Nidwaldner Wirtschaft spürt Corona

Immer mehr Nidwaldner Unternehmen beantragen Kurzarbeit – vor allem in der Gastronomie, der Event- und Tourismusbranche.

Matthias Piazza
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Mit der NKB-Partizipantenversammlung fällt auch das Abendessen dieses Jahr aus – mit Folgen für Caterer.

Mit der NKB-Partizipantenversammlung fällt auch das Abendessen dieses Jahr aus – mit Folgen für Caterer. 

Archivbild: Robert Hess

«Planen Sie im kommenden Jahr Kurzarbeit?» Nur gerade zwei Prozent der 209 befragten Unternehmen bejahten diese Frage in der Online-Umfrage für das Nidwaldner Wirtschaftsbarometer, welche die Nidwaldner Volkswirtschaftsdirektion zwischen dem 4. Dezember 2019 und dem 24. Januar diesen Jahres durchführte. In den Sektoren Handel und Gewerbe sowie Dienstleistungen hatte kein einziges Unternehmen eine solche Massnahme geplant. In der Gastronomie waren es 8 Prozent.

53 Prozent der befragten Unternehmen beurteilten ihre Aussichten für die nächsten Monate mit «gut» und weitere 44 Prozent mit «befriedigend» (siehe Ausgabe vom 5. März). Nur wenige Wochen später sind die Prognosen überholt, die Wirtschaftswelt ist eine andere. Die Raiffeisenbank Nidwalden etwa hat sämtliche acht Orientierungsversammlungen für dieses Jahr abgesagt. Auch die Partizipantenversammlung der Nidwaldner Kantonalbank (NKB) vom 3. und 4. April, für die je 800 Gäste erwartet wurden, fällt aus, um nur zwei Beispiele von Veranstaltungen zu nennen, die dem Corona-Virus zum Opfer fielen. Mit Folgen fürs Gewerbe: Veranstaltungstechniker und Caterer etwa verloren Aufträge.

Weiterer Anstieg von Kurzarbeit erwartet

«Die Wirtschaft spürt die Folgen des Virus. Wir sind mit den Unternehmen im Kontakt. Sie sind verunsichert, fragen sich, wie es weitergeht», bestätigt auf Anfrage denn auch der Nidwaldner Volkswirtschaftsdirektor Othmar Filliger. Besonders betroffen seien das Eventmanagement, der Tourismus und die Gastronomie. Dort seien die Gesuche um Kurzarbeit sprunghaft angestiegen. «Noch am vergangenen Montag hatten wir kein einziges Gesuch, nun sind schon deren vier eingegangen. Und wir erwarten in den nächsten Tagen einen weiteren Anstieg», sagt der Regierungsrat.

Der Kanton prüft, ob die Kurzarbeit rechtmässig ist und ob sie tatsächlich dem Erhalt der Arbeitsplätze dient. Falls dies zutrifft, entschädigt die Arbeitslosenkasse für drei Monate, mit der Möglichkeit zur Verlängerung bis maximal zwölf Monate. Die Kurzarbeitszeitentschädigung beträgt 80 Prozent des anrechenbaren Verdienstausfalls. «Das ist ein geeignetes und zurzeit das einzige Instrument, das uns zur Verfügung steht, um der Wirtschaft unter die Arme zu greifen», führt Othmar Filliger aus.

Auch wenn eine Prognose schwierig sei, stehe fest, dass das Corona-Virus seine Spuren im Nidwaldner Wirtschaftsjahr 2020 hinterlassen werde. «Einige Unternehmen haben ja schon vorsorglich für das ganze Jahr Anlässe oder auch Geschäftsreisen oder Ähnliches abgesagt. Damit ist ein gewisser wirtschaftlicher Schaden angerichtet.» Seines Wissens habe es noch nie einen Fall ähnlichen Ausmasses gegeben, so der Volkswirtschaftsdirektor.

Diversifizierung fängt Folgen etwas auf

Eine Einordnung, wie stark Nidwalden im Vergleich zu anderen Kantonen betroffen ist, will Othmar Filliger nicht vornehmen. «Klar ist, dass unsere breit aufgestellte, stark diversifizierte Nidwaldner Wirtschaft dazu beiträgt, die negativen Folgen des Corona-Virus etwas aufzufangen.»

In Obwalden gingen bis am Freitag zwei Gesuche für Kurzarbeit ein, wie das Amt für Arbeit auf Anfrage mitteilt.

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