Nidwaldner Unternehmen werden wohl weniger Steuern abliefern

Für Finanzdirektor Alfred Bossard ist es zum heutigen Zeitpunkt schwierig, die Auswirkungen der Coronakrise auf die Kantonsfinanzen zu beurteilen. Vieles hänge davon ab, wie lange die ausserordentliche Lage andauere.

Martin Uebelhart
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Drastische Umsatzeinbussen müssen Nidwaldner Unternehmen aufgrund der Coronakrise teilweise verzeichnen. Das hat eine Umfrage der Volkswirtschaftsdirektion ergeben, deren Ergebnisse vergangene Woche veröffentlicht worden sind. In wie weit sich dies, aber auch weitere Aspekte der Coronakrise auf die Kantonsfinanzen auswirkten, sei zum heutigen Zeitpunkt sehr schwierig vorauszusagen, hält der Nidwaldner Finanzdirektor und Landammann Alfred Bossard auf Anfrage fest. «Matchentscheidend ist, wie lange dieser Zustand andauert», betont er. «Wir sind noch immer in der ausserordentlichen Lage und die Frage, die sich stellt, ist, wann fängt wieder eine Normalität an?» Wenn es ab Herbst wieder in einigermassen geordneten Bahnen verlaufe, sehe das anders aus, als wenn sich die ausserordentliche Lage bis Ende Jahr oder gar bis 2021 hinziehe, sagt der Finanzdirektor. 

Für das laufende Jahr erwartet er kaum Einbussen bei den Unternehmenssteuern, da dafür auf die Zahlen von 2019 abgestellt werden. Für 2021 und 2022 hänge viel davon ab, wie sich die Wirtschaft entwickle und wie sich die Firmen von der Krise erholen könnten. Mit Steuerausfällen sei aber wohl zu rechnen: «Wenn Firmen weniger oder keinen Gewinn machen, bezahlen sie auch keine Gewinnsteuer.»

Finanzdirektor Alfred Bossard

Finanzdirektor Alfred Bossard

Bild: Silvan Bucher

Auch andere Bereiche könnten laut Alfred Bossard die Kantonsfinanzen beeinflussen. «Wenn die direkten Bundessteuern zurückgehen, spüren wir das an einem kleineren Anteil für unseren Kanton», hält Bossard fest. Die Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt könnten sich ebenfalls auswirken. Je nach dem zu welchen Preisen Wohnungen und Häuser verkauft würden, könnte das einen Einfluss auf die Grundstückgewinnsteuer haben.

Bei den natürlichen Personen rechnet Bossard bis auf die Dividendenausschüttungen der Firmen nicht mit grossen Veränderungen. Er glaubt:

«Wenn nicht eine massive Welle der Arbeitslosigkeit kommt, sollten sich die Steuereinnahmen wenigstens auf dem gleichen Niveau bewegen.»

Ausgabenseite wird im Auge behalten

Auch die Ausgabenseite werde genau geprüft. «Das Corona-Massnahmenpaket für Firmen, das wir geschnürt haben, sind Darlehen, die grundsätzlich zurückbezahlt werden müssen», so Bossard. Allenfalls brauche es hier unter Umständen Wertberichtigungen, sollten einige Unternehmen nicht in der Lage sein, die Kredite innert fünf Jahren zurückzubezahlen. 

Beim öffentlichen Regionalverkehr gelte es zu beobachten, wie sich die Frequenzen entwickelten. Diese seien natürlich massiv eingebrochen und es sei möglich, dass der Kanton für die Abgeltungen an die Transportunternehmen tiefer in die Tasche greifen müsse.

«Wir machen uns vertiefte Gedanken über die finanziellen Entwicklungen des Kantons», betont Alfred Bossard. Insbesondere auch, was das Budget für das kommende Jahr betreffe. «Je nachdem wie und wie schnell die Massnahmen gelockert werden, wird dies auf die Zahlen Einfluss haben.»

Sicher anschauen müsse der Kanton die Finanzpläne der kommenden Jahre. Wichtig sei hier vor allem, wie sich die Steuereinnahmen entwickelten, sagt Alfred Bossard. «Dank unserer soliden Eigenkapitalbasis haben wir aber einen gewissen Spielraum, welchen wir auch ausnützen wollen, so dass wir kurz- und mittelfristige Schwankungen auffangen können.»

Noch keine Anträge für kantonale Bürgschaften

Zusammen mit fünf Banken hat der Kanton Nidwalden ein Unterstützungspaket im Umfang von 20 Millionen Franken aufgelegt. Noch bis am 30. Juli können betroffene Firmen bei ihrer Bank einen Kreditantrag stellen. Diese überprüfen, ob die notwendigen Voraussetzungen für eine Bürgschaft gegeben sind und legen dem Kanton daraufhin einen entsprechenden Antrag zu Bewilligung vor.

Bis jetzt sind noch keine Anträge von den Banken an uns weitergeleitete worden, sagt Volkswirtschaftsdirektor Othmar Filliger auf Anfrage. Einige seien bei den Banken in Bearbeitung. «Das überrascht uns nicht», so Filliger weiter. «Das kantonale Programm ist bewusst als Ergänzung zum Bundesprogramm geschaffen worden.» Zunächst würden die Firmen beim Bund nach Unterstützung suchen, bevor sie allenfalls noch beim Kanton vorstellig werden.

«Einen Anhaltspunkt gibt uns die bei Nidwaldner Unternehmen durchgeführte Umfrage», hält der Volkswirtschaftsdirektor fest. Dort hätten zehn Prozent der Unternehmen angegeben, dass es für sie wahrscheinlich sei, einen Antrag für das kantonale Unterstützungsprogramm in Betracht zu ziehen. Aus Rückmeldungen wisse man, dass die Firmen laufend ihre Situation überprüfen würden, um festzustellen, ob sie eine solche Unterstützung benötigten. 

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