Nidwaldner Spitex-Lehrlinge besuchen die Patienten vorläufig alleine

Wegen der Coronapandemie dürfen Spitex-Mitarbeiter die angehenden Fachfrauen Gesundheit nicht mehr begleiten. Die Ausbildung geht trotzdem weiter – dank einer Art Lerntagebuch. Eine erste Zwischenbilanz fällt positiv aus.

Matthias Piazza
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Auch Spitex-Pflege will gelernt sein. Darum werden die angehenden Fachfrauen Gesundheit der Spitex Nidwalden im ersten Lehrjahr auf ihren Hausbesuchen immer von erfahrenen Spitex-Mitarbeiterinnen begleitet, welche ihnen über die Schulter schauen, Tipps geben oder bei Problemen helfen. Auch im zweiten und dritten Lehrjahr gehören solche Begleitungen, wenn auch nur noch sehr sporadisch, zur Ausbildung. Die Coronapandemie hat nun die Spitex-Leitung gezwungen, über die Bücher zu gehen. Seit drei Wochen gehören solche Zweierbesetzungen vorläufig der Vergangenheit an. «Das Ansteckungsrisiko wäre zu gross. Bei der Pflege und erst recht im Auto können wir den Sicherheitsabstand von zwei Metern unter den Mitarbeitern nicht einhalten», sagt Elsbeth Weissmüller, Pflegeexpertin bei der Spitex Nidwalden.

Mara Spada, angehende Fachfrau Gesundheit im dritten Lehrjahr bei der Spitex Nidwalden, bearbeitet die Pflegegeschichte.

Mara Spada, angehende Fachfrau Gesundheit im dritten Lehrjahr bei der Spitex Nidwalden, bearbeitet die Pflegegeschichte.

Bild: PD (7. April 2020)

Ausbildungsprogramm wurde coronakonform gemacht

Das heisst nun aber nicht, dass man die Ausbildung auf Eis legt. Die Spitex hat praktisch über Nacht das Ausbildungsprogramm angepasst, sozusagen coronakonform gemacht. Alle zwölf Lernenden rücken seither immer alleine aus. «Allerdings beauftragen wir die vier Lernenden, welche sich im ersten Lehrjahr befinden, nur mit einfacheren pflegerischen Einsätzen», hält Elsbeth Weissmüller fest. Diese Einzeleinsätze seien auch darum zu verantworten, weil diese jungen Leute ja nicht blutige Anfänger seien, sondern schon über ein halbes Jahr ihrer Ausbildung hinter sich hätten.

Eine Art Lerntagebuch soll die Abwesenheit der erfahrenen Fachkraft so gut wie möglich kompensieren. Die angehenden Berufsleute halten eine erlebte Pflegesituation schriftlich fest und schildern sie dann der Berufsbildnerin. Gemeinsam besprechen sie die aufgetauchten Themen dieser Pflegegeschichte. Beim Thema Wundheilung kommen vielleicht die Themen Entstehung von Wunden, Anatomie/Physiologie der Haut oder Wundarten zum Vorschein. In einem weiteren Schritt beschäftigt sich die Lernende mit denjenigen Themen, bei denen aus ihrer Sicht Repetitionsbedarf besteht. Sie arbeitet die Wissenslücken auf und präsentiert dann das neu erworbene Wissen ihrer Berufsbildnerin. Gemeinsam werden die Erkenntnisse besprochen und Schlüsse für die weiteren Einsätze und die Ausbildung gezogen.

Rückkehr auf Doppelbesetzung sobald möglich

Elsbeth Weissmüller zieht eine positive Zwischenbilanz. «Die Lernenden schätzen das Arrangement sehr, können so gut den fachlichen Teil reflektieren, über Erlebtes berichten, Antworten finden auf Fragen, wie ‹Was habe ich gemacht, wie habe ich es gemacht, wie erging es mir dabei?›». Dies sei wichtig. Nach der Coronapandemie würde trotzdem wieder auf die bewährte Doppelbesetzung zurückgekehrt, da der Lerneffekt am grössten sei, wenn eine erfahrene Fachkraft dem Berufsneuling vor Ort zur Seite stehen könne. Auch der Berufsschulunterricht, der in den ersten beiden Lehrjahren an zwei Tagen wöchentlich stattfindet und im dritten Lehrjahr an einem, wurde nicht ausgesetzt. Die Lernenden beschäftigen sich zu Hause mit dem Stoff. Damit sei die Ausbildung trotz der Coronapandemie sichergestellt, hält Elsbeth Weissmüller fest.