Interview

Nidwaldner Wirtschaftsförderung siedelt 26 neue Firmen an

Diana Hartz setzt sich als Leiterin der Wirtschaftsförderung Nidwalden für die Unternehmen im Kanton ein – und will neue anlocken. Im Interview spricht sie über Arbeitsplätze, Verkehr und fehlende Landreserven.

Christian Glaus
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Diana Hartz (52) vor dem prägnanten Bild von Fotograf Silvan Bucher, das in ihrem Büro hängt.

Diana Hartz (52) vor dem prägnanten Bild von Fotograf Silvan Bucher, das in ihrem Büro hängt.

Bild: Manuela Jans-Koch (Stans, 10. Januar 2020)

Wer das Büro von Diana Hartz zum ersten Mal betritt, erschrickt: Der Besucher schaut direkt in die Flinte eines Jägers. Hartz ist nicht Jägerin, sondern Leiterin der Wirtschaftsförderung Nidwalden. Das Bild stammt vom Nidwaldner Fotografen Silvan Bucher. Weitere seiner Werke hängen in den Räumen der Volkswirtschaftsdirektion und sollen Dynamik ausstrahlen. Dynamik – das passt laut Hartz zur Nidwaldner Wirtschaft, die sehr gut dastehe. Besser als prognostiziert.

Für 2019 haben Sie mit einem schwierigen Jahr gerechnet. Wie schlimm war es wirklich?

Diana Hartz: Ein schwächeres Wirtschaftswachstum hat sich bereits im zweiten Halbjahr 2018 abgezeichnet, auch weil die Grossbaustelle auf dem Bürgenstock abgeschlossen wurde. Die Prognose hat sich im Endeffekt aber nicht bewahrheitet. Wir haben von vielen Unternehmen die Rückmeldung bekommen, dass die Auftragsbücher gut gefüllt sind.

2019 wurden die Unternehmen optimistischer. Weshalb haben diese die Lage zu pessimistisch eingeschätzt?

Im vierten Quartal 2018 haben sich die Aktienmärkte abgekühlt. Deshalb sind die Prognosen nach unten korrigiert worden. Zum Glück hat sich die Wirtschaft 2019 deutlich besser entwickelt als gemeinhin angenommen.

Was hat zum Optimismus geführt?

Schauen Sie sich die Aktienmärkte in ganz Europa an. Die sind ja fast alle im Durchschnitt im zweistelligen Prozentbereich gestiegen. Das ist enorm. Es gibt sicher Branchen, die leiden, beispielsweise die Automobilindustrie. Die Nidwaldner Wirtschaft ist aber gut diversifiziert. Neben den Pilatus Flugzeugwerken mit 2300 Angestellten haben wir ganz viele gesunde KMUs. Diese Unternehmen sind das Rückgrat unserer Wirtschaft.

Trotzdem gibt es schwierige Situationen. Die Pilatus Flugzeugwerke stehen im Clinch mit dem Bund, Müller Martini hat seinen Standort in Stans aufgegeben.

Die Diskussion um die Pilatus Flugzeugwerke, beziehungsweise um das Söldnergesetz wird derzeit auf politischer Ebene geführt. Dazu äussere ich mich nicht. Aber es ist klar: In der Wirtschaft gibt es immer Schwankungen und Veränderungen. Die Firma Müller Martini ist von einem tief greifenden Strukturwandel betroffen und sah sich gezwungen, den Standort in Stans aufzugeben. Glücklicherweise konnte eine schnelle Nachfolgelösung präsentiert und damit die Arbeitsplätze erhalten werden.

Was haben Sie zum Erhalt der 60 Stellen bei Müller Martini beigetragen?

Wir wurden frühzeitig über die geplante Schliessung informiert und haben versucht, über unser Netzwerk die Information, dass ein Standort frei wird und geeignete Mitarbeiter übernommen werden können, schnell weiterzugeben.

Haben Sie die Übernahme von Müller Martini durch Benpac eingefädelt?

Nein, in diesem konkreten Fall haben wir den Kontakt nicht vermittelt.

Ihr Kerngeschäft ist es also, dafür zu sorgen, dass die Unternehmen hier bleiben?

Unbedingt. Bestandspflege ist unsere wichtigste Aufgabe. Nur wo erfolgreiche Unternehmer sind, kommen auch neue hin. Die Wirtschaftsförderung Nidwalden hat 250 Stellenprozent. Der Kanton hat 4500 juristische Personen und rund 23000 Arbeitsplätze.

Da bleibt wohl nicht viel Zeit für Neuansiedlungen. Wie viele Firmen haben Sie im letzten Jahr nach Nidwalden geholt?

Die Wirtschaftsförderung hat bei 26 Ansiedlungen mitgewirkt. Damit konnten wir den Erfolg der Vorjahre weiterführen. Insgesamt gab es 158 Kontakte.

Firmenansiedlungen

im Kanton Nidwalden
Ansiedlungen Kontakte
2019 26 158
2018 22 138
2017 23 163
2016 20 100
2015 11 123
2014 19 176
2013 23 136

Können Sie ein Beispiel für eine Neuansiedlung machen?

Wir haben ein Unternehmen aus der Medizinaltechnik ansiedeln können. Das ist ein sehr gutes Beispiel, weil es sich um ein deutsches Unternehmen handelte, das bereits eine Partnerfirma in Nidwalden hatte. Das war nicht ganz einfach, weil die Schweiz nicht Teil der EU ist. Deshalb haben wir vorgeschlagen, eine Tochterfirma in der Schweiz zu gründen. Geplant war eine reine Vertriebsgesellschaft. Innerhalb eines Jahres ist daraus mehr geworden. Es gibt aber natürlich auch Unternehmen, die aus anderen Landesteilen der Schweiz nach Nidwalden gezogen sind. Das hat auch mit der Infrastruktur und der zentralen Lage Nidwaldens zu tun. Zudem ist Nidwalden nach wie vor bei den Steuern sehr attraktiv.

Gegen die geplante Senkung der Firmengewinnsteuern haben die Grünen das Referendum ergriffen. Wie schlimm wäre ein Nein zu tieferen Gewinnsteuern?

Die Nidwaldner Stimmbevölkerung wird am 17. Mai 2020 darüber abstimmen. Es ist Sache der Regierung, politische Statements zu Abstimmungsvorlagen abzugeben. Ich äussere mich nicht dazu.

Wie gross ist der Konkurrenzkampf unter den Kantonen?

Wir haben keine Konkurrenz, sondern nur Mitbewerber (lacht). Die Zentralschweizer Kantone haben in den letzten 10 bis 15 Jahren allgemein enorm aufgeholt. Heute ist es eine wirtschaftlich starke Region.

Würden Sie auch den Nachbarkantonen Firmen wegschnappen?

Erstens: Das mache ich nicht. Zweitens profitieren wir davon, dass in der Zentralschweiz gute Unternehmen da sind, und dass wir hier ein gutes wirtschaftliches Umfeld haben.

Aber die Konkurrenz ist da...

Ja Gott sei Dank! Gerade der Wettbewerb macht’s ja aus. Das ist für die Schweiz ein ganz wichtiger Faktor, dass Unternehmen eine Wahlmöglichkeit haben. Nicht jedes Unternehmen würde nach Nidwalden passen.

Der Kanton mag steuerlich attraktiv sein. Aber: Nidwalden ist gebaut. Freie Flächen gibt es kaum mehr, die Landpreise steigen. Das macht die Situation für alle Unternehmen schwierig.

Das ist genau der Punkt und eine der Hauptaufgaben, die wir haben: Wir kämpfen um jeden Parkplatz, den eine Firma zusätzlich haben kann. Es ist aber auch wichtig, dass wir zum Kulturland Sorge tragen, sonst haben wir nicht mehr die gleiche Lebensqualität. Und die ist wichtig für die Bevölkerung und auch für die Unternehmen, um gute Mitarbeiter zu bekommen. Wir müssen schauen, dass wir eine gesunde Balance behalten.

Ein florierendes Unternehmen kann seinen Standort kaum mehr ausbauen. Auch für Neuzuzüge hat es kaum Platz. Wie lösen Sie das?

Wie andere Kantone hat auch Nidwalden vom Bund die Hausaufgabe bekommen, bei den gewerblichen Parzellen zu schauen, wie diese sinnvoller genutzt werden können. Diese Abklärungen sind nun im Gang. Als Beispiel: Wenn auf einer Parzelle 30 Parkplätze sind, könnte man diese ja anders unterbringen und an deren Stelle eine Produktionshalle oder Gewerberaum bauen. Das ist natürlich mühsamer als einfach auf der grünen Wiese zu bauen, aber wir müssen Wege finden, das zur Verfügung stehende Land effizienter zu nutzen.

Ein grosses Thema im Kanton Nidwalden ist auch der Verkehr. Wie stark leiden die Firmen unter den Staus?

Gute Verkehrsanbindungen sind für Nidwalden wichtig. Die Voraussetzungen hierfür sind grundsätzlich gegeben. Die Stausituationen im letzten Jahr waren jedoch belastend. Eine Task Force ist bekanntlich daran, Lösungen zu suchen. Ich bin überzeugt, dass hier geeignete Mittel gefunden werden, um die Situation auf der Autobahn A2 und in den umliegenden Gemeinden möglichst zu verbessern. Wenn die Gewerbetreibenden plötzlich ihre Aufträge nicht mehr erfüllen können, oder wenn die Arbeitnehmer am Morgen erst mal eine Stunde im Stau stehen, geht Wertschöpfung verloren.

Ihre Prognose für 2019 war zu pessimistisch. Wie lautet Ihre Prognose für 2020?

Die Prognosen gehen von einem Wirtschaftswachstum aus. Ich bin auch für Nidwalden optimistisch, weil wir sehr gut und breit aufgestellt sind und über leistungsstarke und innovative Unternehmen verfügen.

Diana Hartz (52) ist seit 2011 Leiterin der Wirtschaftsförderung Nidwalden. Nach dem Studium der Ökonomie an der Universität Augsburg war sie von 2001 bis 2008 für verschiedene Unternehmen in München und Hongkong tätig. Seit 2008 arbeitet sie für die Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Nidwalden. Heute wohnt sie mit ihrem Partner und den beiden Kindern in Hergiswil.