteine der Entwicklung in den vergangenen zehn Jahren?

Es zeichnete sich schon bei meinem Antritt ab, dass die Verbindung zum Kantonsspital Obwalden gelöst wird. Und es war aufgegleist, dass man sich Luzern anhängt und Lunis gründet. Wenn man das Umfeld sauber analysiert, dann haben wir bereits 2009 gesehen, dass in Zukunft ein kleines Spital in einen Verbund muss, und zwar mit einem grossen. Diesen Weg haben wir dann beschritten. Mittlerweile haben sich die Rahmenbedingungen verschärft und der Wettbewerb hat zugenommen. Es gibt etwa die freie Spitalwahl, die neue Spitalfinanzierung, die Fallpauschalen, die Reduktion der ambulanten Abgeltung oder seit jüngstem auch die Vorgabe ambulant vor stationär. Viele andere Spitäler haben das inzwischen auch gemerkt und haben die Zusammenarbeit gesucht oder suchen sie nun. Wir waren schweizweit die Ersten, die das über die Kantonsgrenzen hinweg so gemacht haben.

Was waren die Herausforderungen für den Aufbau von Lunis, der gemeinsamen Spitalregion Luzern/Nidwalden?

Ein Spital ist eine sehr komplexe Firma in einem sehr komplexen Umfeld und dem zunehmenden Wettbewerb. Um das zu beherrschen und zielgerichtet alle Ressourcen auf die Strategie auszurichten, braucht es eine Art «Kochbuch», ein Konzept. Wichtig ist, dass alles aufeinander abgestimmt ist. Dazu gehört eine Umfeldanalyse, um die Bedürfnisse der Bevölkerung und der Zuweiser wie Hausärzte zu ergründen. Daraus hat sich die Spitalstrategie ergeben, die wir konsequent umgesetzt haben. Wenn man die Strategie hat, dann muss man auch die Abläufe und den Aufbau des Unternehmens daran ausrichten.

Was hat die Zusammenarbeit mit Luzern im Rahmen von Lunis dem Nidwaldner Kantonsspital gebracht?

Da gibt es verschiedene Vorteile. Es gibt Spezialisten, die wir nicht anstellen könnten, weil wir für diese Spezialgebiete zu wenig Patienten haben. Sie kommen von Luzern hierher und halten Sprechstunden ab. Wenn es eine Behandlung braucht, kann diese je nach Bedürfnis hier in Stans oder in Luzern geschehen. Die Patienten haben eine abgestimmte Versorgung. Dabei ist auch die Zusammenarbeit mit dem Hausarzt sehr wichtig.

Wir haben aber auch Patienten aus Luzern.

Das Adipositaszentrum etwa könnten wir nicht alleine bestreiten. Da sind wir in Luzern eingebunden. Mit Lunis haben wir auch die Chance, als kleines Spital Top-Ärzte zu finden, da sie teilweise auch in Luzern tätig sein können. Weitere Synergien sind etwa Einkaufskonditionen eines Grosspitals bei Geräten und Material. Vorteile ergeben sich auch bei den Mindestfallzahlen. Man kann zukünftig Operationen zwischen den Standorten poolen oder die Operateure rotieren, damit sie die geforderten Zahlen für einen Eingriff erreichen können.

Was waren auf dem Weg zu Lunis die grössten Herausforderungen?

Wenn es eine Veränderung gibt, wenn man aus der Komfortzone herausgeht, indem sich ein kleines Spital einem grossen anhängt, kann es auf allen Hierarchiestufen Unsicherheiten geben. Wird von Luzern aus gesagt, was läuft? Verlieren wir etwas? Darum war eine offene Kommunikation, bei der alle Vor- und allfällige Nachteile auf den Tisch kamen – intern und extern sehr wichtig.

Im Kantonsspital Nidwalden wurde auch baulich viel investiert. Warum braucht es das?

Damit wir ein attraktives Spital sind, braucht es primär gute Ärzte und gute Pflege, Dienstleistungsverständnis oder eine gute Hotellerie. Ein Puzzleteil ist auch eine gute Infrastruktur. Die muss primär funktionell sein. Doch soll das Ambiente für Patienten wie Mitarbeiter attraktiv sein. Auf der Suche nach «gesunder Architektur», die auch den Heilungsprozess unterstützen kann, sind wir auf helles Holz und natürliche Farben gestossen. Aber auch die Akustik und die Lichtverhältnisse sind wichtig. Über zehn Jahre hinweg haben wir das Spital kontinuierlich aus eigenen Mitteln renoviert. Begonnen hat es mit der ersten Etappe der Privatstation, dann folgten zum Beispiel alle Bettenstationen, CT, MRI sowie die Eingangshalle und die Business-Suiten auf der Privatstation.

Nun steht die Heirat, die vollständige Fusion der beiden Spitäler, an. Was versprechen Sie sich davon?

Insbesondere grössere Projekte können wir erst nach der Fusion angehen. Dazu gehört etwa die Informatik. Die Digitalisierung ist eine der Herausforderungen, da liegt die Gesundheitsbranche gegenüber andern noch zurück. Wir sind da gut unterwegs. Das Kantonsspital Luzern macht nun im Herbst einen Quantensprung und wird europaweit an der Spitze liegen. Vorgesehen ist, im Jahr 2021 zu fusionieren und 2022 die Luzerner Informatik bei uns einzuführen. Das sind hohe Investitionen, aber es ist auch ein matchentscheidender Vorteil gegenüber andern Spitälern, wenn wir einen so hohen Digitalisierungsgrad haben. Jeder, der mit Patienten zu tun hat, hat jederzeit die Unterlagen, zu deren Einsicht er berechtigt ist, zur Verfügung. Es gibt auch Bestrebungen, dass Personal oder Ärzte mehr zusammenarbeiten möchten, doch wollen sie die Fusion abwarten. Wenn man Synergien nutzen will, muss man gewisse Zäune abbauen.

Welche Auswirkungen hat die Fusion auf das Angebot in Stans? Müssen Sie gewisse Bereiche abgeben oder erhalten sie neue?

Das ist in den Verträgen geregelt, die im vergangenen November unterschrieben worden sind.

Das Leistungsangebot, das wir jetzt haben, bleibt nach der «Heirat» gleich.

Wir haben schon bisher Abstimmungen mit Luzern vorgenommen. Sollten sich Rahmenbedingungen ändern oder sollte es weitere medizinische Innovationen geben, wird man innerhalb des Verbunds schauen müssen, an welchem Standort man sinnvollerweise was anbietet.

An den Luzerner Spitalstandorten stehen grosse Bauvorhaben an. Reicht das Geld denn auch noch für weitere Entwicklungen in Stans?

Wir werden uns weiterentwickeln, müssen immer am Ball bleiben. Wir haben eine Langfristplanung, was Bauten und medizinische Geräte angeht. Das Kantonsspital Nidwalden soll eine gemeinnützige AG werden. Auch die Finanzströme sind genau geregelt. Was das Nidwaldner Kantonsspital erwirtschaftet, das bleibt im Betrieb. Und wenn wir investieren, möchten wir das weiterhin aus eigenen Mitteln machen.

Das Kantonsspital Nidwalden legt grossen Wert darauf, ein attraktiver Arbeitgeber zu sein. Was bedeutet die Fusion für die Anstellungsbedingungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?

Mit der Pensionskasse bleiben wir beim Kanton Nidwalden. Die Anstellungsbedingungen möchten wir in den nächsten Jahren harmonisieren, sodass die Mitarbeiter im ganzen Verbund möglichst gleiche Voraussetzungen haben. Das erleichtert auch die Durchlässigkeit zwischen den Standorten, sollte jemand einmal an einem anderen Ort arbeiten wollen. Es gibt eine Besitzstandswahrung während zweier Jahre nach der Fusion. Es gibt Punkte, bei denen Luzern bessergestellt ist, bei anderen wir. Die Harmonisierung dürfte nicht ganz einfach sein.

Wo steht das Kantonsspital Nidwalden in zehn Jahren?

Das geht in Richtung Kaffeesatzlesen. Vor zehn Jahren haben wir die Vision entwickelt, das Stanser Spital solle als eines der erfolgreichsten Spitäler dieser Grössenordnung in der Schweiz wahrgenommen werden. Das haben wir erreicht, meine ich sagen zu dürfen. In zehn Jahren ist Stans nach wie vor ein Vorzeigespital in der Schweiz, welches in dem Verbund optimal vernetzt ist. Und die Nidwaldner Bevölkerung wird auch in zehn Jahren stolz auf ihr Spital sein.

Zur Person: Urs Baumberger (54) war vor seiner Anstellung in Nidwalden Direktor der Hirslanden Privatklinik in Schaffhausen. Zuvor war er im Managementbereich und in der Geschäftsleitung der Zürcher Kliniken sowie als Stabschef der Region Ost der Hirslanden-Gruppe tätig. Er lebt mit seiner langjährigen Partnerin in der Gemeinde Stansstad. Zu seinen Hobbys zählt er «Holzen», Wandern und Töfffahren, bis vor einigen Jahren flog er auch Helikopter.

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