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NIEDERRICKENBACH: Die Kauffrau greift zum Rechen

Denise Böhler melkt auf der Musenalp Kühe und bedient im «Alpbeizli» Gäste. Die Kauffrau hatte eine Alternative zum Bürojob gesucht.
Romano Cuonz
Denise Böhler (rechts) ist mit der Älplerfamile Barmettler – Mutter Edith, Tochter Jasmin und Vater Jost – hoch über See und Dörfern am Heuen. (Bilder Romano Cuonz)

Denise Böhler (rechts) ist mit der Älplerfamile Barmettler – Mutter Edith, Tochter Jasmin und Vater Jost – hoch über See und Dörfern am Heuen. (Bilder Romano Cuonz)

«Hätte mir jemand nach der Volksschule gesagt, dass ich einmal Kühe melken und einen Stall ausmisten würde, hätte ich wohl laut gelacht», sagt die 38-jährige Sarnerin Denise Böhler. Und dennoch: Zurzeit kümmert sie sich auf Musenalp, hoch über dem Vierwaldstättersee, um 50 Kühe und noch mehr Gäste. Mit 16 hatte Denise Böhler in der damaligen Sarnafil AG eine Lehre als Kaufmännische Angestellte begonnen. Später arbeitete sie in verschiedenen Betrieben. «Nach 19 Jahren Büroarbeit fühlte ich mich am PC nicht mehr wohl», erzählt sie. «Mir wurde klar, dass ich eine körperliche Arbeit brauchte, wenn es mir wieder gut gehen sollte.»

Vorerst erwog die Kauffrau, einen Job als Entwicklungshelferin in Afrika anzunehmen. Doch plötzlich habe sie sich gefragt: «Warum nicht auf einer Schweizer Alp arbeiten?» Als die junge Frau auf der Homepage «zalp.ch» sah, dass die Älplerfamilie Barmettler für den Alpsommer auf der Musenalp eine Hilfe suchte, rief sie einfach einmal an.

«Ich hatte ja gar keine Ahnung»

«Ich bekannte sogleich, dass ich ja gar keine Ahnung von der Arbeit einer Älplerin hätte», sagt Denise Böhler. Jost Barmettler habe ihr dann erklärt, sie müsse einfach gewillt sein zu «krampfen»! Es sei sehr anstrengend auf der Alp. Alles andere aber könne man lernen. «Die Familie Barmettler – Vater Jost, Mutter Edith und die drei Töchter Martina (15), Jasmin (13) und Cornelia (10) – waren mir auf Anhieb sympathisch», erinnert sich Denise. Die gelernte Kauffrau nahm Lohneinbussen in Kauf und sagte – vorerst für einen Sommer – zu.

«Mit Überhosen, ein paar alten T-Shirts und Gummistiefeln im Gepäck stieg ich ins Musenalp-Bähnchen», erzählt sie. Die tüchtige und sportliche junge Frau stellte sich gut an. «Binnen kurzem gehörte sie zur Familie», lobt Jost Barmettler. In der Tat: Nachdem die Sarnerin im letzten Winter wieder aushilfsweise als Kauffrau tätig war, arbeitet sie heuer schon im zweiten Sommer als Älplerin. «Arbeiten wie Melken, Misten, Bergheuen oder Kühe eintreiben sind für mich mittlerweile selbstverständlich.» Um 5 Uhr in der Früh gehts aus den Federn, dann wird im Stall gemolken. Es gebe da eine sehr moderne Melkanlage, berichtet die Älplerin. Kaufmännisch muss Buchhaltung geführt werden, welchem Bauer wie viel Milchgeld zusteht. Mit den Kühen ist Denise Böhler längst auf Du und Du. «Fiona und Piroschka sind ein bisschen Hühner», lacht sie. Die tollten gerne herum, bevor sie in den Stall kämen.

Mehr Abwechslung als im Büro

Nach dem Melken sitzt die ganze Familie beim Frühstück: Milch, Käse, Butter, Konfitüre. Um 7 Uhr werden die Kühe auf die Weide getrieben und der Stall sauber gemacht. «Dann ziehe ich mich um und bediene in der Alpbeiz die ersten Gäste.» Edith Barmettler bemerkt anerkennend: «Dabei kommen Denise sogar ihre Englisch- und Französischkenntnisse zustatten!» Denise lacht: «Hier oben gibt es mehr Abwechslung als im Büro ... Nach den Kühen die Kletterer, ein früherer Älpler, der mir ein altes Milchbüchlein zeigt, gemütliche Pensionierte, die jassen, aber auch mal gestresste Business-Menschen.» Nach dem Service stehen verschiedenste Arbeiten an. Ist das Wetter gut, geht Denise Böhler mit der Familie ins «Bergheu». Abends: wieder Kühe eintreiben, melken und misten. «Nach dem Znacht sitzen wir oft noch bei einem Bierchen am Tisch» erzählt Denise Böhler. Bis Älpler Jost vor dem Einnachten den Alpsegen ruft. «Nach so einem strengen Tag kann ich herrlich schlafen», schwärmt sie. «Auf der Alp muss man vieles so nehmen, wie es einem die Natur bringt.»

Unheimlich sei es, wenn über dem Grat Blitze zuckten und man noch die Kühe in den Stall treiben müsse. «Da zünden sie dann in der Hütte Kerzen an, bis wir heimkommen.» Wunderschön hingegen sei die Morgenstimmung beim Melken. Und da seien Tiere und Pflanzen: Frauenschuh, Türkenbund, aber auch Murmeltiere, Gämsen oder die jungen Kätzchen. Weniger Freude hätten Älpler, wenn Hunde­besitzer ihre Lieblinge im Trog, aus dem die Kühe trinken, baden oder auf den Matten ihre Geschäfte verrichten liessen. Die meisten Gäste aber seien freundlich. Für die fernere Zukunft macht sich Denise Böhler kaum Gedanken. «Ich nehme einfach ein Jahr ums andere.»

In unserer Sommerserie «Meine Alp» stellen wir in loser Folge Älpler oder Alpen mit einem besonderen Hintergrund vor. Alle Folgen finden Sie unter www.nidwaldnerzeitung.ch/serien

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