Nidwaldner Zug fährt in die Savanne

Die Klingler Fahrzeugtechnik AG und Rölli Tec AG liefern ihren zweiten Besucherzug für den Zürcher Zoo.

Philipp Unterschütz
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Die beiden Stanser Firmen Klingler Fahrzeugtechnik AG und Rölli Tec AG haben bereits den zweiten Masoala-Express für den Zoo Zürich hergestellt. Im Bild die Geschäftsführer Marc Waeber, Klingler (links) und Felix Rölli, Rölli Tec AG .

Die beiden Stanser Firmen Klingler Fahrzeugtechnik AG und Rölli Tec AG haben bereits den zweiten Masoala-Express für den Zoo Zürich hergestellt. Im Bild die Geschäftsführer Marc Waeber, Klingler (links) und Felix Rölli, Rölli Tec AG .

Bild: PD

Tagtäglich 15 Mal – zuverlässig fährt im Zürcher Zoo seit sechs Jahren der Masoala-Express mit der hübschen Elektro-Dampflok kleine und grosse Besucher zu den Elefanten in ihrem etwas abgelegenen Park. Hochwertige Materialien und handwerkliche Facharbeit machen es möglich, dass der Touristenzug trotz der hohen Beanspruchung kaum je wegen Reparaturen in der Garage stehen bleibt.

Die Verantwortlichen des Zürcher Zoos sind mit ihrem Masoala-Express gar so zufrieden, dass sie einen zweiten gleichartigen Gästezug bestellt haben. Gebaut wird er wiederum von den Stanser Firmen Klingler Fahrzeugtechnik AG und Rölli Tec AG. Die beiden Züge sollen die Besucherinnen und Besucher nun auch bis in die neue Lewa-Savanne fahren. Die 5,6 Hektaren grosse Savannenlandschaft im Zoo in Zürich mit Nashörnern, Giraffen und Zebras hätte demnächst eröffnet werden sollen, die Eröffnung musste wegen Corona aber vorerst verschoben werden.

Von den Erfahrungen profitieren

Dass Rölli und Klingler 2014 den Auftrag für einen ersten Zug erhielten, sei auch daran gelegen, dass sie damals die einzigen gewesen seien, die einen vollelektrisch angetriebenen Touristenzug anbieten konnten, dazu noch in einem individuell für den Zürcher Zoo entwickelten Design, erklärt Geschäftsführer Felix Rölli von der Rölli Tec AG. «Beim ersten Zug handelte es sich noch um einen vollfunktionsfähigen Prototypen, das war schon ein gewisses Abenteuer. Jetzt konnten wir von den gemachten Erfahrungen profitieren», erklärt der studierte Industriedesigner. Für den zweiten Masoala-Express, den die beiden Firmen nun gebaut haben, wurden nur bei den beiden Anhänger-Wagen Anpassungen gemacht. So wurde auf die Trittbretter und die automatischen Türen verzichtet, dafür die Wagen für einen leichteren Einstieg tiefer gelegt. Profitieren konnten die beiden Firmen dabei auch von den Erfahrungen, die sie beim Bau eines weiteren gleichen Zuges für die Stadt Neuenburg gemacht hatten.

100 Prozent «Made in Nidwalden«

Am Dienstag stand der Zug noch in Stans, am Mittwoch wurde er nach Zürich transportiert, wo er hoffentlich bald Besucher durch den Zoo Zürich fahren wird.
7 Bilder
So sieht das fertige Ergebnis aus...
...erst mussten die Wagen allerdings montiert werden.
Es ist bereits der zweite Besucherzug Masoala Express, den die beiden Stanser Firmen Klingler Fahrzeugtechnik AG und Rölli Tec AG für den Zoo Zürich hergestellt haben.
Noch fehlt das Zebramuster.
Mit dem entsprechenden Tarnmuster lässt sich schon besser erahnen, dass der Zug dereinst durch einen Zoo fahren soll.
Marc Waeber (links), Geschäftsführer von Klingler, und Felix Rölli, Geschäftsführer von Rölli Tec AG, mit der Elektro-Lok im Dampfzug-Design.

Am Dienstag stand der Zug noch in Stans, am Mittwoch wurde er nach Zürich transportiert, wo er hoffentlich bald Besucher durch den Zoo Zürich fahren wird.

Bilder: PD

Bei den Fahrzeugen handelt es sich um ein Produkt, deren Wertschöpfung voll und ganz in Nidwalden bleibt. Eine Komposition dieser Grössenordnung ist ab 350000 Franken erhältlich. Während Klingler für das rollende Lokfahrgestell samt Elektroantrieb, Akku, Steuerung, Bremssystem und Verkabelungen zuständig ist, besorgt Rölli das Design, den optischen Aufbau der Lok und der Anhänger, sowie deren Fahrgestell und die Ausrüstung mit Bänken. «Es ist für uns schon ein spezieller Auftrag», sagt Felix Rölli. Nicht wegen der Arbeiten an sich. Sondern weil es sich um ein Fahrzeug für ein breites Publikum in einem Zoo handle. «Das Design ist hier sehr wichtig. Da spielen Emotionen eine viel grössere Rolle als sonst im Nutzfahrzeugbau.»

Seit 2012 realisieren die beiden Firmen gemeinsame Projekte. Um die Zusammenarbeit noch zu intensivieren, zog Klingler 2018 nach Stans. «Wir sind heute wie eine WG: zwei separate Firmen unter einem Dach mit zwei Teams, die miteinander arbeiten.» Es gebe sehr hohe Synergieeffekte und ermögliche den beiden kleinen, spezialisierten Unternehmen auch gemeinsam die vielen benötigten Werkzeuge und Infrastrukturen anzuschaffen und zu nutzen.

Auswirkungen der Coronakrise

Felix Rölli verschweigt nicht, dass die Coronakrise auch heute schon in beiden Firmen zu spüren ist. Während Klingler die Pandemie kurzfristig im Aussendienst zu spüren bekommen habe, sei bei Rölli bei den Carosseriearbeiten durch den Rückgang von Privatkunden eine Einbusse von etwa 50 Prozent entstanden.

Per Camion wird der neue Masoala-Express heute in den Zoo Zürich gefahren. Dort wird er in den nächsten Tagen getestet, eingestellt und die Fahrer werden geschult.