Nirgends in der Schweiz steigen die Preise für Wohneigentum so stark wie in Nidwalden

Eigenheime sind rar in Nidwalden. Das wirkt sich auf die Preise aus. Sie stiegen alleine im vergangenen Halbjahr um 5,4 Prozent. Doch auch in Obwalden wurde es teurer.

Matthias Piazza
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In Hergiswil sind die Preise für Eigenheime so hoch wie nirgends in Nidwalden.

In Hergiswil sind die Preise für Eigenheime so hoch wie nirgends in Nidwalden.

Bild: Urs Hanhart (Hergiswil, 27. Mai 2020)

Wer ein Einfamilienhaus in Stans kaufen will, muss rund 1,3 Millionen Franken zahlen. In Hergiswil muss man für ein vergleichbares Haus (500 Quadratmeter Grundstückfläche, 6 Zimmer, fünfjährig) gut 1,7 Millionen Franken rechnen, in Emmetten gut 1 Million. Buochs und Beckenried liegen im kantonalen Schnitt von rund 1,2 Millionen. An preiswerteren Lagen im Engelbergertal zahlt man hingegen weniger als 900'000 Franken. Dies geht aus dem neusten Eigenheimindex der Nidwaldner Kantonalbank (NKB) hervor, der am Mittwoch veröffentlicht wurde. Damit kommt man in Nidwalden im Schnitt immer noch besser weg als in Luzern (1,6 Millionen) oder Zug, wo man für ein vergleichbares Haus satte 2,5 Millionen Franken hinblättern müsste.

Bemerkenswert ist jedoch die Entwicklung im Kanton Nidwalden. So sind die Preise für Eigentumswohnungen zwischen April und September dieses Jahres um 5,6 Prozent gestiegen, so stark wie in keinem anderen Kanton und wie noch nie seit den Boomjahren 2011/12. Der landesweite Schnitt betrug 1,5 Prozent. Während eine Musterwohnung (135 Quadratmeter, fünfjährig) in Ennetmoos für rund 950'000 Franken zu haben ist, zahlt man in Stans bereits 10 Prozent mehr und in Hergiswil muss man mit Preisen ab 1,4 Millionen rechnen.

Auch die Preise für Einfamilienhäuser schossen innerhalb eines halben Jahres um 5,1 Prozent in die Höhe. Dies ist auch weit über dem landesweiten Schnitt von 0,6 Prozent.

Gute Lage mit See- und Bergsicht ist gefragt

«Nidwalden hat im Moment genau das anzubieten, was auf dem Liegenschaftsmarkt stark nachgefragt wird: gute und zentrale Lage, See- und Bergsicht, Wohnen auf dem Land, gute Infrastruktur und attraktive Steuern», erklärt Philipp Müller, Leiter Firmenkunden und Finanzierungen der NKB, diesen Boom. Ausserdem spricht er von einem Nachholbedarf, nachdem die Preise in der Vergangenheit immer unter dem Landesschnitt gestiegen seien. Eine Rolle spiele auch Corona: «Die Leute arbeiten vermehrt zu Hause. Da sind nun plötzlich Lagen im Grünen bevorzugt. Ein längerer Arbeitsweg spielt nicht mehr dieselbe Rolle.» Dazu komme, dass in Nidwalden die Nachfrage nach Einfamilienhäusern grösser als das Angebot sei, was die Preise zusätzlich in die Höhe treibe.

Auch in Obwalden steigen Preise auf Rekordwerte

Einen Boom für Eigentumswohnungen erlebt auch der Kanton Obwalden. Die Preise steigen auf Rekordwerte. Der Preisindex für Eigentumswohnungen weist per Ende September ein Plus von 4 Prozent aus. Ein ähnliches Bild zeigt sich gemäss Eigenheimindex der Obwaldner Kantonalbank (OKB) auch bei den Einfamilienhäusern, die in Obwalden um 3,2 Prozent teurer wurden.

Quelle: Obwaldner Kantonalbank


«Gerade in der Coronakrise scheint der Wunsch nach einem eigenen Haus mit Umschwung gross zu sein. Obwalden trumpft auf mit Freiraum und Nähe zur Natur, die aktuell verstärkt gesucht werden», heisst es im Bericht zum OKB-Eigenheimindex. Die Leerstandsziffer zeige sich für den Kanton Obwalden mit 0,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf fast unverändert tiefem Niveau, was auf ein Gleichgewicht im Wohnungsmarkt hindeute.

Auch in Obwalden gibt's Unterschiede zwischen den Gemeinden. Ein typisches, fünfjähriges Muster-Einfamilienhaus mit 180 Quadratmeter Wohnfläche schlägt in Engelberg als Erstwohnsitz mit rund 1,3 Millionen Franken zu Buche. An günstigeren Standorten wie beispielsweise in Kerns muss für dasselbe Musterhaus mit 1,1 Millionen etwas weniger tief in die Tasche gegriffen werden.

Hinsichtlich des Preisgefüges von Eigentumswohnungen ist innerhalb des Kantonsgebiets ebenfalls ein klares Muster erkennbar. Für den Kauf einer typischen Wohnung mit 4,5 Zimmern und 140 Quadratmetern sind in Alpnach im Durchschnitt rund 880'000 Franken nötig. Rund 10 Prozent mehr kostet dieselbe Musterwohnung in Sarnen.

Quelle: Obwaldner Kantonalbank